MÜHELOS ABNEHMEN Teil VI – KOHLEHYDRATE

Chemisch gesehen sind Kohlehydrate Moleküle, die aus Kohlestoff, Wasserstoff und Sauerstoff bestehen. Alle Pflanzen und Tiere (inklusive dem Menschen) können Kohlehydrate als Energiequelle nutzen.

Wir unterscheiden zwischen zuckerhaltigen und stärkehaltigen Kohlehydraten.

Zucker: Bestehen oft nur aus einem einzigen Kohlehydrat Molekül (d.h. Monosacharid) wie zum Beispiel Glucose (=Traubenzucker). Sucrose (=Haushaltszucker) oder Lactose (=Milchzucker) bestehen aus zwei Molekülen, sind daher Disaccharide. Man spricht auch von einfachen Kohlehydraten.

Stärke: Besteht aus langen Ketten, die aus einfachen Zuckermolekülen gebildet werden. Daher werden sie auch komplexe Kohlehydrate genannt. Beispiele wären Getreide, Pasta, Kartoffel oder Reis.

Ungeachtet der Unterschiede in der chemischen Struktur macht es FÜR UNSERENKÖRPER KEINEN UNTERSCHIED ob wir Kohlehydrate in Form von Zucker oder Stärke zu uns nehmen. Während des Verdauungsprozesses werden Kohlehydrate „auf die kleinste Einheit“ herunter gebrochen, also in viele einzelne Moleküle Glucose und gelangen als solche in unseren Blutkreislauf.

Bitte lesen Sie diesen letzten Absatz nochmals: KOHLEHYDRATE = GLUCOSE IN UNSEREM BLUTKREISLAUF

(lediglich Fructose (Fruchtzucker) bildet hier eine Ausnahme. Über Fructose schreibe ich nächste Woche in Teil VII von Mühelos Abnehmen)

Hier liegt ein klares Unverständnis vor: Während JEDER weiß, dass es ungesund ist mit dem Löffel in die Zuckerdose zu fahren hält sich immer noch hartnäckig die Meinung Getreide, Haferflocken, Kartoffel, Reis und Co wären gesund, gar unverzichtbarer Hauptbestandteil gesunder Ernährung.

IM GEGENSATZ ZU EIWEISS UND FETT GIBT ES KEINE ESSENZIELLEN (=LEBENSNOTWENDIGEN) KOHLEHYDRATE!

Möchte ich damit sagen, man soll Kohlehydrate generell meiden? Nicht zwangsläufig, entscheidend immer der individuelle Gesundheitszustand des Einzelnen. Gibt es keine „one size fits all“ Regel. Im Fall einer Krebserkrankung etwa, Diabetes ( I + II ), Alzheimer oder Übergewicht (d.h. Insulin- und Leptin Resistenz) rate ich einem jeden meiner Klienten Kohlehydrate ähnlich zu scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

Wie wir aus vergangenen Folgen von Mühelos Abnehmen wissen ist unser Blutzuckerspiegel sehr eng reguliert. Ein gesunder Mensch hat im nüchternen Zustand 4 – max. 5 Gramm Blutzucker in seinem gesamten Blutkreislauf (d.h. in 5 Litern Blut). Sehen wir uns an was beispielsweise nach einem typischen Frühstück passiert: Eine Semmel mit Marmelade, dazu ein Kaffee mit 2 Löffel Zucker, ein wenig Milch und ein Glas Orangensaft „wegen des Vitamin C“. Über den Daumen gepeilt 100 Gramm Kohlehydrate in einer Sitzung. Oder mit anderen Worten: Die 20 - 25-fache Menge Blutzucker, die unser Körper eigentlich haben möchte.

Alarm, sämtliche Sirenen schrillen los, jegliche körperliche Funktionen werden hinten angestellt. Was jetzt zählt ist diese toxische Menge auf ein gesundes Maß zu regulieren um das momentane Überleben zu sichern. „Momentanes Überleben“ ist keinesfalls übertrieben: Würde jemand, der an Diabetes I erkrankt ist (d.h. kein Insulin produzieren kann) sich nach solch einer Menge Glucose nicht unverzüglich Insulin spritzen würde er sehr bald in ein diabetisches Koma fallen und ohne ärztlicher Hilfe wenig später versterben. Das will unser Körper natürlich nicht, daher kommt es zu einer Reihe Rettungs- und Notfallmaßnahmen.

