A Life, A Song, A Cigarette: Erinnerungen an Simmering

Lukas Lauermann, Stephan Stanzel und Martin Knobloch (v.l.) von "A Life, A Song, A Cigarette".
4Bilder
  • Lukas Lauermann, Stephan Stanzel und Martin Knobloch (v.l.) von "A Life, A Song, A Cigarette".
  • Foto: Arnold Burghardt
  • hochgeladen von Sabine Miesgang

Worin unterscheidet sich euer neues Album von seinen drei Vorgängern?
STEPHAN STANZEL: Erstens haben wir uns für die Aufnahmen lange Zeit gelassen, nämlich zweieinhalb Jahre. Zweitens hatten wir diesmal einen Produzenten, nämlich Stefan Deisenberger von Naked Lunch und Nowhere Train. Dadurch ist ein neuer Sound entstanden: Man hört schon, dass die Band "A Life, A Song, A Cigarette" ist, aber neu aufpoliert vielleicht.

MARTIN KNOBLOCH: Und drittens waren diesmal alle am Schreiben der Songs beteiligt. Früher kam Stephan mit den fertigen Songs in den Proberaum.

Ihr habt ja ein eigenes Studio in Ottakring: die legendäre Tonkombüse. Erzählt davon!
LUKAS LAUERMANN: Daniel Grailach, unser Schlagzeuger, hat bei sich zu Hause in der Wohnung begonnen, Platten aufzunehmen. Ein paar Ernst Molden-Aufnahmen sind bei ihm entstanden. Sein Wunsch war es immer, einen großen Raum zu haben und dort ein Zentrum für verschiedene Künstler zu schaffen. Im Sommer 2011 hat er diesen Raum endlich gefunden. In Eigenregie haben wir diesen dann passend umgebaut. Clara Luzia hat ihre letzten beiden Alben bei uns aufgenommen und der Schlagzeuger von GARISH ist mittlerweile in der Tonkombüse zu Hause.

Wie war dir Zeit im Studio?
KNOBLOCH: Wir haben die Platte in Sessions aufgenommen, die in der Regel vier Tage gedauert haben: Vier Tage waren wir von neun Uhr früh bis zwölf Uhr nachts im Studio. Da steht man natürlich unter Spannung. Als Musiker konnte ich mich dann auch mal zurückziehen, wenn beispielsweise das Cello aufgenommen wurde.

Stephan Stanzel
Sänger Stephan Stanzel, Foto: Burghardt

Warum heißt ein Song am neuen Album „Simmering II“?
STANZEL: Auf unserem zweiten Album hatten wir schon den Song „Simmering“, der natürlich vom elften Bezirk handelt. Ich habe meine ersten 25 Lebensjahre dort verbracht. „Simmering II“ behandelt meine Erinnerungen an Simmering, an Plätze, an denen ich oft war. Es behandelt das Wegziehen nach Margareten und auch das Zurückkommen, wenn ich beispielsweise meine Mutter besuche. Der Song handelt davon, wie es mir mit Simmering geht und natürlich auch mit der politischen Veränderung, die dort stattgefunden hat.

Was sind deine prägendsten Erinnerungen an Simmering?
STANZEL: Als Kind war der elfte Bezirk super, weil man viele Grünflächen hatte. Simmering war die pure Freiheit! Als Jugendlicher war es nicht mehr so toll, weil man ewig lang in die Stadt brauchte. Es gab auch immer mehr Rechte, von denen man traktiert wurde. Mittlerweile habe ich ein ambivalentes Verhältnis zu Simmering: Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich es mag oder nicht. Ich komme gerne her, es gibt super Wirtshäuser.

KNOBLOCH: Ich bin ursprünglich aus Niederösterreich. Wenn ich damals mit Stephan fort war, habe ich natürlich bei ihm in Simmering übernachtet. Am Heimweg von der U-Bahnstation Zippererstraße, Ausgang Hyblerpark, stand früher ein Bier-Automat, bei dem man sich Seidel runterlassen konnte. Das hat mich fasziniert! Es war eine schöne Zeit.


Sänger Stephan Stanzel und Cellist Lukas Lauermann (v.l.), Foto: Burghardt

Du hast vorhin die politische Situation angesprochen. Wie stehst du dazu?
STANZEL: In den letzten zehn bis 15 Jahren ist in Simmering viel falsch gelaufen, auch von Seiten der SPÖ-Bezirksvorstehung. Ich habe diesen Wechsel kommen sehen. Es ist kein Ruhmesblatt für Simmering, dass er der einzige Wiener Bezirk mit einer FPÖ-Bezirksvorstehung ist. Andererseits kann das ein Weckruf sein, gute Oppositionsarbeit zu leisten: Wirkliche Argumente zu finden, sodass sich die Angstgespinste auflösen, die von den Rechten geschürt werden.

Wieder zurück zur Musik: Was ist die perfekte Gelegenheit, um euer neues Album zu hören?
STANZEL: Ich persönlich würde eine lange Zugfahrt in den Süden empfehlen, beispielsweise nach Triest.

LAUERMANN: Das Schöne ist, dass das Album viel offen lässt. Es gibt viele Situationen, in denen es passt.

KNOBLOCH: Wenn man betrunken vom Faschingsgschnas heimgeht.

Danke für das Gespräch.

A Life, A Song, A Cigarette – Blindhearted

Autor:

Sabine Miesgang aus Penzing

following

Du möchtest diesem Profil folgen?

Verpasse nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melde Dich an, um neuen Inhalten von Profilen und Bezirken in Deinem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

2 Kommentare

online discussion

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.