Coronavirus
Wie sinnvoll sind Massentests für die Bevölkerung?

Bei Massentests handelt es sich um Antigentests, die innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis liefern, jedoch weniger zuverlässig als PCR-Tests sind.
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  • Bei Massentests handelt es sich um Antigentests, die innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis liefern, jedoch weniger zuverlässig als PCR-Tests sind.
  • Foto: Philipp Lipiarski
  • hochgeladen von Sophie Brandl

Drei Wochen Lockdown, dann Corona-Massentests: Die Bundesregierung will die zweite Welle noch vor Weihnachten in den Griff bekommen. Doch was bringen Massentests für die Bevölkerung tatsächlich? Experten sind sich in der Frage nicht einig.

ÖSTERREICH. Am Montag wurden rund 4.700 Neuinfektionen in Österreich gemeldet. Aufgrund steigender Infektionszahlen tritt ab Mitternacht ein harter Lockdown in Kraft. Nach dem Lockdown sollen ab dem 7. Dezember zuerst die Schulen und der Handel wieder aufsperren. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) kündigte in der ORF-"Pressestunde" am Sonntag zudem Massentestungen an, die die Öffnung begleiten sollen. In der Slowakei sei es so gelungen, zehntausende positive Fälle zu finden, begründete Kurz. In einem weitern Schritt soll es auch vor Weihnachten solche Massentests geben, um ein möglichst sicheres Fest zu ermöglichen. Was Massentests für alle aber tatsächlich bringen, darüber herrscht Skepsis.

Gefahr von falsch-positiven Tests

Bei Massentests handelt es sich um Antigentests, die innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis liefern, jedoch weniger zuverlässig als PCR-Tests sind. Wie genau das Testergebnis ist, hängt auch von der Verbreitung einer Krankheit ab. Je geringer der Anteil von Infizierten in einer Testgruppe ist, desto höher ist die Gefahr von sogenannten falsch-positiven Ergebnissen. Bei den sehr präzisen PCR-Tests konnte man diesen Effekt vermeiden, da größtenteils nur Patienten mit Kontakt zu einem nachweislich Infizierten getestet wurden. Massentestungen in der Gesamtbevölkerung seien wohl eher politischer Aktionismus, kritisiert der Epidemiologe Gerald Gartlehner von der Donauuni Krems im Ö1-Mittagsjournal am Montag. Die Schnelltests seien eine Momentaufnahme, man müsse die Tests daher mehr als einmal machen. "Wir wissen, dass die Antigentests doch sehr viele Infizierte übersehen und auf der anderen Seite sehr viele falsch Positive, also falsche Alarme, liefern." Sehr gut funktionieren Antigentests, wenn eine Person viel Virus im Rachen habe. Laut Gartlehner müsse man aber auch davon ausgehen, dass Gesunde Personen als krank klassifiziert werden. "Wenn man fünf Millionen Österreicherinnen und Österreicher testet, muss man davon ausgehen, dass man circa 150.000 falsch positive Tests hat", rechnet der Epedemiologe vor. "150.000 Österreicher werden in Quarantäne geschickt, obwohl sie eigentlich gesund sind". Antigentests seien zwar ein wichtiges Instrument zur Eindämmung der Pandemie, sollten aber nur in bestimmten Bereichen, etwa um Pflegepersonal und Angehörige von Hochrisikogruppen regelmäßig zu testen, eingesetzt werden. 

Popper: Maßnahmen zeigen Wirkung

Der Simulationsforscher Niki Popper erklärte im Ö1-Mittagsjournal, dass die Modell zeigen würden, dass die Maßnahmen – auch der leichte Lockdown – erste positive Wirkung zeigen. Man müsse jetzt aber schauen, ob die Zahlen auch wirklich nachhaltig hinunter gehen und wie schnell. Massentests seien prinzipiell sinnvoll, so Popper, entscheidend sei aber der Zeitpunkt der Testung. Eine solche Intervention koste aber am wenigsten und sei grundsätzlich zu befürworten, betonte er. Eine "nachhaltige Strategie" sei aber wichtig, sodass "man fokussiert, welche Personengruppen testen wir wann und auch häufiger". 

Kurz: Massentests sollen freiwillig bleiben

Am Montag betonte Kanzler Kurz, dass die Corona-Massentests ein freiwilliges Angebot seien. Die Maßnahme sei zwar nur eine Momentaufnahme, habe aber den Vorteil, dass man in diesem Moment genau sehe, wer eine Gefahr für seine Umwelt darstelle. Kurz betonte aber, dass die Maßnahme keine Teststrategie wie etwa im Pflegebereich ersetze. In der Slowakei seien mit den Massentests zehntausende Menschen gefunden worden und so verhindert worden, dass diese andere anstecken. Die Slowakei habe heute die niedrigste Sieben-Tages-Inzidenz in Zentraleuropa, betonte Kurz.

Er glaube, dass viele Menschen das Angebot in Anspruch nehmen werden, auch um sicherzugehen, dass sie etwa zu Weihnachten keine Familienangehörigen anstecken, erklärte Kurz. Der Fokus werde am anfangs jedenfalls auf bestimmten Zielgruppen liegen. Der Bundeskanzler nannte konkret die Lehrer. Das Ziel sei aber, danach breitere Bevölkerungsgruppen zu testen. Die Pläne seien mit dem Gesundheits- und Verteidigungsministerium abgestimmt. "Wir ziehen an einem Strang." Details will die Bundesregierung Ende der Woche präsentieren.

Massentests: "Angebot" an österreichische Bevölkerung
Kurz kündigt Massentests am Ende des Lockdowns an
Bei Massentests handelt es sich um Antigentests, die innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis liefern, jedoch weniger zuverlässig als PCR-Tests sind.
Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) betonte am Montag, dass die angedachten Corona-Massentests freiwillig sein werden.

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