Neues Buch
Josef Haslinger berichtet über seinen Missbrauchsfall

Als Josef Haslinger vor die Ombudsstelle der Erzdiözese Wien für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch trat, schrieb er seine Erlebnisse auf.
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Schriftsteller Josef Haslinger (Opernball) berichtet in seinem neuem Buch "Mein Fall" über den Missbrauch, den er als Kind im Stift Zwettl erfahren hat.

ÖSTERREICH. Als Kind war der Autor als Sängerknabe im niederösterreichischen Stift Zwettl, wo er regelmäßig sexuell missbraucht wurde. In seinem neuen Buch "Mein Fall" schildert Haslinger, wie es zu den Übergriffen kam. Er erklärt außerdem, warum er mit der Veröffentlichung des Buchs bis nach dem Tod der Täter wartete. 

Im Februar 2019 war Haslinger vor die Ombudsstelle der Erzdiözese Wien für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche getreten. Er schildert seine Erlebnisse in seinem Buch „Mein Fall“, das Ende Jänner im Fischerverlag erscheint. Dreimal habe Haslinger seine Geschichte vor unterschiedlich besetzten Gremien erzählen müssen, heißt es auf der Webseite des Verlags. Bis der Protokollant ihn schließlich auffordert haben soll, die Geschichte doch bitte selbst aufzuschreiben.

Haslinger thematisierte bisher seine Erlebnisse während seiner Zeit in Zwettl in den 60er Jahren immer wieder in Artikeln und in Interviews. In seinem neuen Buch erzählt der Autor aus der Ich-Perspektive: "Er legte mir sein wulstiges Fleischstück wie eine geweihte Hostie auf die Zunge, lächelte mich an dabei, sagte, na, mach schon, trau dich nur. Ein schaler, nichtssagender Geschmack, ein wenig Ekel. Da stieß es mit einem Mal in meinen Mund hinein, zuckte hin und her, ich konnte ihm nicht mehr entkommen. Mein Kopf wurde von hinten gegen das Haarbüschel gepresst, es reckte mich, wenn der Religionslehrer auf meinen Gaumen stieß, die Speiseröhre hinabschlüpfen wollte."

Schutz vor der eigenen Vergangenheit

Seit 2010 hatte die katholische Kirche die sogenannte Klasnic-Kommission eingesetzt, die von der ehemaligen steirische Landeshauptfrau Waltraut Klasnic geleitet wurde. Seit der Gründung wurden rund 2.000 Betroffene von der Opferschutz-Kommission finanziell entschädigt. Haslinger hatte aber vorerst nicht vor, diese aufzusuchen. In seinem Buch beschreibt er zynische Aussagen dazu: „Irgendwer muss einen ja in die Sexualität einführen – bei mir waren es halt Zisterziensermönche.“ Der Autor schreibt weiter: "Meine Eltern hatten mich der Gemeinschaft der Patres anvertraut, weil mich dort das Beste, das selbst sie mir nicht geben konnten, erwarten würde. Ich habe sie heimlich oft verflucht, weil sie mich nicht darauf vorbereitet hatten, was dieses Beste sei …" 

"Schauen Sie, was für ein Saubatl"

Trotz des Missbrauchs habe es eine emotionale Bindung zu den Männern gegeben, sie wurden so etwas wie Freunde. Der Entschluss, die Namen der Täter öffentlich zu machen, sei deshalb erst allmählich und spät entstanden. Bei einer Lesung im Waldviertel vor einigen Monaten erzählte Haslinger bereits: "Würde heute ein Priester mir beim Hosentürl hineinfahren, würde ich ihn bei seinem Ding schnappen, ihn zum Abt schleppen und dem sagen, schauen Sie, was für ein Saubatl Sie in Ihrem Konvent haben! Aber als Kind von 12 Jahren macht man das nicht! Heute stellt sich das für mich natürlich anders dar. Ich war ein ziemlich verstörtes, kleines Kind, das es im Internatsleben nicht ganz leicht hatte."

Josef Haslinger: "Ich wuchs im Milieu der Kinderarbeit auf!"
Als Josef Haslinger vor die Ombudsstelle der Erzdiözese Wien für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch trat, schrieb er seine Erlebnisse auf.
Schriftsteller Josef Haslinger
Autor:

Julia Schmidbaur aus Wieden

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