Schadstoffbelastung
Auswirkungen der Corona-Krise auf die Luftqualität

Herausragender Forschungsstandort Sonnblick: Das Observatorium der ZAMG liegt auf über 3100 Meter Höhe in den Hohen Tauern in Salzburg.
28Bilder
  • Herausragender Forschungsstandort Sonnblick: Das Observatorium der ZAMG liegt auf über 3100 Meter Höhe in den Hohen Tauern in Salzburg.
  • Foto: ZAMG/Christian Schober.
  • hochgeladen von Ted Knops

Zur Bekämpfung des Corona-Virus wurden in vielen Ländern harte Maßnahmen eingeführt. Diese führen zu einer deutlich messbaren Veränderung beim Ausstoß von Schadstoffen. Verkehrsnahe und städtische Messstationen, sollen laut ersten Auswertungen des Umweltbundesamts, einen Rückgang der Schadstoffbelastung zeigen. 

ÖSTERREICH. Laut der ZAMG sollen Auswirkungen auf die Treibhausgase (z.B. Kohlendioxid) in höheren Schichten der Atmosphäre, aber frühestens in ein paar Monaten festzustellen sein, wenn überhaupt. 

Außenarbeiten am Sonnblick-Observatorium. 
Wetterturm Blickrichtung Großglockner
  • Außenarbeiten am Sonnblick-Observatorium.
    Wetterturm Blickrichtung Großglockner
  • Foto: ZAMG/Scheer
  • hochgeladen von Ted Knops


Dichtes Netz

Die Luftqualität in Österreich wird ständig überwacht. Dafür steht ein dichtes Netz an Überwachungsstationen bereit. Die Messdaten werden auf den Websites des Umweltbundesamtes und der Ämter der Landesregierungen veröffentlicht und halbstündlich aktualisiert. Seit dem 16. März 2020 sollen die Messstationen eine Abnahme der Schadstoffbelastung registriert haben, so eine erst Analyse der Stickstoffdioxid-Werte. 

Sonnblick-Observatorium.
  • Sonnblick-Observatorium.
  • Foto: ZAMG/Hynek
  • hochgeladen von Ted Knops

Beeinflussung durch Wetterlage

Auch die Wetterlage beeinflusst die Schadstoffbelastung. So konnten an einigen Tagen, trotz der Maßnahmen gegen das Virus, auch höhere Belastungen gemessen werden, verglichen mit den Durchschnittswerten des März der Vorjahre. Dies ist durch sehr ungünstige meteorologische Ausbreitungsbedingungen für Luftschadstoffe erklärbar. Diese sollen zeitweilig am Wochenende in einigen Regionen Österreichs geherrscht haben.

Messung der Luftchemie am Sonnblick.
  • Messung der Luftchemie am Sonnblick.
  • Foto: ZAMG/Schauer
  • hochgeladen von Ted Knops

Winde reduzierten Schadstoffbelastung

"Bei klarem Himmel und geringen Windgeschwindigkeiten bilden sich nachts Kaltluftseen und die Schadstoffe reichern sich in Bodennähe an. Damit zeigen sich selbst bei niedrigeren Emissionen gleich hohe oder sogar höhere Konzentrationen wie in Zeiten mit normalem Verkehr", so Christian Nagl, Experte für Luftreinhaltung im Umweltbundesamt. "Dagegen waren seit dem Eindringen von polarer Kaltluft zu Beginn des letzten Wochenendes die Ausbreitungsbedingungen sehr günstig, was auch unter normalen Umständen zu einem starken Rückgang der Belastung geführt hätte". Die gute Durchmischung der Atmosphäre durch starke Winde trugen ebenfalls zu einer Reduzierung der Schadstoffbelastung bei.

