Historische Seuchen
Corona-Virus nicht mit Spanischer Grippe vergleichbar

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Die aktuelle Corona-Pandemie mit historischen Seuchen wie der Spanischen Grippe zu vergleichen sei sinnlos, so eine Medizinhistorikerin. Stattdessen solle man altbewährte Maßnahmen wie die Quarantäne schätzen.

ÖSTERREICH. Für die Innsbrucker Medizinhistorikerin Elisabeth Dietrich-Daum sind die sozialen Reaktionen in Zeiten der Krisenbewältigung viel interessanter als ein Zahlenvergleich. Die Quarantäne sei schon lange eine unumgängliche Maßnahme gewesen, wenn kein Heilmittel zur Verfügung stand, sagte sie der APA.

"Nichts Neues"

Die "alten Quarantänemaßnahmen" hätten schon zu Zeiten der Lepra und später zu Zeiten der Pest Anwendung gefunden. Auch der "Sanitätshauptnormativ", der 1770 von Kaiserin Maria Theresia erlassen wurde, beschreibt diese Maßnahme. Für die Medizinhistorikerin, die am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck forscht, sind Methoden wie Quarantäne, Isolierung, die Meldepflicht von Erkankungs- und Todesfällen und auch das Händewaschen "nichts Neues".

"Nur bedingt" vergleichbar

Die aktuelle Corona-Pandemie sei "nur bedingt" mit früheren Seuchen, oder Pandemien wie der Spanischen Grippe vergleichbar. Während des Ersten Weltkriegs verbreitete sich dieser besonders aggressive Grippe-Virus und forderte 25 bis 50 Millionen Opfer. Zwar handele es sich auch hierbei um eine Lungenkrankheit, allerdings seien die Umstände ganz andere gewesen, so die Forscherin. "Die Quarantäne und Isolierungsmaßnahmen, die Regierungen in ganz Europa ergriffen haben und die der Eindämmung der Corona-Pandemie dienen, waren im Ersten Weltkrieg nicht möglich", so Dietrich-Daum. Außerdem sie der Ernährungszustand heute wesentlich besser als damals. 

Gute Kommunikation

Auch die Kommunikation unter den Ländern sei heute wesentlich besser. "Experten wie Virologen und Statistiker können jetzt zum Beispiel überlegen, was in den kommenden Wochen passieren wird", so die Forscherin. Das seien immense Vorteile gegenüber damaligen Zeiten. Jetzt gelte es diese Vorteile zu nutzen. 

Kritik an WHO

Die Forscherin übt leise Kritik an der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese sei in der Krise "relativ leise".  "Ich hätte mir erwartet, dass sie profilierter und stärker auftritt und zum Beispiel sagt: Es ist wesentlich, dass sich die EU auf eine gemeinsame Strategie einigt, und dass sich die Epidemie nicht Richtung Afrika und in die Flüchtlingslager ausbreitet", wünscht sich die Medizinhistorikerin. 

Viele Epidemien wurden vergessen

Für die Forscherin sei es besonders spannend zu beobachten, wie die Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie angenommen werden. Insbesondere deshalb, weil die "Impffreudigkeit" bei der Bevölkerung zuletzt massiv zurückgegangen sei. Viele hätten Epidemien, wie die Kinderlähmungs(Poliomyelitis)-Ausbrüche von 1947 und 1957/58 wieder vergessen oder verdrängt. "Die Mittelschicht war 1958 fast panisch, dass die eigenen Kinder an der Seuche erkranken konnten", so die Forscherin. Diese Angst führte damals zu einer unglaublichen Nachfrage bei den neuen Schluckimpfungen. So konnte die Seuche bis 2002 quasi ausgerottet werden. Zur Zeit mache es den Anschein, dass die Bevölkerung die bisherigen Maßnahmen gut annehme.

Autor:

Ted Knops aus Wien

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