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Mückstein: Psychotherapie auf Krankenschein? Ja!

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein im Gespräch mit RMA-Chefredakteurin Maria Jelenko
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Gesundheits- und Sozialminister Wolfgang Mückstein im Gespräch mit RMA-Chefredakteurin Maria Jelenko über Masken, Long Covid und Boni für Pflegekräfte.

ÖSTERREICH. Mückstein wirkt entspannt, als ich ihn an einem Feiertag im Gesundheitsministerium treffe. Auf die Frage, ob er seit seinem Amtsantritt schon freie Tage genießen konnte, lacht er und meint: Am Wochenende ist sich schon etwas Privatleben ausgegangen. Dazwischen ruft seine Tochter an, er scheint ihr sehr verbunden. Dann konzentriert sich der Gesundheitsminister auf die Fragen.

RMA: 5 Millionen Menschen sollen bis Ende Juni ihre Erstimpfung erhalten. Ist Österreich für eine mögliche Mutation im Herbst gerüstet?

Wolfgang Mückstein: Die Impfbereitschaft ist in den letzten zwei Monaten beträchtlich gestiegen. Damit können wir die Herdenimmunität erreichen. Mit der offiziellen Herabsetzung des Impfalters durch die Experten erreichen wir zusätzlich eine potentielle Personengruppe von rund 340.000 Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren. Wir gehen davon aus, dass sich von dieser Gruppe rund 200.000 Junge impfen lassen. Dazu kommt, dass wir mit Ende Juni eine Rate der Vollimmunisierten von etwa 40 Prozent haben werden. Das ist auch international eine beachtliche Benchmark. Wir sind aber immer auch von den tatsächlichen Lieferungen der zugesagten Kontingente abhängig.

Aber laut einer Modellrechnung müssen bis Herbst 80 Prozent der Bevölkerung durchgeimpft sein, damit es nicht erneut zu einem drastischen Anstieg der Infektionen kommt.

Wir können nur das verimpfen, was kommt. Das passiert sehr strukturiert. Es gibt einen kleinen Bundesanteil, den wir im Haus verwalten. Der Rest wird nach Köpfen an die Bundesländer verteilt. Da kommt darauf an, wie in den Ländern priorisiert wird – das wird auf Landesebene entschieden. Es mag sein, dass im Herbst eine neue Variante kommt. Darauf müssen wir uns vorbereiten. Wir testen sehr viel, auch viel mit PCR. Es gibt ein Sicherheitsnetz, das wir trotzdem aufrechterhalten und das täglich evaluiert wird. Wenn eine neue Variante kommt, wird der Impfstoff, der jetzt im Einsatz ist, weniger wirken, aber er wird wirken. Die WHO wird im Verlauf des Sommers die Zusammensetzung des neuen Impfstoffs bekannt geben, dann wird es zwei bis drei Monate dauern, bis die neuen Impfstoffdosen ausgeliefert werden. Da gibt es bereits Vereinbarungen, dass Österreich immer den aktuellen Impfstoff bekommt.

Im Sommer werden in Österreich 12-15-Jährige geimpft, Sie sprachen sich auch für die Impfung von unter 12-Jährigen aus. Kritiker finden, dass Impfungen für Kinder aufgrund fehlender Daten über Auswirkungen zu früh sind. Auch Deutschland ist zurückhaltend. Wieso sind Sie beim Thema Kinder nicht vorsichtiger?

Man muss unterscheiden zwischen den ganz Kleinen und 10-Jährigen. Die Impfung von 8-12-Jährigen kann ich mir als Arzt durchaus vorstellen. Die Experten werden beurteilen, ob das vertretbar ist, genauso wie bei den Impfungen der 12-15-Jährigen.

Österreichs Jugendliche sagen, ob sie sich impfen lassen

10-20 Prozent der Infizierten leiden an Long Covid. Alle neun Gesundheitslandesräte sowie die Ärztekammer fordern die Einbeziehung der Reha-Kosten für "Long Covid"-Patienten in die Sozialversicherung. Die ÖGK lehnen das aber ab, genauso wie eigene Reha-Einrichtungen in allen Bundesländern. Gibt es Pläne für Long Covid-Reha auf Krankenkasse?

