Verdacht auf Schwarzarbeit
Razzia bei Amazon-Zustellern

Das Verteilzentrum in Großebersdorf war im Februar 2019 eröffnet worden.
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  • Das Verteilzentrum in Großebersdorf war im Februar 2019 eröffnet worden.
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Die Finanzpolizei führte am Dienstag eine Großrazzia in einem Amazon-Verteilzentrum durch. Ziel der Razzia war nicht der US-Konzern, sondern die zahlreichen Boten und Subunternehmen. Die Finanzpolizei vermutet hier illegale Beschäftigung und Schwarzarbeit.

ÖSTERREICH. 63 Beamte der Finanzpolizei untersuchten am Dienstag das Amazon-Verteilzentrum in Großebersdorf (Mistelbach). Dabei sperrten die Beamten sämtliche Ausfahrten des Verteilzentrums. Alle Fahrer, die dort ein- oder ausfuhren wollten, wurden untersucht. Die Finanzpolizei hegt den Verdacht, dass es dort Scheinfirmen oder Schwarzarbeit geben könnte. 

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"Massive Schwarzzahlungen"

Der Einsatz wurde vom Finanzministerium bestätigt, so die APA. Innerhalb weniger Stunden sollen dort 36 Betriebe und über 170 Beschäftige kontrolliert worden sein. Dabei seien rund 50 Verstöße gegen das Arbeitsrecht festgestellt worden. Der Verdacht der Finanzpolizei scheint sich zu bewahrheiten, in zehn Fällen wurden daher Forderungspfändungen geltend gemacht. Die betroffenen Firmen sollen dem Finanzamt eine Summe von 185.000 Schulden. Außerdem wurden auch Verstöße gegen das Ausländerbeschäftigungsgesetz und die Lohn- und Sozialdumpinggesetze festgestellt. Viele der Paketfahrer wären offiziell geringfügig angestellt, so die Finanzpolizei. In Realität würden diese aber deutlich mehr arbeiten. Die Finanzpolizei sprach von "massiven Schwarzzahlungen". 

Weitere Betrugsfälle

Um Manipulationen bei den Arbeitsaufzeichnungen zu verhindern, wurden außerdem Fahrerlisten beschlagnahmt. Diese sollen nun ausgewertet werden um festzustellen, welcher Fahrer welches Paket zu welcher Zeit ausgeliefert hat. Bei der Finanzpolizei ist man zuversichtlich, dass man somit noch weitere Betrugsfälle aufklären könne. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte Amazon, dass man gerne dazu bereit wäre mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Weitere heißt es darin:  
"Unsere Partner sind verpflichtet, sich an die geltenden Gesetze und den Verhaltenskodex für Amazon Lieferanten zu halten. Amazon setzt sich insbesondere dafür ein, dass unsere Lieferpartner ihre Mitarbeiter im Einklang mit geltendem Recht beschäftigen. Wir ergreifen unverzüglich Maßnahmen gegen Partner, die diese Erwartungen nicht erfüllen".

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) zeigte sich erfreut über die Ermittlungen der Finanzbeamten
  • Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) zeigte sich erfreut über die Ermittlungen der Finanzbeamten
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Blümel erfreut

Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) zeigte sich erfreut über die Ermittlungen der Finanzbeamten: "Diese Kontrollen sind wichtig, weil sie einen Beitrag für mehr Steuergerechtigkeit leisten. Lohn- und Sozialdumping ist kein Kavaliersdelikt, sondern schädigt unseren Wirtschaftsstandort. Die Finanzpolizei leistet hier wichtige Arbeit, auch im Interesse der vielen Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich selbstverständlich an alle Regeln halten."

Kurioser Besuch

Kurios muss es für einen Mitarbeiter der Tageszeitung "Die Presse" gewesen sein. Der war zum Zeitpunkt der Razzia zu einer Werksführung eingeladen. Dort gab ihm der Standort-Leiter Peter Klein einen Einblick in das ausgeklügelte Logistiksystems des Unternehmens, als plötzlich die Beamten der Finanzpolizei auftauchten. Viele Pakete könnten daher heute verspätet ankommen, denn: "da klopfen plötzlich 63 Mann der Finanzpolizei an der Türe. Ein paar hektische Minuten später steht das perfekt aufeinander abgestimmte Räderwerk still", so die Zeitung. 

Das Verteilzentrum in Großebersdorf war im Februar 2019 eröffnet worden.
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Neues Zentrum im April

Das Verteilzentrum in Großebersdorf war im Februar 2019 eröffnet worden. Der Konzernriese Amazon beschäftigt dort rund 70 ständige Mitarbeiter. Bei Bedarf und entsprechender Auftragslage können dort aber auch bis zu 150 Mitarbeiter beschäftigt sein. Amazon plant im April ein weiteres Paketzentrum im Süden Wiens zu eröffnen. 

Mitarbeiter klagt an: Ausbeutung bei Amazon

Amazon eröffnet in Großebersdorf
Schwarzes Wespennest bei Amazon

Autor:

Ted Knops aus Wien

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