Design und mehr auf Schloss Hollenegg

Kuratorin Alice Stori Liechtenstein und der Tisch aus dem Holz eines Mamutbaumes - praktisch, nachhaltig und an ein Holzlager erinnernd, eben Holztreff Liechtenstein.
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  • Kuratorin Alice Stori Liechtenstein und der Tisch aus dem Holz eines Mamutbaumes - praktisch, nachhaltig und an ein Holzlager erinnernd, eben Holztreff Liechtenstein.
  • hochgeladen von Susanne Veronik

HOLLENEGG. Weithin sichtbar ist das Schloss Hollenegg in Schwanberg, doch die Gelegenheit auch einmal inwändig Einblick zu nehmen, bietet sich nur an wenigen Tagen im Jahr: "Wir öffnen zum dritten Mal in Folge die Schlosspforten für die Design-Austellung, nämlich von 4. bis 7. Mai jeweils von 11 bis 17 Uhr", ist die Initiatorin Alice Stori Liechtenstein ganz in ihrem Element. Und das heurige Motto? "'Legacy' im Sinne von "Erbe", aber nicht materiell gemeint, sondern was einem durch die Vorfahren an Werten, Moral, Religion, Kultur u.a. mitgegeben wird", bringt Alice Stori Liechtenstein diese Thema unweigerlich mit dem Schloss an sich in Verbindung. Somit zieht sich das Thema Zeit in verschiedenen Philosophien durch alle drei Design-Ausstellungen, "Slow", "Morphosis" und darauf aufbauend eben jetzt "Legacy". Mit so einem Vermächtnis ist schließlich nicht nur eine Rückschau gegeben, sondern auch ein Blick in die Zukunft der kommenden Generationen.

Persönliche Einsichten

"Ich möchte dazu animieren, dass sich jeder auch über sich selbst und sein eigenes Erbe Gedanken macht", betont die Kuratorin, dass auch das Thema Umwelt in dieser Gedankenführung Platz hat. Dass dieses sehr ehrgeizige Ziel auch hier in der Peripherie erreicht werden kann, zeigt ein Rundgang durch die  Ausstellung - heuer sind es nämlich um zwei herrliche Raume mehr, die für die Design-Ausstellung geöffnet worden sind. Somit verändert jede neue Design-Ausstellung auch das Schloss selbst. Die Ausstellung zeigt außerdem erstmals öffentlich die Design-Installationen, die im Rahmen des "Designers in Residence"-Programmes 2017 zum Thema "Legacy" entstanden sind. Es sind also vom Schloss ausgehende Arbeiten, gestaltet von den Designer-Gruppen Breaded Escalope, Buro BELéN, Commonplace und Odd Matter. Die Anzahl der Designers in Residence hat sich im Vergleich zum Vorjahr somit verdoppelt. Neben diesen vier Designern in Residence werden fünfzehn internationale Designer ihre neuen Arbeiten zeigen, darunter viele, die eigens für "Schloss Hollenegg for Design" angefertigt worden sind.

Der Mamutbaum

So auch ein 4,5 Meter langer Tisch mit zwei entsprechend langen Bänken, die in ihrer Konstruktion an ein Holzlager erinnern, ein Arrangement mit Nachhaltigkeit des Wiener Designer-Kollektivs Breaded Escalope. Es handelt sich um das Holz eines Californischen Mamutbaumes, in den der Blitz eingeschlagen hat. Alice Stori Liechstenstein erklärt den historischen Zusammenhang: "Beim Forschen ist das Designer-Team auf die Tagebücher von Prinz Heinrich, dem jüngeren Bruder von Prinz Alfred von Liechtenstein als Schlossbesitzer im 19. Jahrhundert, gestoßen. Prinz Heinrich beschreibt darin auch seine USA-Reisen von 1864, wo er mit dem amerikansichen Präsidenten auf Büffeljagd gewesen ist. In Californen war er begeistert von diesen Mamutbäumen und hat kleine Exemplare nach Hollenegg gebracht und hier angepflanzt."
Also hat man den vom Blitz niedergerungenen Mamutbaum aus dem Schlosspark für die Designausstellung gefällt, ein echtes Spektakel. Als Installation zu einem Holzlager mit Sitzgelegenheit verarbeitet, wird somit nicht nur der Geschichte und der Nachhaltigkeit Rechenschaft gezollt, sondern auch ein Anklang zum Sägewerk Liechtenstein Holztreff. hergestellt.

Alt und neu, Kontraste im Wechselspiel der Jahrhunderte

Bei einem Rundgang wird das Zusammenspiel von zeitgenössichen Designerstücken mit einer ganz eigenen Aussage im Kontext zu dem vielfältigen, historischen Umfeld zu einer spannenden Entdeckungsreise. "Wir haben heuer besonders darauf Wert gelegt, dass jedes neue Objekt mit einem alten Objekt verbunden ist", zeigt Stori Liechtenstein auf eines ihrer Lieblingsstücke: Eine alte Karaffe aus Muranoglas auf einem Beistelltisch, der in 3-D-Druck erzeugt worden ist, also Kontrast pur, in dem Zeiten und Herstellungsverfahren kommunizierend aufeinanderprallen.
Vom großen Saal ausgehend erkundet man so Raum für Raum, Gang für Gang und freut sich schon auf das nächste Staunen. "Die einzelnen Arrangements hier im großen Saal sind von einer Studentin am FH Joanneum erstellt worden", betont Stori Liechtenstein, die als Vortragende am Masterstudienlehrgang für Ausstellungsdesign an der FH Joanneum in Graz unterrichtet. Bei der sehr international besuchten Ausstellungseröffnung am 5. Mai werden auch schon die Artists in Residenz für die Schau im nächsten Jahr präsentiert werden.
Hier kann man sich abseits der Ausstellung einfach vom Odem des alten Schlosses einfangen lassen. "Und das heuer erstmals auch bei Kaffee und Kuchen", lädt die Schlossherrin zum Kommen, Schauen und Verweilen ein.
Übrigens: Gegen Voranmeldung unter design@schloss hollenegg.at kann man sogar bis 27. Mai Einblick nehmen.

Schloss Hollenegg for Design

Schloss Hollenegg for Design ist ein Projekt, das 2015 von Alice Stori Liechstenstein ins Leben gerufen worden ist, um sowohl bereits bekannte als auch junge Designerinnen und Designer zu unterstützen. Das Ziel ist, einen Raum und eine Plattform zur Förderung der Designkultur, für Designforschung, Design-Denken und Designkritik zu entwickeln. Schloss Hollenegg for Design bietet das einzige "Designers in Residence"-Programm Österreichs, das sich gezielt an Designerinnen und Designer richtet und organisiert DesignerTalks und Ausstellungen. Das Residency Programm richtet sich an Designerinnen und Designer unter 35 Jahren, die bereits auf mindestens drei Jahre Arbeitserfahrung vorweisen können. Die ausgewählten Designer werden dazu eingeladen, eine Zeit auf Schloss Hollenegg zu verbringen und währenddessen die unterschiedlichen Stile des Schlosses zu erforschen. Diese gedankliche Arbeit soll sich als Inspiration in ihren Arbeiten und Installationen widerspiegeln.

Film im New York Times Style Magazine

Auch das New York Times Style Magazine hat kürzlich über Schloss Hollenegg berichtet. Hier ein kurzes Video.

Autor:

Susanne Veronik aus Deutschlandsberg

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