Regierung neu
Ehrenamtsgütesiegel soll Freiwilligenarbeit aufwerten

Ein eigenes 'Satellitenkonto zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung' soll erarbeitet werden und die unbezahlte Haus- und Familienarbeit sichtbar zu machen.
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  • Ein eigenes 'Satellitenkonto zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung' soll erarbeitet werden und die unbezahlte Haus- und Familienarbeit sichtbar zu machen.
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Die Tätigkeit der zahlreichen freiwilligen Helfer in Österreich soll nun aufgewertet werden, geht es nach den Plänen der neuen Bundesregierung. Wie auf Seite 120 des Regierungsprogramms festgehalten, haben sich ÖVP und Grün auf zahlreiche Novellierungen geeinigt: Darunter fallen etwa die Schaffung eines 'Ehrenamtsgütesiegels', einer 'Koordinations-, Beratungs- und Servicestelle für Freiwillige', sowie die Aufwertung des 'Freiwilligen Sozialen Jahres'.

ÖSTERREICH. Rund 2,3 Mio. Menschen betätigen sich freiwillig in weit über 100.000 gemeinnützigen Vereinen und Organisationen in Österreich. Sie leisten rund 9,2 Mio. Arbeitsstunden pro Woche ehrenamtlich. Alleine die Freiwilligen Feuerwehren sind bei 279.000 Hilfseinsätzen pro Jahr aktiv. Über 3 Mio. Einsatzfahrten leistet das Österreichische Rote Kreuz. „Grund genug, um dem Freiwilligenwesen auf politischer Ebene mehr Aufmerksamkeit zu schenken und umfassende Verbesserungen für alle freiwillig engagierten Menschen umzusetzen. Österreichs Freiwillige haben sich mehr Anerkennung verdient!“, fordert Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising Verbands Austria.

Ehrenamtsgütesiegels und Freiwilligenzentren

Diesen Forderungen will nun die neue Bundesregierung gerecht werden, und hat 16 Punkte im  Regierungsprogramm dazu formuliert, mit dem Ziel: Die Freiwilligentätigkeit soll aufgewertet, anerkannt und auch besser entlohnt werden. Als erster Punkt findet sich dazu die Schaffung eines 'Ehrenamtsgütesiegels', um die freiwillige und zivilgesellschaftliche Arbeit sowie die dadurch erworbenen Qualifikationen, insbesondere bei jungen Menschen, zu zertifizieren, zu dokumentieren und gegebenenfalls bei Bewerbungen berücksichtigen zu können. Weiters sind als Infrastruktur 'Freiwilligenzentren' geplant:  Man will eine Koordinations-, Beratungs- und Servicestelle für Freiwillige, gemeinnützige Vereine, Stiftungen und soziale Unternehmen einrichten. Im Hinblick auf das Thema Rechtssicherheit ist außerdem eine klare Abgrenzung ehrenamtlicher Tätigkeit von sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung erforderlich.  Diese Überprüfung der Abgrenzung von Ehrenamt und Freiwilligenarbeit von sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung steht nun im Regierungsprogramm.

Neues Freiwilligengesetz

Die Regierungspartner sollen eine nationale Strategie für das Freiwilligenengagement entwickeln,  und mittels Freiwilligenagenturen  das Engagement fördern in Abstimmung mit Ländern und Gemeinden, insbesondere für jüngere und ältere Menschen. Weiters will man eine Evaluierung des Freiwilligengesetzes in Hinblick auf die Relevanz für alle Freiwilligen in Österreich durchführen.

Aufwertung des 'Freiwilligen Sozialen Jahres'

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Aufwertung des 'Freiwilligen Sozialen Jahres' (FSJ), wobei die Regierungspartner dennoch die Jungen nicht davon abhalten möchte, den Zivildienst zu machen.  Um das zu erreichen soll die Entschädigung für das FSJ angehoben werden, und auch ein Ersatz der Kosten für den öffentlichen Verkehr ist im Programm enthalten: So sollen etwa alle FSJ-Teilnehmerinnen die 'Österreichcard' kostenlos bekommen. Wichtig ist auch, das das FSJ-Jahr auf einschlägige Ausbildungen, wie etwa im sozialen Bereich, angerechnet werden soll. Außerdem möchte man den Gedenkdienst aufwerten.

Ein eigenes 'Satellitenkonto zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung' soll erarbeitet werden und die unbezahlte Haus- und Familienarbeit sichtbar zu machen.
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'Satellitenkonto' soll Wert der Freiwilligenarbeit sichtbar machen

Um die wirtschaftliche Bedeutung von gemeinnütziger, zivilgesellschaftlicher und freiwilliger Arbeit sichtbar zu machen, soll laut Regierungsprogramm eine Arbeitsgruppe ein eigenes 'Satellitenkonto zur volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung' erarbeiten. Dies soll auch dazu dienen, die unbezahlte Haus- und Familienarbeit sichtbar zu machen. Eine Arbeitsgruppe zur Modernisierung des Gemeinnützigkeitsrechts soll Vorschläge liefern, auch die steuerrechtlichen Rahmenbedingungen für Gemeinnützige sollen verbessert werden.


Digitalisierungsförderung für gemeinnützige Organisationen

Ein weiter wichtiger Punkt ist die Sicherstellung, dass gemeinnützige Organisationen bei Start-up-, Innovations- und Digitalisierungsförderung einen gleichberechtigten Zugang bekommen. Auch bei der  Vergabe öffentlicher Aufträge und Förderungen soll Gemeinnützigkeit anerkannt werden. Die Förderung von Innovationsprojekten im Bereich gemeinnütziger Arbeit und Partizipation ist ein wichtiger Teil des neuen Regierungsprogramms.

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Autor:

Anna Richter-Trummer aus Wien

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