Studium
Weniger Prüfungsantritte trotz Durchfallquoten von bis zu 90%

Trotz Durchfallquoten von bis zu 90% sollen Prüfungsantritte fallen
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In einer Aussendung bezeichnete die HTU Wien die Äußerungen von Uniko-Präsidentin Sabine Seidler als studierendenfeindlich. Die hatte erneut weniger Prüfungsantritte an Universiäten gefordert.

ÖSTERREICH. Die erneute Forderungen nach weniger Prüfungsantritten der Präsidentin der Österreichischen Universitätenkonferenz (uniko), Sabine Seidler, geht nach Ansicht der HTU Wien völlig an der Lebensrealität der meisten Studierenden vorbei. Die implizite Aussage, dass mehr Prüfungsantritte nur dazu führen, dass Studierende länger brauchen, um die eigene Kompetenz im Studium einzuschätzen, könne man nicht als Argument gelten lassen. 

Wichtiger Rettungsschirm

Der 5. Prüfungsantritt stelle in Wirklichkeit vielmehr einen wichtigen Rettungsschirm dar. Damit sei oftmals gewährleistet, dass Studierende doch noch ihr Studium abschließen könnten. Damit trage direkt dazu bei, die so wichtige Zahl an Absolventen von MINT-Studien zu erhöhen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), heißt es in der Aussendung. 

Existenzängste

Auch die Anzahl der Studierenden, die an psychischen Beschwerden leiden, würde mit einer Verringerung der Prüfungsantritte noch weiter steigen. 29% der Studierenden gaben bei der Studierendensozialerhebung 2019 an, an Prüfungsängsten zu leiden, bei den Existenzängsten waren es 21%. Frauen sind von diesen Ängsten stärker betroffen als Männer. Damit würde das Senken der Antritte vor allem weiblichen Studierenden weitere Steine in den Weg legen und wäre somit ein großer Schritt in die falsche Richtung in Bezug auf die Gleichberechtigung an Universitäten.

"Mehrere Jahre durch ein Studium quälen"

Besonders für Studierende der TU Wien, wo Prüfungen mit Durchfallquoten an die 90%  immer wieder Thema sind, sollen Forderungen nach weniger Prüfungsantritten mehr als zynisch erscheinen. "Frau Seidler spricht von Studierenden, die sich "mehrere Jahre durch ein Studium quälen" müssen. Die Verantwortung dafür diesen Umstand zu ändern - durch bessere Lehre und ein Studium, das sich auch mit Erwerbstätigkeit und Familie vereinbaren lässt - sieht sie leider nicht bei sich", meint hierzu Gabriele Urban vom Vorsitzteam der HTU Wien.

Tatsächlich berichten im Rahmen der Studierendensozialerhebung 2019 an öffentlichen Universitäten nur 39% der Studierenden von guten Studienbedingungen, 43% der studierenden Eltern geben an, dass sie die Betreuung ihrer Kinder nicht so regeln können, dass sie uneingeschränkt studieren können und fast die Hälfte der erwerbstätigen Studierenden hat Probleme mit der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Studium. "Die tatsächlichen Probleme von Studierenden in Österreich sind seit längerem bekannt. Es wird Zeit, dass sich die Politik und die Universitäten dieser annehmen", so Thomas Traxler vom Vorsitzteam der HTU Wien.

Ideale untergraben

Außerdem kritisierte die HTU Wien den Ansatz der Rektorin, dass es die Aufgabe von Universitäten sei "die Besten auszubilden". Die am besten Ausgebildeten würden nämlich von der besten Lehre kommen und nicht durch die Verringerung von Bildungschancen, so die Aussendung. Solche Aussagen würden das Ideal einer Universität in welcher Bildung als Gut für die Allgemeinheit angeboten wird untergraben. Besonders von einer Rektorin die sich für einen kritischen und offenen Diskurs an den Universitäten ausspricht, erscheint ein solcher Wunsch nach Elitenbildung verwunderlich, hieß es abschließend

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