Verhandlungen gescheitert
Pflege: Streiks sollen jetzt die 35 Stunden-Woche durchsetzen

Pflege: Statt 40 Stunden soll eine 35 Stunde-Woche gelten, und das bei gleichem Geldbezügen.
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Die Pflegebranche hat genug: Die Arbeit ist emotional äußerst fordernd, die Entlohnung ohnehin nicht besonders üppig. Nun fordert die Gewerkschaft eine Zeitreduktion: Statt 40 Stunden soll eine 35 Stunde-Woche gelten, und das bei gleichem Geldbezügen. Doch die Arbeitgeberseite lehnt ab. Nun drohen Warnstreiks.

ÖSTERREICH. Für die 125.000 Beschäftigten im privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich sieht es nicht gut aus.  Nach 13 Stunden mussten die Kollektivverhandlungen Montag gegen Mitternacht erneut ergebnislos unterbrochen werden. Grund: Die Arbeitgeber verweigern das Gespräch über die Gewerkschaftsforderung nach der Einführung einer 35-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich. Ihr Argument: Eine flächendeckende 35-Stunden-Woche wäre gleichbedeutend mit einer Lohnerhöhung um 8,6 Prozent. Doch: Weniger Arbeit fürs gleiche Geld, geht das überhaupt? Ja, in Deutschland und Frankreich etwa ist dies bereits Gesetz: Seit 1995 gilt die 35-Stunden-Woche in Deutschland für Druck-, Metall- und Elektroindustrie, 2000 in Frankreich für Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern.

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Jetzt wird gestreikt 

„Nachdem die Arbeitgeber nicht zu konstruktiven Verhandlungen bereit sind, erhöhen wir jetzt die Schlagzahl“, so Eva Scherz, Verhandlerin für die Gewerkschaft GPA-djp: „Ab morgen finden österreichweit Warnstreiks statt. Die betrieblichen Abläufe werden dabei beeinflusst, es muss sich aber niemand um die Gesundheit oder Würde seiner Angehörigen sorgen.“ Der ÖGB hatte bereits vergangene Woche die Streikfreigabe erteilt. „Wir sind jederzeit für einen guten Abschluss bereit. Sicherheitshalber haben wir uns aber seit der letzten Verhandlungsrunde bereits auf die Warnstreiks vorbereitet. Die Kolleginnen und Kollegen brauchen eine Arbeitszeitverkürzung. Das werden sie bei den Streiks zeigen“, erklärt Michaela Guglberger, Verhandlerin für die Gewerkschaft vida. Der Großteil der Streiks wird Mittwoch, 12. Februar, stattfinden.

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"Bin maßlos enttäuscht"

Der Kärntnens Gewerkschaftsverhandler Valid Hanuna zeigte sich im ORF-Frühjournal "maßlos enttäuscht". Und weiter: "Das Angebot der Arbeitgeber ist eine Beleidigung – auch für die knapp 5.000 Beschäftigten in Kärnten. Wir werden die Gangart verschärfen müssen. Ob wir sofort streiken werden, werden wir am Dienstag entscheiden“. Aber: „Es wird für die Arbeitgeber spürbarer werden.“ Die nächste Verhandlungsrunde wurde für 17. Februar vereinbart.

Mehr dazu: Was plant die türkis-grüne Regierung bei der Pflege?

Rudolf Anschober zeigt Verständnis

Nich im Türkis-Grünen-Regierungsprogramm verankert ist die Idee, eine 35-Stunden-Woche in Österreich einzuführen. Die Grünen hatten dies jedoch noch im Wahlprogramm gefordert.  Zur Erinnerung: 2018 hatte die Regierung das neue Arbeitszeitgesetz umgesetzt. Die erlaubte Höchstarbeitszeit wurde von zehn auf zwölf Stunden pro Tag und von 50 auf 60 pro Woche erhöht. Dennoch: Der Sozialminister Rudolf Anschober (Die Grünen) zeigt Verständnis für die Nöte der Branche  und hat sich eine die Lösung der Pflegemisere fest vorgenommen. Wie das funktionieren könnte, skizzierte er in einem Interview mit RMA-Chefredakteurin Maria Jelenko-Benedikt: "Ein Jahr könnte man eine Lohnerhöhung machen. Im darauffolgenden gibt es dann eine leichte Arbeitszeitverkürzung von einer Stunde." Von der 35-Stunden-Woche wäre man so zwar noch immer entfernt.

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Pflege: Statt 40 Stunden soll eine 35 Stunde-Woche gelten, und das bei gleichem Geldbezügen.
Pflege: Statt 40 Stunden soll eine 35 Stunde-Woche gelten, und das bei gleichem Geldbezügen.
Autor:

Anna Richter-Trummer aus Wien

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