Interview und Video mit Andrea Roschek
„Man darf keine Angst vor dem Scheitern haben"

"Ich habe so viele Sachen in meinem Leben ausprobiert und bin auch so oft mit etwas gescheitert – trotzdem hat es mir immer etwas gebracht und was soll schon passieren, wenn man scheitert?"
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  • "Ich habe so viele Sachen in meinem Leben ausprobiert und bin auch so oft mit etwas gescheitert – trotzdem hat es mir immer etwas gebracht und was soll schon passieren, wenn man scheitert?"
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Vor zwölf Jahren hat Andrea Roschek aus Großwarasdorf die Pannonische Tafel – die heute in Eisenstadt und Oberpullendorf Standorte betreibt – gegründet. Im Bezirksblätter-Interview spricht sie über den Einfluss ihrer Oma, die momentane Situation von Asylwerbern im Burgenland sowie ihren Wunsch an Landeshauptmann Hans Peter Doskozil 

Sie haben die Pannonische Tafel aus der Taufe gehoben. Wie kam es eigentlich dazu?
Vor zwölf Jahren hat mich eine gute Freundin auf das Tafel-Konzept aufmerksam gemacht. Ich habe das vorher nicht gekannt und dann so genial gefunden, weil ich selbst vier Kinder alleine groß gezogen und wirklich manchmal nicht gewusst habe, ob ich die nächste Stromrechnung oder die Lebensmittel für meine Familie bezahlen soll. Natürlich entscheidet man sich für die Lebensmittel und deshalb wurde mir auch zweimal für lange Zeit der Strom abgedreht. Und es geht vielen unserer Kunden so. Deshalb haben wir damals noch am selben Tag unsere erste Presseaussendung gemacht und die Pannonische Tafel gegründet. Innerhalb von kürzester Zeit haben sich dann auch über 600 Leute angemeldet und das war irre, weil wir zwei Hausfrauen waren, die selbst kein Geld hatten.

"Wir merken, dass sich seit Monaten jeden Tag neue Menschen bei uns anmelden. Es wird schon ständig mehr."
  • "Wir merken, dass sich seit Monaten jeden Tag neue Menschen bei uns anmelden. Es wird schon ständig mehr."
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Sie sind grundsätzlich eine sozial sehr engagierte Frau? Woher kommt das?
Von meiner Oma. Sie hat mich groß gezogen und immer gesagt: Wichtig ist es zu teilen und zu schauen, dass es nicht nur einen selbst, sondern auch allen anderen um dich herum gut geht.

Wie wirkt sich Ihre Tätigkeit und Ihr Engagement auf Ihr Privatleben aus?
Insofern, dass ich nicht so viel Privatleben habe und mir dieses eben sehr sehr genau und gut einteile. Ich versuche da mit meinen Kindern und meinen besten Freundinnen immer was cooles zu unternehmen und die Zeit gut miteinander verbringen – zum Beispiel Museen oder Konzerte besuchen oder einen kurzen gemeinsamen Urlaub.

Welchen Rat geben Sie Frauen, die – so wie Sie – etwas auf die Beine stellen wollen?
Man darf keine Angst vor dem Scheitern haben und muss Sachen einfach ausprobieren. Ich habe so viele Sachen in meinem Leben ausprobiert und bin auch so oft mit etwas gescheitert – trotzdem hat es mir immer etwas gebracht und was soll schon passieren, wenn man scheitert?

Andrea Roschek im Gespräch mit Bezirksblätter Burgenland-Chefredakteur Christian Uchann
  • Andrea Roschek im Gespräch mit Bezirksblätter Burgenland-Chefredakteur Christian Uchann
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Gab oder gibt es Frauen im Burgenland, die Sie bewundern oder als Vorbild haben?
Eine Frau, die ich ganz stark bewundere, ist Inge Posch-Gruska, die Bürgermeisterin von Hirm – auch eine liebe Freundin von mir. Sie finde ich großartig. Sie macht alles mit so viel Herz und Engagement und nimmt sich jede Zeit der Welt für einen und ist dabei auch noch so entspannt. Also diese Frau ist wirklich unglaublich und ich liebe sie sehr.

