Experten schlagen Alarm
So hart trifft die Corona-Krise Alleinerziehende

Persönliche soziale Netzwerke hat für viele Alleinerzieherinnen katastrophale Auswirkungen, sie sind wichtiger existenzsichernde Faktor für die Alltagsbewältigung.
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  • Persönliche soziale Netzwerke hat für viele Alleinerzieherinnen katastrophale Auswirkungen, sie sind wichtiger existenzsichernde Faktor für die Alltagsbewältigung.
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  • hochgeladen von Maria Jelenko-Benedikt

Rund 167.800 alleinerziehende Familien mit etwa 248.800 Kindern (unselbständig, unter 25 Jahren) gibt es laut Statistik Austria in Österreich. Davon sind 153.400 (91,4 Prozent) Mütter und 14.400 Väter (8,6% ). Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung liegt laut EU SILC bei 46 Prozent, Armutsgefährdung laut EU SIC bei 32 Prozent. Im Österreich Durchschnitt liegt die Armutsgefährdung bei 13 Prozent.

ÖSTERREICH. Im heurigen Corona-Jahr fokussieren die Regionalmedien Austria (RMA) das Thema Familien. Viele Familien sind Verlierer der Krise – durch Arbeitslosigkeit bzw. Kurzarbeit, Gewalt in der Familie oder Doppelbelastung durch Homeschooling. Besonders Alleinerziehende haben es doppelt schwer: "Sorgen um die Gesundheit wie die Existenz war für viele armutsgefährdete Menschen und Alleinerzieherinnen im Corona-Jahr eine mehr als bedrohliche Situation", bestätigt Doris Pettighofer von der Österreichischen Plattform für Alleinerziehende gegenüber den Regionalmedien Austria (RMA). Die Expertin weiter: "Die wohl größte Sorge unserer Familien war, selber an Corona zu erkranken und dann die Kinder nicht mehr versorgen zu können".

Wegfall von Netzwerken

„Was passiert dann mit meinen Kindern“ war und ist, nach wie vor, eine häufig gestellte Frage in den Beratungsstellen unserer Mitgliedsorganisationen", erklärt Pettighofer. Auch der Wegfall der persönlichen sozialen Netzwerke hatte für viele katastrophale Auswirkungen, sie sind in alleinerziehenden Familien wichtiger existenzsichernde Faktor für die Alltagsbewältigung. Noch dazu komme, dass Hilfen für getrennt lebende Familien zu kurz greifen. Reduzierte Unterhaltszahlungen aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit etwa wurden im Familienhärteausgleichsfond nicht Einkommensverlust gewertet.  

Die Armutsgefährdungsschwelle bei 60 Prozent Medianeinkommen: für 1 Person und ein Kind unter 14 Jahren liegt diese bei monatlich 1.672, (zwölf Mal pro Jahr), 1.433, (14 Mal pro Jahr – somit die meisten Erwerbseinkommen aus Anstellungsverhältnissen).

Alleinerziehende die am höchsten belastete Gruppe 

Mit 46 Prozent Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung in Ein-Eltern-Familien (Eu-Silc 2019) sind Alleinerziehende die am höchsten belastete Gruppe innerhalb der Familien. Die Corona Krise des heurigen Jahres lässt befürchten, dass die Familien nun noch weiter in die Armut gedrängt werden, schlägt Petttighofer Alarm. Für die Kinder in diesen Familien komme das einem Chancentod gleich. Bildung, Wohnen, Gesundheit und sozialer Aufstieg sind dabei die Bereiche, von denen Kinder am meisten betroffen sind.

Lebensumstände von Alleinerziehenden missachtet

Der Ausfall von Kindergärten und Schulen ergaben zusammen mit Erwerbsarbeit vielfach unbewältigbare Situationen. Fast 30 Prozent Alleinerziehende geben 2019 bei einer Befragung (www.wohnbauforschung.at/index.php?id=494) an, dass ihre Kinder kein eigenes Zimmer besitzen. Gepaart mit engen finanziellen Ressourcen und die Konzentration der Belastung bei nur einem Elternteil ist ebenso wesentlicher Aspekt der Corona Zeit. Die Mehrbelastung der Familien wird aber seitens der staatlichen Corona Hilfen nur wenig anerkannt. Viel zu sehr haben sich diese auf Wegfall von Einkommen konzentriert. Gerade die steigenden Kosten bei Familien mit niedrigen Einkommen wurden nicht gesehen und auch nicht anerkannt. Dazu zählen etwa höhere Alltagskosten durch Wegfall der günstigeren Verpflegung außer Haus, steigende Energiekosten oder Anschaffungskosten wie Laptop´s und Internetzugängen.

Alleinerziehende überbelastet und verzweifelt, Hilfen greifen zu kurz

Für Alleinerziehende bedeuten die erneuten Lockdowns eine Überbeanspruchung ihrer Ressourcen. Die Rückmeldungen aus den Mitgliederorganisationen der ÖPA zeigen eine enorme Mehrbelastung der Familien durch Covid 19 seit dem Frühjahr und nun einen neuen Höhepunkt. Die in der Öffentlichkeit positiv hervorgehobenen Maßnahmen wie Familienbonus, Senkung des Eingangssteuersatzes oder Familienhärteausgleichsfond würden bei Alleinerziehende oft nicht oder im geringeren Ausmaß wirken. Folgen seien zunehmend psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout. Verstärkt mit Auswirkungen auf Kinder: Erkrankungen, die letztlich auch die Zukunftschancen der Kinder schmälern. Präventive Maßnahmen zum Erhalt der Gesundheit, die hier Entlastung schaffen könnten, wie etwa Kostenübernahmen zu Mutter-Kind-Kuren oder psychologische Behandlung auf Krankenschein als Maßnahmen, würden fehlen, so Pettighofer.

Frauen helfen Frauen in der Region: Zum Frauennetzwerk der Regionalmedien
Zur Österr. Plattform für Alleinerziehende

Macht die Regierung genug für Alleinerzieherinnen?
Alleinerzieherinnen mit 15 Stunden Arbeit am stärksten belastet
Persönliche soziale Netzwerke hat für viele Alleinerzieherinnen katastrophale Auswirkungen, sie sind wichtiger existenzsichernde Faktor für die Alltagsbewältigung.
94 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen, jedes vierte Kind in Österreich wächst in einem Eineltern-Haushalt auf, mit 15 Arbeitsstunde am Tag gehören Alleinerzieherinnen laut Studie der Arbeiterkammer zu jenen, die am meisten arbeiten. Trotzdem ist jede zweite Mutter armutsgefährdet, das waren vor der Pandemie nur 40 Prozent.

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