17 Femizide, 23 Mordversuche
Täter polizeibekannt, dennoch kein Schutz für Frauen

„Heuer sind bereist 17 Frauen ermordet worden. 23 Mordversuche gab es an Frauen. Das ist gravierend für Österreich und in vielen Fällen sind die Täter polizeibekannt“, so Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin der Autonomen Frauenhäuser (AÖF)
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  • „Heuer sind bereist 17 Frauen ermordet worden. 23 Mordversuche gab es an Frauen. Das ist gravierend für Österreich und in vielen Fällen sind die Täter polizeibekannt“, so Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin der Autonomen Frauenhäuser (AÖF)
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Heuer sind bereist 17 Frauen ermordet worden. 23 Mordversuche gab es an Frauen. Die meisten Täter waren polizeibekannt. Dennoch waren sie auf freiem Fuß, es gab keinen Polizeischutz für die Frau, viele Behörden nehmen die Lage nicht ernst und werfen Frauen sogar vor, sich die „Gewalt einzubilden.“ Die Allianz GelwatFREI übt scharfe Kritik.

ÖSTERREICH. „Heuer sind bereist 17 Frauen ermordet worden. 23 Mordversuche gab es an Frauen. Das ist gravierend für Österreich und in vielen Fällen sind die Täter polizeibekannt“, so Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin der Autonomen Frauenhäuser (AÖF): „Das war im aktuellen Fall auch so. Dennoch wurde die Frau mitten in der Nacht nach Hause geschickt und es wurde ihr kein Polizeischutz gewährt. Am nächsten Morgen war sie tot.“ Rösslhumer bezieht sich auf den Femizid vom 23. Februar, wo eine Frau nachdem sie die Polizei aufgesucht hatte und im Spital aufgrund ihrer Gewaltverletzungen versorgt wurden, in der gemeinsamen Wohnung in Favoriten getötet wurde. Am 24. August findet der Mordprozess statt, da muss sich der mutmaßliche Täter vor einem Gericht in Wien verantworten. Auch dieser Täter habe "sadistisches Gewaltverhalten" gezeigt, er habe auch in älteren Beziehungen Gewalt, es gab Anzeigen sowie Wegweisungen, sogar die Bewährungshilfe sei involviert gewesen. "Also, alle Behörden wussten Bescheid und trotzdem kam es zu dem Mord. Das ist unfassbar und nicht tolerierbar", sagt Rösslhumer.

Richter sagen Müttern, sie würden sich "die Gewalt einbilden"

„Österreich hat zwar am Papier Gesetze, doch was nützen diese, wenn die zuständigen Behörden und Institutionen nicht rechtzeitig agieren?“, fragt Andrea Czak vom Verein Feministischer Alleinerzieherinnen FEM.A: Sie präsentierte am Dienstag Erfahrungsberichte von drei verschiedenen Müttern und beweist damit, dass viele gewaltbetroffenen Frauen bei der Polizei überhaupt kein Gehör bekommen. „Erst als sie mit Unterstützung der Interventionsstelle gegen Gewalt kamen, wurden sie ernst genommen“, so Czak: Weiters geschehe ständig eine Täter-Opfer-Umkehr: Müttern werde sogar von Richtern vorgeworfen, sich die „Gewalt einzubilden“, Anträge auf einstweiligen Verfügungen werden abgewiesen, Zeugen garnicht angehört: „Das Resultat ist, dass viele Frauen aus Angst und Scham über erlebte Gewalt schweigen“, so Czak und betont, es brauche Schulungen bei geschlechtsspezifischer Gewalt, für Richterinnen und Richtern, aber auch bei der Polizei.

Es fehlt an Geld, Personal, Schulungen

„Diese Bundesregierung handelt unredlich und lässt die Frauen im Stich“, so SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner fordert einen Aktionsplan der Bundesregierung, sowie die Einführung von Hochrisikokonferenzen und mehr Mittel für den Gewaltschutz in Österreich. „Die Femizide hätten verhindert werden können, hätte es den dringend notwendigen Austausch zwischen multiinstitutionellen Gremien gegeben“, so Holzleitner. Es fehle an Geld, Personal und Schulungen von Beamtenin den Bereichen Justiz und Exekutive. Darüber hinaus übt die SPÖ-Frauenvorsitzende scharfe Kritik am Innenminister und an der Justizministerin, wonach es keine Informationen über die ab 1. September in Kraft tretende gesetzliche Verpflichtung der Täterarbeit gibt. „Es gibt noch immer keine Information an die Opferschutzeinrichtungen, wie die verpflichtende Täterarbeit aussehen wird, welche Kriterien geplant sind, wie die Betreuer geschult werden. Es gibt Zweifel an einer nachhaltigen Verbesserung in der Täterarbeit. Fragen, etwa ob die Opferschutzeinrichtungen über die Gewalttätigkeit der Täter informiert werden, sind offen“, so Holzleitner. Die Stellungnahme der NEOS, die sich ebenfalls zum Thema geäußert haben, hält die SPÖ-Frauenvorsitzende für scheinheilig, „zumal die NEOS-Landesrätin in Salzburg Frauenhäuser hat schließen lassen.“ Außerdem wissen die Gewalt- und Opferschutzeinrichtungen noch immer nicht, ob sie von den von der Bundesregierung angekündigten 24,5 Millionen Euro Mittel erhalten.

"Mit jeder Sekunde gefährden wir Frauenleben"

Frauenministeriums nicht zufriedenstellend beantwortet.
NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter: „Wäre die Regierung im Kampf gegen Gewalt an Frauen an echten Lösungen interessiert, würde sie transparenter agieren und mehr auf die Anliegen und Vorschläge der Opferschutzorganisationen eingehen. Bisher blieb es aber bei inszenierten Gipfeltreffen und dem Schnüren eines Maßnahmenpakets mit nicht nachvollziehbarer Schwerpunktsetzung. Die Umsetzung lässt weiterhin auf sich warten.“ Sie fordert einen Turbo in der Ausweitung der Täterarbeit, einen intensiveren Austausch mit Opferschutzorganisationen und ein Ende der chronischen Unterfinanzierung des Gewaltschutzsektors. „Denn mit jeder Sekunde, die wir länger warten, gefährden wir weitere Frauenleben. Die letzten Monate haben uns gezeigt, dass hier Gefahr in Verzug ist“, zeigt sich die NEOS-Frauensprecherin besorgt.

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„Heuer sind bereist 17 Frauen ermordet worden. 23 Mordversuche gab es an Frauen. Das ist gravierend für Österreich und in vielen Fällen sind die Täter polizeibekannt“, so Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin der Autonomen Frauenhäuser (AÖF)
 Andrea Czak, die Vorsitzende des Verein Feministische Alleinerzieherinnen (FEM.A)  berichtet von Täter-Opfer-Umkehr: Müttern werde sogar von Richtern vorgeworfen, sich die „Gewalt einzubilden“.

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