Sehen Sie sich selbst als Vorbild für andere Frauen?
Ja, obwohl mir das gerade sehr peinlich ist und ich oft ein sehr streitbarer Charakter bin. Aber ja, was mein Engagement anbelangt, kann man mich vielleicht schon als Vorbild sehen. Auf alle Fälle gibt es sehr viele tolle Frauen bei uns im Burgenland und in Österreich.

In der Pannonischen Tafel haben Sie unter anderem auch Kontakt mit Asylwerbern – wie würden Sie deren momentane Situation im Burgenland beschreiben? Funktioniert die Integration oder nicht? Wo gibt es Probleme oder Handlungsbedarf?
Ich kenne wirklich sehr viele und begleite sie auch oft zu Behörden und ich muss sagen, die allermeisten bemühen sich wahnsinnig, sich zu integrieren. Es wird ihnen aber auch nicht so einfach gemacht, sich zu integrieren, gerade am Land werden sie schon sehr beäugt und mit Vorurteilen konfrontiert. Viele bekommen trotz positiven Asylstatus keine Wohnung oder einen Arbeitsplatz und es gibt zu wenig Deutsch-Unterricht – Integration hat aber gerade mit diesen Aspekten sehr viel zu tun.

"Ich kenne wirklich sehr viele Asylwerber und begleite sie auch oft zu Behörden und ich muss sagen, die allermeisten bemühen sich wahnsinnig, sich zu integrieren."
  • "Ich kenne wirklich sehr viele Asylwerber und begleite sie auch oft zu Behörden und ich muss sagen, die allermeisten bemühen sich wahnsinnig, sich zu integrieren."
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Haben Sie einen Wunsch an die neue Regierung?
Ich würde mir wünschen, dass Herr Doskozil das einhält, was er mir eigentlich vor einem Jahr schon mehr oder weniger versprochen hat: Er hat mir gesagt, er würde gerne in jedem Bezirk eine Tafel einrichten, aber ich habe ihm dann gesagt, dass das so nicht geht. Denn zuerst muss ich wissen, dass die Tafeln in Eisenstadt und Oberpullendorf weiterhin bestehen können. Wir kämpfen jedes Jahr ums Überleben und solange ich nicht die Sicherheit habe, dass wir in Eisenstadt und Oberpullendorf überleben können, mache ich nicht noch in den fünf anderen Bezirken Tafeln auf. Wenn wir beispielsweise die Garantie von einer Förderung von 20.000 Euro für die nächsten fünf Jahre hätten, dann könnte man sich auch einmal in andere Bezirke trauen.

Wo konkret braucht es Geld in der Pannonischen Tafel?
Die größten Brocken sind die Miete und die Betriebskosten. Dann kommt noch das Auto hinzu, wo wir im Monat rund 1.300 Euro für Benzin brauchen und das natürlich auch Wartungs- und Reparaturkosten verursacht. Diese 8.000 Euro, die wir im Monat brauchen, sind unsere existenziellen Kosten. Damit können wir gerade einmal bestehen, aber nicht daran arbeiten, dass unsere Struktur besser wird oder wir einmal eine Kühlzelle anstatt 20 alter Kühlschränke hätten. Wir fahren mit einem Auto von 6 in der Früh bis 21 Uhr am Abend Lebensmittel abholen – in Wirklichkeit bräuchten wir drei Kühlautos, um zur rechten Zeit da zu sein.

Ist die Anzahl Ihrer Kunden in letzter Zeit gestiegen?
Wir merken, dass sich seit Monaten jeden Tag neue Menschen bei uns anmelden. Es wird schon ständig mehr. Wir haben heute rund 2.600 Kunden, haben 2019 515.000 kg Lebensmittel umverteilt und 27.000 Ehrenamtsstunden geleistet – das enstpricht elf Vollzeit-MitarbeiterInnen. Also es geht irre schnell und jeden Tag gibt es neue Herausforderungen.

Video: Andrea Roschek

www.pannonischetafel.com

Kontonummer für Spenden an die Pannonische Tafel:
Raiffeisenlandesbank Burgenland
IBAN: AT37 3300 0000 0221 5523
BIC: RLBBAT2E

Autor:

Franz Tscheinig aus Eisenstadt

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