Etwa wie wenn in Ihrem Wohnzimmer Feuer ausbricht. Die Feuerwehr kommt mit Blaulicht angerast, tritt die Wohnungstüre ein um den Brand löschen zu können ehe er sich ausweitet. Nur das zählt, es ist völlig egal, ob dabei Ihre sündteure Stereoanlage, der Van Gogh an der Wand oder der Perser Teppich ruiniert wird. Das Feuer gehört gelöscht – JETZT!

Umgelegt auf den menschlichen Körper nennt man das Homöostase. Die Aufrechterhaltung des momentanen Überlebens. Ohne jegliche Gedanken an etwaige Spätfolgen. Den Van Gogh oder Perser……

Die einzige Möglichkeit die ungeheure Blutzuckermenge unseres fiktiven Frühstückes schnell abbauen zu können wäre mittels sofortiger, körperlicher Tätigkeit. Ein langes Lauftraining etwa, Krafttraining im Studio, Holzhacken oder ein Swimming Pool ausschaufeln. Im Regelfall werden wir aber nichts davon tun sondern maximal zu unserem Auto gehen um in die Arbeit zu fahren. Folglich muss unser Körper andere Rettungsmaßnahmen vornehmen den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Er hat einige davon zu Verfügung. Zwar keine ausreichend um den Job allein zu vollenden, mit vereinten Kräften aber gelingt es:

Pathway #1: Einer der größten Vorteile, den Sportler gegenüber Menschen, die sich weniger bewegen haben ist die Möglichkeit, große Mengen Glucose in die Speicherform Glycogen umwandeln und in der Muskulatur speichern zu können. Alle Sportler seien hier jedoch gleich gewarnt: Das ist kein Freibrief Unmengen Pasta und Süßigkeiten reinzuschaufeln. Voraussichtlich Anfang Oktober, nach Ende der „Mühelos Abnehmen“ Serie beginnt „Mühelos Laufen“ wo ich ausführlich über diesen sowie jegliche anderen Aspekte eines Lauftrainings schreiben werde.

Pathway #2: Der komplette Energiebedarf unseres Gehirns sowie Nervensystems wird mittels des erhöhten Blutzuckers gedeckt. Anders als häufig angenommen ist Zucker NICHT die bevorzugte Energiequelle dieser beiden, hat vielmehr langfristig gesehen eine Menge negativer Auswirkungen. (Unsere bevorzugte Energiequelle sind Fette sowie Ketonenkörper)

Pathway #3: Bereits Rezeptoren im Mundbereich signalisieren die Ankunft von Kohlehydraten, unser Körper ist also vorbereitet und spezielle Betazellen sorgen dafür, dass Insulin ausgeschüttet wird. Wir erinnern uns, Insulin stoppt die Fettverbrennung. Hier haben wir jetzt den Link dazu, die Fettverbrennung MUSS stoppen, um Blutzucker abbauen können. Hormone, die normaler Weise Fett zur Energiegewinnung in unsere Zellen schleusen werden durchs Insulin unterdrückt. Selbst das bisschen Energie, das wir benötigen um in die Tastatur unseres Computers zu klopfen, 3 Schritte zum Kopierer zu gehen oder unseren Kaugummi zu kauen wird jetzt durch Zucker bereit gestellt. Langfristig macht uns das völlig abhängig von Kohlehydraten, ein „ganz normales“ Frühstück wie das zuvor beschriebene stoppt die Fettverbrennung nicht nur für die nächsten paar Stunden sondern den restlichen Tag und noch länger während unser Hirn in regelmäßigen Abständen „Hunger, ich brauche Nachschub“ signalisiert. Kein Wunder, dass man überall von „unserer wichtigsten Energiequelle Kohlehydrate“ liest, ohne die angeblich nichts geht.

