Grenzwert zwölffach überschritten
Warnung vor radioaktiven Eierschwammerln

Achtung beim Genuss von Pilzen in Oberösterreich. Es wurden bei Eierschwammerl Cäsiumwerte gefunden, die den Grenzwert um das zwölffache (!) überschreiten.
3Bilder
  • Achtung beim Genuss von Pilzen in Oberösterreich. Es wurden bei Eierschwammerl Cäsiumwerte gefunden, die den Grenzwert um das zwölffache (!) überschreiten.
  • Foto: twitter.com/global2000
  • hochgeladen von Anna Richter-Trummer

Achtung beim Genuss von Pilzen. In Oberösterreich wurden nun bei Eierschwammerln Cäsiumwerte gefunden, die den Grenzwert um das Zwölffache (!) überschreiten. Man sieht den Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) in der Verantwortung: Er solle informieren, wo in Österreich Pilze problemlos genossen werden können und wo nicht. Denn auch andere Regionen in Österreich sind betroffen.

ÖSTERREICH. Auch 35 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sind die Böden in Österreich noch immer mit radioaktivem Cäsium-137 belastet. Die höchsten Werte verzeichnen Gebiete in Oberösterreich, Kärnten, Salzburg und der Steiermark. Laut Daten des Gesundheitsministerium wurden österreichweit nach wie vor bei rund zwölf Prozent aller Eierschwammerl Grenzwertüberschreitungen festgestellt. Wo kann man also ohne Bedenken und ohne Seine Gesundheit zu gefährden, die Pilze aus Österreichs Wäldern und Wiesen genießen und wo nicht? Dazu fehlen die Daten: Die Umweltorganisation Global 2000 fordert daher Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) auf, klar zu informieren, wo Pilze problemlos genossen werden können und "wo man aus Vorsorgegründen lieber nicht in den Wald auf Schwammerlsuche geht". 

Folge der Tschernobyl-Katastrophe

Definitiv gesundheitsschädlich ist der Genuss von Eierschwammerln, die auf der Stubwiesalm bei Spital am Pyhrn (Bezirk Kirchdorf) in Oberösterreich wachsen. Die Umweltorganisation Global 2000 hat dort besorgniserregend hohe Werte des Radioisotops Cäsium-137 gefunden. Diese sind Folge der Tschernobyl-Katastrophe vor 35 Jahren. Das radioaktive Cäsium ist seit dem Reaktorunfall 1986 zwar von der Bodenoberfläche in darunterliegende Schichten abgesunken, von dort kann es aber zum Beispiel von Pilzen aufgenommen und in ihnen angereichert werden. Stark ist die Strahlung etwa ebenso bis heute in den Salzburger Almgebieten in den Hohen Tauern. Denn dort ging 1986 besonders viel radioaktiver Niederschlag nieder. Aber auch Niederösterreich ist betroffen: Dort waren viele Nahrungsmittel wie Fleisch, Milch und Gemüse nach der Katastrophe schwer belastet. Bis heute sind erhöhte Werte vor allem im westlichen Niederösterreich messbar.

Österreich war aufgrund der damaligen Wetterverhältnisse eines der am stärksten betroffenen Länder Zentraleuropas.
  • Österreich war aufgrund der damaligen Wetterverhältnisse eines der am stärksten betroffenen Länder Zentraleuropas.
  • Foto: Bundesumweltamt
  • hochgeladen von Anna Richter-Trummer

Krebs oder Genschäden

Gemessen wurden  in Oberösterreich an den Eierschwammerl 7.563 Becquerel pro Kilogramm (Bq/kg). Das ist mehr als das Zwölffache (!) des in der EU geltenden Grenzwerts von 600 Bq/kg, berichtete Global 2000 am Mittwoch. Tiere, die diese Pilze fressen, können dadurch sehr stark belastet werden. Beim Menschen lagert sich Cäsium-137, wenn es durch die Nahrung in den Körper gelangt, vor allem in Muskeln ab und kann Genschäden oder Krebs verursachen. Die Halbwertszeit beträgt 30,1 Jahre.

AKW Krško tickende Zeitbombe

Als tickende Zeitbombe wird auf diesem Hintergrund das AKW Krško gesehen: Dieses liegt nur 71 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Tschernobyl, auf das die aktuelle Verstrahlung zurückzuführen ist, sei hingegen 1.000 Kilometer weit weg. Ein Unglück "im altersschwachen Krško-Reaktor im slowenischen Erdbebengebiet" hätte laut Modellen der Universität für Bodenkultur mit hoher Wahrscheinlichkeit "eine sehr starke Kontaminierung Österreichs mit radioaktivem Fallout" zur Folge. Bei einem Fünftel der möglichen Wettersituationen hätte man mit mehr als 37.000 Becquerel Cäsium-137 pro Quadratmeter zu rechnen, so Global 2000.

Befürwortest du Atomkraft?

Mückstein: "Flugreise deutlich höhere Strahlenbelastung"

Wo kann man also bedenkenlos Pilze aus Österreichs Wädern genießen? Meinbezirk.at fragte beim Gesundheitsminister nach:

  1. Auf der Seite des Gesundheitsministeriums sind Informationen zu Radioaktivität in Wildpilzen und Wildfleisch aus Österreich zu finden: Radioaktivitaet in Wildpilzen und Wildfleisch aus AT (sozialministerium.at).
  2. Höher belastete Gebiete sind hier aufgezählt sowie die Empfehlung, aus diesen Gebieten aus Vorsorgegründen nicht allzu große Mengen zu konsumieren.
  3. Die regionale Verteilung der ist in der Cäsiumkarte von Österreich zu finden. Hier ist zudem ersichtlich, wo Wildpilze problemlos genossen werden können und welche Regionen erhöhte Werte aufzeigen.

Und das Ministerium rechnet vor, dass ein Flugreise eine deutlich höhere Strahlenbelastung bedeute:

"Dazu ein Beispiel: Werden bei einer Mahlzeit 200 g Wildpilze oder Wildfleisch mit einer vergleichsweise hohen Kontamination von 1000 Bq/kg verzehrt, ergibt sich daraus eine Dosis von etwa 0,0028 mSv. Dies entspricht einem Tausendstel der mittleren jährlichen natürlichen Strahlenbelastung, die in Österreich etwa 2,8 mSv beträgt. Ein weiterer Vergleich dazu: Die Strahlenbelastung bei einem Flug in 10.000 m Höhe beträgt etwa 0,008 mSv pro Stunde. Dies ist deutlich mehr als die Dosis, die sich aus der oben angeführten Mahlzeit ergibt."

Radioaktivität in Österreich

Willst du wissen, wie hoch die Radioaktivität in deiner Region ist?
Hier geht's zu interaktiven Karte.

Verzichtest du auf Pilze, aus Sorge um deine Gesundheit?

Auch interessant:

Böden in Österreich noch immer verseucht

3 Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen