Meisten Ehebrecher in Wien, am wenigsten in Tirol
Scheidungen sollen in Österreich bald schneller gehen

Scheidungen könnten in Zukunft in Österreicher um einiges schneller gehen, denn die Frage, wer Schuld hat am Ehe-Aus, wird irrelevant. Das plant das Justizministerium.
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  • Scheidungen könnten in Zukunft in Österreicher um einiges schneller gehen, denn die Frage, wer Schuld hat am Ehe-Aus, wird irrelevant. Das plant das Justizministerium.
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Das Justizministerium plant eine Novellierung des Ehegesetzes. Demnach könnten Scheidungen bald schneller gehen. Konkret soll das Verschulden des Partners irrelevant werden. Die Zahlen sprechen für sich: Schon heute erfolgen die meisten Scheidungen in Österreich 'einvernehmlich'. 

ÖSTERREICH. An die Frage des Verschuldens knüpfen sich vor allem Unterhaltsansprüche. Sprich: Wer schuld hat an der Eheverfehlung, der zahlt. Dies könnte sich bald ändern. Wie der ORF berichtete, könnte die Justiz die Verschuldensfrage bei Scheidungen bald für irrelevant erklären. Christina Ratz, Ressortmediensprecherin des Justizministeriums, bestätigt dies im Interview mit RMA-Redakteurin Anna Richter-Trummer: "Das Verschuldensprinzip soll jedenfalls zurückgedrängt werden, weil strittige Scheidungen in zahlreichen Fällen viel Leid auslösen. Es ist daher wichtig, dass im neuen Ehe- und Partnerschaftsrecht weniger Anreize geben werden, im Zuge der Trennung, 'Schmutzwäsche' zu waschen."

Umfrage

An Scheidungen meist der Ehemann schuld

Grundsätzlich sieht das Ehegesetz zwei Arten vor: die 'einvernehmliche' Scheidung und die 'Scheidung wegen Verschuldens'. Voraussetzung für eine einvernehmliche Scheidung ist, dass das Paar seit sechs Jahren getrennt lebt, die Zerrüttung eingesteht und sich über die maßgeblichen Folgen wie Obsorge und Unterhaltspflichten einigt. Besteht eben keine Einigung, dann kann eine Ehe wegen Zerrüttung geschieden werden: Dafür muss das Paar entweder drei Jahre in getrennten Haushalten leben oder der Ehepartner eine schwere Eheverfehlung, also Verschulden, begangen haben. Dies ist etwa Ehebruch und körperliche Gewalt.
Ein Blick auf die aktuellen Zahlen in Österreich belegt: Rund die Hälfte aller Ehen wird innerhalb der ersten zehn Jahre geschieden, die überwiegende Mehrheit davon einvernehmlich. Von insgesamt 16.304 im Jahr 2018, so die aktuellsten Zahlen laut Statistik Austria, wurden nur 1.766 mit Schuldausspruch entschieden. Dabei waren deutlich mehr Männer als Frauen an der Zerrüttung 'schuld': Konkret waren es 49,8 Prozent der Männer und nur 9,9 Prozent der Frauen.

Trennung, ohne 'Schmutzwäsche' zu waschen

Was ist nun die Folge einer Ehescheidung wegen Verschuldens? Dazu ist vorauszuschicken, dass diese erst einmal in einem meist langen Prozess ermittelt werden muss. Denn die Schuldfrage ist maßgeblich für die Frage der Unterhaltspflicht: Laut Gesetz muss der 'allein oder überwiegend schuldige' Ex-Partner dem anderen Ex-Partner einen 'angemessenen' Unterhalt leisten.
Für die Abschaffung des Verschuldensprinzips spricht, dass es in langjährigen Ehen schwierig ist, herauszufinden, wer für das Ehe-Aus verantwortlich sei. Gegen die Abschaffung spricht eine potentielle Schlechterstellung der Ex-Ehefrau: Denn in den meisten Fällen, in 48 Prozent, trifft die Ex-Ehemänner das Verschulden, und die Abschaffung würde die Ex-Partnerinnen ohne die Möglichkeit einer gerichtlichen Feststellung über das Verschulden zurücklassen.
Mehr dazu: 149 Beratungsgespräche geführt – Armutsfalle Scheidung kommt häufig vor

Am meisten Scheidungen gibt es in Wien, am wenigsten in Tirol.
  • Am meisten Scheidungen gibt es in Wien, am wenigsten in Tirol.
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"Haben bereits Vorschläge erarbeitet"

Wie genau die Pläne der Regierung und der neuen Justizministerin Alma Zadić in Bezug auf die Novellierung des Ehegesetzes aussehen, beantwortet Christina Ratz, Ressortmediensprecherin des Justizministeriums (BMJ ), im Interview RMA-Redakteurin Anna Richter-Trummer.

Wird das ‚Verschulden‘ als Scheidungsgrund fallen?
Ob das Verschuldensprinzip gänzlich abgeschafft werden kann, muss im Sinne des Schutzes des jeweils schwächeren Partners und der aus der Ehe hervorgegangen Kinder geprüft werden. Die Fachabteilung für Familienrecht im BMJ hat bereits Regelungsvorschläge erarbeitet, die bisher auf sehr gute Resonanz gestoßen sind.