Wir wissen, dass oft auch jüngere Menschen, sogar Kinder und zu 70 Prozent Frauen davon betroffen sind. Wir sind gerade dabei, mit den Fachgesellschaften zu definieren, was genau Long Covid ist, wie man es diagnostiziert. Das ist für die Krankschreibung bei den Krankenkassen wichtig. Es geht darum, aufgrund welcher Symptome Patienten krankgeschrieben werden können. Die End-Organschäden sind relativ selten. Das Zweite ist, dass wir einen Prozess definieren, wo genau die Abklärung stattfindet, wahrscheinlich wird das beim Hausarzt passieren. Damit fängt man die Belastung in den Spezialambulanzen ab.

Eine der Folgen der Pandemie: Anstieg psychischer Erkrankungen. Wird es unter Minister Mückstein Psychotherapie auf Krankenschein geben?

Wenn es nach mir geht, ja. Im Regierungsübereinkommen steht, dass eine bedarfsorientierte Evaluierung gemacht werden soll. Eine Umstellung auf Krankenschein bedeutet auch, dass man Kassenverträge für Psychotherapeutinnen einrichtet, das braucht Zeit. Die Leistungen brauchen wir aber zeitnah, deswegen glaube ich, dass ein paralleler Prozess zielführend ist, bei dem man im aktuellen System bleibt, aber parallel Gespräche über die Bedarfserhebung zum Kassenvertrag mit der Sozialversicherung führt.

Die Menschen haben sich an das Tragen der FFP2-Masken gewöhnt. Trotzdem deuteten Sie eine Lockerung der Maskenpflicht im Supermarkt an. Ist das nicht verfrüht?

Ab 10. Juni braucht man outdoor keine Maske mehr. Ab Juli wird es Settings geben, wo wir weiterhin die Maske brauchen, und zwar dort, wo nicht 3G (Getestet, Geimpft, Genesen, Anm.) gilt. Das heißt, wo Kontrollen nicht möglich sind, zum Beispiel im Handel oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Das wird auch deswegen wichtig sein, weil ich davon ausgehe, dass wir ab Herbst indoor die Maske brauchen werden. Das auch deswegen, weil wir durch die Maßnahmen die banalen grippalen Infekte und Influenza nicht hatten, die Drei- bis Fünfjährigen haben eine Saison lang die Immunisierung nicht bekommen. Da sagen uns die Virologen jetzt schon eine starke Schnupfen- und Husten-Saison voraus. Daher halte ich es für wichtig, auf niedrigem Niveau die Maske, also dort wo nicht 3G gilt, beizubehalten.

Unter Zehnjährige sind von der Testpflicht für Gastronomie und Hotellerie ausgenommen. Warum?

Wir haben uns grundsätzlich an den Schulregeln orientiert, bei denen ab der Unterstufe einmal pro Woche verpflichtet getestet werden muss. Die ganz Kleinen fix zu testen, ist vom Setting her schwierig - vor allem im Sommer. Mit der Testpflicht ab 10 Jahren haben wir die Lücke der 10-12-Jährigen geschlossen. Weil Kinder ab zwölf Jahren sollen ja geimpft werden können.

Werden Corona-Tests ab Herbst kostenpflichtig sein?

Diese Diskussion ist verfrüht. Wir werden jedenfalls über den Sommer die jetzigen Regelungen so beibehalten, und anschauen, wie sich die Lage bis zum Herbst entwickelt. "Alles gurgelt" in Wien ist eine tolle Aktion, also in der Früh gurgeln und am Abend ein PCR-Ergebnis bekommen. Mit dem PCR-Test kann man in die Familie hineinschauen und sequenzieren. Bis September werden wir das mit einer hohen Wahrscheinlichkeit überall haben.

Hier kann man das Interview weiterlesen: Minister Mückstein über Pflege in Österreich.

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