Nochmals, weil es wert ist wiederholt zu werden:

KOHLEHYDRATE = INSULINANSTIEG = FETTVERBRENNUNG IST RESTLOS GESTOPPT

Wenn Sie aus der gesamten „Mühelos Abnehmen“ Serie nichts anderes mitnehmen als diese Message, so haben Sie damit bereits den Schlüssel für Wunschgewicht und Gesundheit in der Hand. Verstehen im Übrigen mehr vom menschlichen Stoffwechsel als viele der „Experten“, die (gut) davon leben Leuten beim Abnehmen „zu helfen“.

Pathway #4: De Novo Lipogenesis. Das ist Latein und klingt eigentlich nett, ist es aber nicht: Die Deutsche Übersetzung lautet in etwa „eine neue Lage Fett bilden“. Dabei wird Glucose in der Leber in Fett umgewandelt. Ein Teil dieses neuen Fettes wird in der Leber selbst und den umliegenden Organen abgelagert, es kommt also zu Organverfettung. Ein Teil des neu gebildeten Fettes wird in VLDL Partikel verpackt und in diversen anderen Fettzellen deponiert. (Hier haben wir den direkten Link zu erhöhten Cholesterinwerten. Wobei dieses umfassende Thema einen eigenen Artikel verdient.)

Bei einem mäßig aktiven Menschen wird in etwa die Hälfte der zuvor gegessenen Kohlehydrate mittels De Novo Lipogenesis in Fett umgewandelt.

Pathway #5: Glycation. Wer hat nicht als Kind Lollies geliebt ? (Ich ganz bestimmt!) Wie wir von damals wissen, Zucker ist klebrig sobald er mit Flüssigkeit in Kontakt kommt. Wie etwa unserem Blut. So ist auch unser Blutzucker eine klebrige Masse die dazu neigt an Proteinen haften zu bleiben. Nachdem unser Blut überall hinfließt können das nahezu alle Proteine in unserem Körper sein: Die Knorpel unserer Gelenke (um mit einer „harmlosen“ Sache wie Gelenksschmerzen zu beginnen, so manche Arthrose ist nichts anderes als ein glykiertes Gelenk und als solches völlig reversierbar). Die Proteine in unserem Gehirn, die besonders anfällig für Oxidation (Demenz, Alzheimer !) sind. Unsere (Herz)Arterien (Atherosklerose, Bluthochdruck), die der Nieren (Niereninsuffizienz), die Proteine in unseren Augäpfel und tausend andere Dinge, die wir gar nicht so genau wissen wollen. Langfristig bringt Glycation gesundheitlich ganz, ganz böse Folgen mit sich. Kurzfristig aber hilft es – im Verein mit den anderen Pathways – den Blutzuckerspiegel zu regulieren.

Homöostase – unser momentanes Überleben – ist also gesichert. Bliebe es bei einem einmaligen (beziehungsweise seltenen) Szenario wie bei unserem fiktiven Frühstück, etwa zu Geburtstagen, Weihnachten oder Ostern, so würde unser Körper den dadurch entstandenen Schaden reparieren und wir würden gesund weiterleben ohne je etwas davon zu merken. Tatsächlich aber setzen wir unserem Körper mit jeder einzelnen Mahlzeit unserer SAD (Standard Austrian Diet) einer ähnlichen Kohlehydrat – Überflutung aus woraufhin die zuvor beschriebenen Rettungsmechanismen in Gang gesetzt werden. Kein Wunder, dass wir umso kränker werden je älter wir sind und es mittlerweile als völlig normal angesehen wird körperlich und geistig abzubauen. 75% aller Erwachsenen über 50 nehmen regelmäßig (sprich: täglich) zumindest ein verschreibungspflichtiges Medikament ein, 97% aller über 70 Jährigen!

Dass das nicht so sein muss kann ich Ihnen versprechen, sogar garantieren.

Für heute bedanke ich mich fürs Lesen.

Alles Gute, bis zum nächsten Mal!

Wolfgang Zingl, Primal Health Austria

Autor:

Wolfgang Zingl aus Klagenfurt

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