Wann wird termingemäß die Novellierung des Ehegesetz verhandelt und im Parlament eingebracht?
Derzeit werden weitere Fachgespräche mit Rechtswissenschaftler*innen und Praktiker*innen geführt. Nach diesen Fachgesprächen werden wir unsere Vorhaben auf breiter Ebene diskutieren und dabei nicht nur alle maßgeblichen Stakeholder und Interessenvertreter*innen einbinden, sondern auch die Betroffenen und vor allem die Kinder und Jugendlichen. Dieser partizipative Ansatz hat sich der Vergangenheit sehr bewährt. Die Arbeitsgruppe wird voraussichtlich im Juni starten.

Können Sie einen konkreten Zeitpunkt der Umsetzung nennen?
Gerade, weil Änderungen im Ehe- und Partnerschaftsrecht eine sehr große gesellschaftspolitische Bedeutung zukommt, ist uns hier wichtig, einen möglichst breiten Konsens zu erreichen. Das heißt aber natürlich nicht, dass die Vorhaben auf die lange Bank geschoben werden.

Ehescheidungen nehmen in Österreich kontinuierlich zu. Im Durchschnitt dauert eine Ehe 10, 6 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 45,5 Jahre, die Frau 42,3 Jahre. 12.927 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
  • Ehescheidungen nehmen in Österreich kontinuierlich zu. Im Durchschnitt dauert eine Ehe 10, 6 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 45,5 Jahre, die Frau 42,3 Jahre. 12.927 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
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Meisten Scheidungen in Wien, am wenigsten in Tirol

Im Bundesländervergleich gab es  am meisten Scheidungen in Wien mit 46,7 Prozent. Auf Platz zwei folgt Niederösterreich (44,5 Prozent), Vorarlberg (41,9 Prozent) und dem Burgenland (41,2 Prozent). In Tirol war die Gesamtscheidungsrate mit 36,2 Prozent am niedrigsten. In den übrigen Bundesländern lag sie zwischen 36,5 Prozent und 38,6 Prozent und damit unter dem Österreichwert von 41,0 Prozent. Hier alle Bundesländer im Detail:

In Wien lag die Scheidungsrate bei 46,7 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 8,6 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 42,8 Jahre, die Frau 40,4 Jahre. 2.980 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
  • In Wien lag die Scheidungsrate bei 46,7 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 8,6 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 42,8 Jahre, die Frau 40,4 Jahre. 2.980 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
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In Niederösterreich lag die Scheidungsrate bei 44,5 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 12,1 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 47 Jahre, die Frau 44 Jahre. 2.668 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
  • In Niederösterreich lag die Scheidungsrate bei 44,5 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 12,1 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 47 Jahre, die Frau 44 Jahre. 2.668 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
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In Vorarlberg lag die Scheidungsrate bei 41,9 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 11,2 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 46,4 Jahre, die Frau 42,1 Jahre. 631 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
  • In Vorarlberg lag die Scheidungsrate bei 41,9 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 11,2 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 46,4 Jahre, die Frau 42,1 Jahre. 631 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
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Im Burgenland lag die Scheidungsrate bei 41,2 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 11,7 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 47 Jahre, die Frau 43 Jahre. 397 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
  • Im Burgenland lag die Scheidungsrate bei 41,2 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 11,7 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 47 Jahre, die Frau 43 Jahre. 397 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
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In Kärnten lag die Scheidungsrate bei 38,6 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 10,1 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 46,7 Jahre, die Frau 43,1 Jahre. 750 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
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In Oberösterreich lag die Scheidungsrate bei  37,1 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 11,1 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 45,3 Jahre, die Frau 42,3 Jahre. 2.093 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
  • In Oberösterreich lag die Scheidungsrate bei 37,1 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 11,1 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 45,3 Jahre, die Frau 42,3 Jahre. 2.093 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
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In Salzburg lag die Scheidungsrate bei 36,5 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 11,3 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 45,4 Jahre, die Frau 42,1 Jahre. 805 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
  • In Salzburg lag die Scheidungsrate bei 36,5 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 11,3 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 45,4 Jahre, die Frau 42,1 Jahre. 805 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
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In der Steiermark lag die Scheidungsrate bei 38,2 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 11 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 46 Jahre, die Frau 42,5 Jahre. 1.672 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
  • In der Steiermark lag die Scheidungsrate bei 38,2 Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 11 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 46 Jahre, die Frau 42,5 Jahre. 1.672 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
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In Tirol lag die Scheidungsrate bei 36,2Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 11,3 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 45,8Jahre, die Frau 42,6 Jahre. 931 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
  • In Tirol lag die Scheidungsrate bei 36,2Prozent: Im Durchschnitt dauert eine Ehe 11,3 Jahre, der Mann ist bei der Scheidung 45,8Jahre, die Frau 42,6 Jahre. 931 Kinder sind minderjährig, wenn sich ihre Eltern trennen.
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Autor:

Anna Richter-Trummer aus Wien

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