Sonnblick-Observatorium (im Hintergrund) und Zittel-Haus (im Vordergrund).
  • Sonnblick-Observatorium (im Hintergrund) und Zittel-Haus (im Vordergrund).
  • Foto: ZAMG
  • hochgeladen von Ted Knops

3.100 Meter hoch

Am Sonnblick-Observatorium der ZAMG seien vorerst keine Auswirkungen auf die erfassten Messdaten zu erwarten. "Das Sonnblick-Observatorium liegt nahezu in der freien Atmosphäre, in über 3.100 Meter Seehöhe, und misst die weiträumige Hintergrundkonzentration in der Atmosphäre", so die Leiterin des Observatoriums Elke Ludewig. "Hier können wir die Einflüsse auf langfristige Trends untersuchen, dies ist nicht mit Messungen in Ballungszentren zu vergleichen. Markante Änderungen der Treibhausgase in den Niederungen über einen längeren Zeitraum können sich in dieser Höhe erst mit einer Verzögerung von einigen Monaten auswirken", so Ludewig weiter. 

Mssung der Sonnenstrahlung am Sonnblick.
  • Mssung der Sonnenstrahlung am Sonnblick.
  • Foto: ZAMG/Weys
  • hochgeladen von Ted Knops

Kein Zusammenhang mit Maßnahmen

Der momentan messbare Rückgang der Kohlendioxid-Konzentration stehe in keinem Zusammenhang mit den Auswirkungen der Corona-Maßnahmen, so die Leiterin des Observatoriums. "Die Konzentration von Kohlendioxid sinkt im Frühling immer. Denn die erwachende Vegetation benötigt Kohlendioxid für ihre Photosynthese", so Ludewig. "Daher zeigen die Messungen in allen Jahren im Frühling einen Rückgang der Kohlendioxid-Konzentration und im Herbst eine Zunahme".

Neue Leiterin des Sonnblick-Observatoriums: Elke Ludewig arbeitete zuletzt in der deutschen Polarforschungsstation in der Antarktis.
  • Neue Leiterin des Sonnblick-Observatoriums: Elke Ludewig arbeitete zuletzt in der deutschen Polarforschungsstation in der Antarktis.
  • Foto: Alfred-Wegener-Institut/Ludewig.
  • hochgeladen von Ted Knops

Fehlinterpretationen

Die Observatoriums-Leiterin warnt daher vor der Verwendung der Messdaten ohne vorherige Rücksprache mit der Einrichtung. Dies könne zu zu Fehlinterpretationen führen, so Ludewig. "Langfristig ungebremste Zunahme von KohlendioxidIn den letzten Wochen sind die Kohlendioxid-Werte am Sonnblick und bei anderen Messstationen etwas geringer als in den ersten Monaten anderer Jahre, weil der Winter relativ warm war. Dadurch gab es mehr Kohlendioxid-Verbrauch durch Pflanzen. Langfristig zeigt der Trend aber klar nach oben. Am Sonnblick stieg die Konzentration von Kohlendioxid in den letzten 20 Jahren um rund zehn Prozent".

Sonnblick-Observatorium.
  • Sonnblick-Observatorium.
  • Foto: ZAMG/Scheer
  • hochgeladen von Ted Knops

Teil der wichtigsten Gipfelobservatorien

Das Global Atmosphere Watch Programm (GAW) ist weltweit im Einsatz und überwacht die chemische Zusammensetzung und die physikalischen Eigenschaften der Atmosphäre. Das Sonnblick-Observatorium der ZAMG ist Teil dieses Netzwerks der Weltmeteorologischen Organisation (WMO) und eines der der wichtigsten Gipfelobservatorien weltweit. Jeweils zwei Techniker der ZAMG sind dort 14 Tage lang durchgehend im Einsatz. Auch derzeit laufe "der Betrieb ohne Beeinträchtigungen", so die Obervatoriums-Leiterin Elke Ludewig. "Wir haben gleich zu Beginn der Corona-Krise die Schutzmaßnahmen für unser Team verstärkt und können derzeit noch alle Messungen und Projektarbeiten nach Plan erledigen", so Ludewig.  Seit seiner Errichtung im Jahre 1886 soll das Observatorium nur an vier Tagen nicht besetzt gewesen sein und das  war kurz nach Ende des 1. Weltkrieges.

Wetterwarnungen by ZAMG
ZAMG-Wetterwarnungen

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen