KV-Verhandlungen ergebnislos
35-Stunden-Woche: Pfleger streiken wieder

Am 1. Februar fanden in Wien, Linz, Graz und Klagenfurt Demonstrationen für eine faire Lohn- und Gehaltserhöhung für die mehr als 100.000 Beschäftigten im privaten Gesundheits- und Sozialbereich statt.
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  • Am 1. Februar fanden in Wien, Linz, Graz und Klagenfurt Demonstrationen für eine faire Lohn- und Gehaltserhöhung für die mehr als 100.000 Beschäftigten im privaten Gesundheits- und Sozialbereich statt.
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Auch die sechste Runde der KV-Verhandlungen in der Sozialwirtschaft für Pflegeberufe & Co enden ergebnislos. Arbeitgeber und Arbeitnehmer beklagen "null Annäherung". In Folge dessen kündigten die Gewerkschaften weitere Warnstreiks an. 

ÖSTERREICH. Die KV-Verhandlungen in der Sozialwirtschaft endeten Montagnacht ergebnislos. Acht Stunden war verhandelt worden, trotzdem konnte man sich nicht auf eine Lösung einigen. Die Gewerkschaften fordern für die rund 125.000 Beschäftigten im privaten Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich eine 35-Stunden-Woche. Von Annäherung keine Spur. Arbeitgeber und  Arbeitnehmer wiesen die Vorschläge ihres jeweiligen Gegenübers ab und nannten diese "inakzeptabel". Die Gewerkschaften kündigten daher weitere Warnstreiks an. Diese sollen im Vergleich zu den Vorausgegangenen nun ausgeweitet werden und am 26. und 27. Februar stattfinden. Die nächsten KV-Verhandlungen sollen danach, am 2. März stattfinden.

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"Wir sind enttäuscht"

Die Gewerkschaft beklagt die mangelnde Bereitschaft der Arbeitgeber auf eine Arbeitszeitverkürzung einzugehen. Die Arbeitgeber hingegen beklagen sich, dass die Gegenseite nicht auf die angebotene Lohnerhöhung von rund 2,7 Prozent für 2020 und 2021 eingehen. Eva Scherz, Verhandlerin für die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) gibt sich ernüchtert: "Wir sind enttäuscht, weil wir unsere Forderung laut und klar gesagt haben". Die Verhandlungen seien abgebrochen worden, weil die Arbeitgeber so getan hätten, "als hätten sie unsere Forderung zum ersten Mal gehört". Nun sollen die Warnstreiks ausgedehnt werden. "Wir streben nach einem guten Abschluss, aber wir fürchten auch nicht die Konfrontation", so Scherz.

Die Arbeitgeber hätten so getan, "als hätten sie unsere Forderung zum ersten Mal gehört", so Eva Scherz, Verhandlerin für die Gewerkschaft GPA-djp
  • Die Arbeitgeber hätten so getan, "als hätten sie unsere Forderung zum ersten Mal gehört", so Eva Scherz, Verhandlerin für die Gewerkschaft GPA-djp
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Streiks werden ausgeweitet

Michaela Guglberger, Chefverhandlerin für die Gewerkschaft vida kündigte an, dass an den nun folgenden Streiks noch mehr Betriebe und Menschen teilnehmen werden. "Vernachlässigt wird aber niemand", versicherte sie. Man wolle keine Betreuungsaufgaben vernachlässigen. Auch wolle man Kindern und Pflegebedürftigen die Faschingszeit nicht verderben, daher fänden die Streiks auch erst nach der Narrenzeit statt. Sie selbst sei zwar enttäuscht über die bisher ergebnislosen Verhandlungen, dennoch sollen die Gespräche "konstruktiv" gewesen sein. "Aber es kommt leider nicht raus, was wir erwarten", zeigt sich Guglberger enttäuscht. Nun hoffe sie darauf, dass den Arbeitgebern vielleicht "doch etwas zur Arbeitszeitverkürzung einfällt". Man wolle Verbesserungen für die gesamte Branche und nicht nur für einige wenige Arbeitgeber, so Guglberger. 

Am 1. Februar fanden in Wien, Linz, Graz und Klagenfurt Demonstrationen für eine faire Lohn- und Gehaltserhöhung für die mehr als 100.000 Beschäftigten im privaten Gesundheits- und Sozialbereich statt.
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Personalmangel

Die Arbeitgebern zeigten sich von den Forderungen der Gewerkschaft wenig begeistert. Walter Marschitz, Verhandler der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ): "Natürlich freut uns das nicht". Man sehe kaum Chancen sich bei der 35-Stunden-Woche einigen zu können. Das größte Problem ortet Marschitz in der stationären Pflege. Die Arbeitszeitverkürzung würde dort zu einem Personalmangel führen und die angespannte Situation weiter verschärfen. Allerdings habe jeder Verhandlungspartner gewissen Vorstellungen, die es zu akzeptieren gelte. Man trete bei der Verhandlungen daher "ein bisschen auf der Stelle". Dennoch gibt er sich optimistisch und offen für Kompromisse bei den nächsten Verhandlungen am 2. März. "Aber die Ideen brauchen halt immer Zustimmung", so Marschitz.

Anschober: "PflegerInnen mit Reißverschlusssystem besserstellen"
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Aktionstag im privaten Gesundheits- und Sozialbereich 1.2.2012
„Die 35-Stunden Woche in der Pflege ist finanzierbar!“
Autor:

Ted Knops aus Wien

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