WWF fordert Bodenschutz
"Köstinger lenkt von politischer Verantwortung ab"

Versiegelter Boden kann überschüssige Wassermengen nicht aufsaugen. Deswegen fordert der WWF zur Eindämmung des Hochwasserrisikos mehr Bodenschutz.
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  • Versiegelter Boden kann überschüssige Wassermengen nicht aufsaugen. Deswegen fordert der WWF zur Eindämmung des Hochwasserrisikos mehr Bodenschutz.
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Um vor zukünftigen Hochwassern besser schützen zu können, fordert die Naturschutzorganisation WWF mehr Bodenschutz. Denn versiegelter Boden kann überschüssige Wassermengen nicht aufnehmen. Sie sieht dafür Bundesministerin für Landwirtschaft Elisabeth Köstinger (ÖVP) in der Pflicht und kritisiert ihre Angriffe auf den Naturschutzbund. 

ÖSTERREICH. Während Köstinger Naturschutzorganisationen für das Ausmaß der Schäden durch das Hochwasser verantwortlich macht, ziehen eben diese die Bundesministerin zur Verantwortung. Denn Österreich versiegelt täglich etwa 18 Fußballfelder an intaktem Boden. Boden, der bei starken Unwettern eine entscheidende Rolle im Hochwasserschutz spielt. 

WWF fordert Bodenschutz gegen Hochwasser

Angesichts der extremen Unwetter der letzten Woche fordert der WWF jetzt einen Bodenschutz-Vertrag gegen das Hochwasserrisiko. Denn die massive Bodenversiegelung in Österreich lässt Hochwasser wesentlich intensiver ausfallen. "Intakter Boden ist wie ein Schwamm, der Wasser aufsaugen kann. Je mehr verbaut und versiegelt wird, desto mehr verlieren wir diese überlebenswichtige Bodenfunktion. Das macht Versiegelung zum Sicherheitsrisiko, vor allem in Zeiten der Klimakrise mit häufigeren und immer stärkeren Wetterextremen“, erklärt Maria Schachinger, Bodenschutzsprecherin beim WWF Österreich. 

Versiegelter Boden trägt zu höherem Hochwasserrisiko bei.
  • Versiegelter Boden trägt zu höherem Hochwasserrisiko bei.
  • Foto: BFKDO Scheibbs
  • hochgeladen von Roland Mayr

Intakter Boden schützt vor Hochwasser

Ein Hektar unversiegelter Boden kann bis zu 2.000 Kubikmeter Wasser speichern. Wenn dieser jedoch versiegelt ist, staut sich das Wasser auf Asphalt und Beton auf. Mit der ansteigenden Wahrscheinlichkeit von intensiven Unwettern durch die Klimakrise ist Bodenversiegelung vor allem in Österreich ein heikles Thema. Fast die gesamte Fläche Vorarlbergs ist bereits versiegelt, nur 15 Prozent der heimischen Flüsse gelten als ökologisch intakt und elf Prozent der Wälder als naturbelassen.

Natürliche Überschwemmungsräume wie Feuchtgebiete, naturnahe Wälder und Moore gingen für landwirtschaftliche Zwecke und Verbauung auf ein Fünftel der Ursprungsfläche zurück. Weiterhin werden jeden Tag fast zwölf Hektar Boden versiegelt. Daher fordert der WWF die Wiederherstellung von natürlichen Wasserspeichern, die Eindämmung von bodenfressenden Straßenbauprojekten wie dem Lobau-Tunnel und den Schutz von Flüssen und Wäldern.

Jährlich wird eine Fläche in der Größe von Eisenstadt verbaut.
  • Jährlich wird eine Fläche in der Größe von Eisenstadt verbaut.
  • Foto: WWF/Lendl
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Kritik an Landwirtschaftsministerin Köstinger

Für die Umsetzung nimmt der WWF vor allem Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger in die Pflicht: "Die Ministerin muss rasch einen Bodenschutz-Vertrag vorlegen und gemeinsam mit den Ländern umsetzen. Dazu gehört auch ein umfangreiches Programm zur Wiederherstellung zerstörter Flüsse und Feuchtgebiete für den ökologischen Hochwasserschutz“, sagt Maria Schachinger vom WWF. "Hier ist seit Jahren viel zu wenig passiert. Daher sind auch die jüngsten Attacken auf den Naturschutz in erster Linie ein Ablenkungsmanöver von der eigenen politischen Verantwortung“, kritisiert Schachinger.

Bundesministerin Köstinger steht unter Kritik der Naturschutzorganisationen.
  • Bundesministerin Köstinger steht unter Kritik der Naturschutzorganisationen.
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Köstinger im Clinch mit Naturschutzorganisationen

Vergangene Woche kritisierte Landwirtschaftsministerin Köstinger nach den schweren Unwettern in Hallein Naturschutzorganisationen. Der Naturschutzbund hätte ein geplantes Projekt zum Hochwasserschutz aufgehalten, so Köstinger. Hannes Augustin, Geschäftsführer des Salzburger Naturschutzbundes bestreitet dies: "Die von uns vorgeschlagen Alternative hätte eine natürliche Geländekuppe ausgenutzt. Es hätte weniger Stahl und Beton verbaut werden müssen, der Schutz wäre aber gleich wirksam und gleich teuer gewesen. Das Projekt sei aber nicht umgesetzt worden, weil ein Eigentümer den Grund nicht zur Verfügung stellen wollte. 

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