Interview mit Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber: "Unser Ziel ist die 100 Prozent CO2-freie Stromerzeugung"

Wolfgang Anzengruber im Interview: "Zu unserer Gesamt-Investition für Fischwanderhilfen von 280 Millionen kommen dann noch Beiträge von Partnern und Förderungen. Mit den Ländern und den Landesfischereiverbänden können wir deshalb die Vorgaben der EU-Richtlinie übertreffen."
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Bis zum Jahr 2025 wird der Verbund weitere 130 Millionen Euro für die Errichtung von Fischwanderhilfen investieren. Fischwanderhilfen sind Umleitungen für Wasserlebewesen, damit sie ihre Wanderung an Kraftwerken oder anderen Hindernissen vorbei fortsetzen können. Der Verbund folgt damit den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Diese besagt, dass die Wassernutzung in der EU umweltgerechter werden muss.


Bisher schon 150 Milionen investiert


Bislang hat der Verbund bereits 150 Millionen in die ökologische Maßnahme investiert, so Vorstandschef Wolfgang Anzengruber im Exklusivgespräch mit meinbezirk.at. "Zu unserer Gesamt-Investition von 280 Millionen kommen dann noch Beiträge von Partnern und Förderungen. Mit den Ländern und den Landesfischereiverbänden können wir deshalb die Vorgaben der EU-Richtlinie übertreffen."

Fischwanderhilfen existieren etwa beim Kraftwerk Wien-Freundenau, bei Melk und beim Kraftwerk Wallsee-Mitterkirchen (Grenze Nieder/Oberösterreich).
Wobei es auch internationale Rekorde gibt. Anzengruber: "Beim Kraftwerk Ottensheim-Wilhering in Oberösterreich befindet sich mit 14,2 Kilometer die längste Fischwanderhilfe in Europa. Und die höchste Fischtreppe in Europa befindet sich bei unserem Kraftwerk Edling in Kärnten." Die Fischtreppe dort weist einen Höhenunterschied von 22 Metern auf.


Weitere Öko-Projekte sind in Planung


Die nächste großen Fischwanderhilfen sind laut Anzengruber beim Kraftwerk Abwinden-Asten bei Linz und bei Altenwörth nahe Zwentendorf geplant. Die Wanderhilfe bei Greifenstein, Niederösterreich, soll dafür 2018 fertig sein.
Mit den baulichen Maßnahmen allein ist es freilich nicht getan wie Anzengruber festhält. "Danach müssen die Fischwanderungen wissenschaftlich beobachtet und analysiert werden, um festzustellen, ob das Projekt auch ein Erfolg war."

Das gilt auch für ein anderes Projekt: die im Vorjahr abgeschlossene Re-Naturierung der Traisen im Mündungsbereich zwischen Traismauer und Zwentendorf. Anzengruber: "Statt der 15 erwarteten Fischarten ergab das Monitoring nach einem Jahr 25 Fischarten. Ich denke, dass wir hier von einem internationalen Musterbeispiel sprechen können."

Re-Naturierung der Traisen erfolgreich

Das gilt auch für ein anderes Projekt: die im Vorjahr abgeschlossene Re-Naturierung der Traisen im Mündungsbereich zwischen Traismauer und Zwentendorf. Anzengruber: "Statt der 15 erwarteten Fischarten ergab das Monitoring nach einem Jahr 25 Fischarten. Ich denke, dass wir hier von einem internationalen Musterbeispiel sprechen können."

Und wie sieht es beim Hochwasserschutz aus? Zuletzt wurde der Aist-Damm an der Donau in Oberösterreich saniert. Bei der Schlögener Schlinge werden derzeit 700.000 m3 Schotter umgelagert, um künftige Hochwasser zumindest abzumildern.

Die mitunter geäußerten Vorwürfe, der Verbund unternehme zu wenig beim Hochwasserschutz, weist Anzengruber zurück. "Die Flüsse wurden nicht nur durch die Kraftwerke verengt, sondern auch durch Flächenwidmungen. Man hat teilweise in riskanten Zonen gebaut. Dadurch fehlt es an Überschwemmungsgebieten."


Das Ende der Kohle naht


Vom Wasser zur Kohle: Spätestens 2020 wird der Verbund sein letztes Kohlekraftwerk abdrehen, nach Möglichkeit bereits 2019. Das Werk im steirischen Mellach erzeugt für die Stadt Graz Fernwärme. Die soll dann aus einer gasbetriebenen Heißwasserkesselanlage am Standort kommen.

Das Ende der Kohlekraft begründet Vorstandschef Wolfgang Anzengruber so: "Wir erzeugen Strom fast nur noch aus Wasser und Wind. Derzeit halten wir in der Stromerzeugung bei 96 Prozent ohne CO2. Wir wollen in die Richtung des zu 100 Prozent CO2-freien Erzeugers gehen.“


Gas-Kombi-Kraftwerk Mellach dient als "Feuerwehr"


In Mellach betreibt der Verbund auch noch ein Gas-Kombi-Kraftwerk. Das wollte man eigentlich stilllegen oder verkaufen. Jetzt nutzt es der Verbund für die Netzstützung. Der heurige Winter mit den tiefen Temperaturen, dem wenigen Wasser sowie dem Ausfall einiger Kraftwerke in Westeuropa habe gezeigt, dass das Werk für Spitzenabdeckungen wichtig sei. "Dieses Kraftwerk ist sozusagen unsere Feuerwehr", sagt Anzengruber.

Beim Grazer Murkraftwerk der Energie Steiermark ist der Verbund Anfang des Jahres mit 12,5 Prozent eingestiegen. Erst im Vorjahr hatte sich der Verbund vom Projekt zurückgezogen. Zum Wiedereinstieg sagt Anzengruber: "Wir haben die komplette Betriebsführung des Kraftwerks übernommen. Deshalb macht das Sinn. Weil wir die gesamte Kraftwerkskette entlang der Mur steuern."


Warten in Salzburg auf den Gerichtsentscheid


Warten heißt es für den Verbund indes in Salzburg. Dort war die geplante 380 kV-Starkstromautobahn vom Land unter der ressortzuständigen Landeshauptmann-Stv. Astrid Rössler (Grüne) 2015 in erster Instanz genehmigt worden.

Nach Protesten und Einsprüchen fanden nun vor dem Bundesverwaltungsgericht in Wien die Anhörungen in zweiter Instanz statt. Mit einer Entscheidung rechnet Anzengruber in den kommenden Wochen.

Gegner der Leitung hoffen, dass bei einer Ablehnung der Verbund eine teurere Erdkabelleitung legen muss. Anzengruber: "Darüber entscheidet das Gericht nicht. Es wird entscheiden, ob das eingereichte Projekt genehmigt wird oder nicht. That's it." Nachsatz: "Wenn das Gericht das Projekt komplett ablehnt, dann sind wir wieder dort, wo wir vor zehn Jahren waren."

Redaktion: Wolfgang Unterhuber

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