20 Jahre Hospizteam Deutschlandsberg Stadt

Das Männersextett "Gestern und heut" wird am 14. Juni zur Benefizveranstaltung 20 Jahre Hospiz Deutschlandsberg Stadt singen.
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DEUTSCHLANDSBERG. Die ehrenamtliche Arbeit ist nicht hoch genug einzuschätzen, vor allem wenn es um Menschen in schwierigen Situationen geht. Seit zwanzig Jahren gibt es nun das ehrenamtliche Hospizteam Deutschlandsberg Stadt, das am 14. Juni dieses Jubiläum im Rossstall Hollenegg mit einer Lesung von Sepp Loibner sowie Gesang vom Männersextett "Gestern und heut" feiern wird. Wir haben uns mit Barbara Weber getroffen, die seit 19 Jahren im Hospizteam Deutschlandsberg Stadt aktiv ist und seit 14 Jahren das Team leitet.

Wie waren die Anfänge vor 20 Jahren?
1993 wurde der Hospizverein in Graz gegründet. Intwischen gibt es insgesamt 29 Teams mit fast 900 Ehrenamtlichen steiermarkweit. Das Hospizteam Deutschlandsberg Stadt hat Luise Peinsold mit vier ehrenamtlichen Mitarbeitern ins Leben gerufen. Derzeit haben wir 18 Ehrenamtliche im Team. Wir sind zu einer großen Familie zusammengewachsen. Dabei ist jeder herzlich willkommen.

Was ist die Aufgabe des Hospizteams?
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter besuchen und begleiten Patienten, die schwer krank sind bzw dem Lebensende entgegen gehen. Diese Begleitungen geschehen meistens daheim, aber auch in Krankenhäusern oder in Altenpflegeheimen. Manchmal teilen wir uns mit den Angehörigen auch Sitzwachen am Krankenbett.
Wir besuchen außerdem Menschen in Pflegeheimen, die niemanden mehr haben und allein auf der Welt stehen. Darüberhinaus bietet das Hospizteam regelmäßige Treffen in sogenannten „Trauergruppen“ an. Vieles geschieht dabei über das Netzwerk im Palliativteam und über Mundpropaganda. Außerdem begleiten wir Eltern, die ihr Baby noch vor der Geburt verloren haben, also Eltern von sogenannten "Sternenkindern".

Wie weit erstreckt sich der regionale Radius, in dem das Hospizteam Deutschlandsberg Stadt unterwegs ist?
Dieser reicht vom Johngraben über Gleinstätten bis zur Soboth. Wir springen aber auch in St. Stefan oder Leibnitz ein, wenn es dort an Ressourcen mangelt und umgekehrt. Wir sind nicht so strikt an die Grenze gebunden.

Wie sieht die Ausbildung für die Hospizbegleitung aus?
Ich habe bis jetzt vier Hospizgrundseminare organisiert, bei denen jeweils 16 bis 20 Teilnehmer mitgemacht haben. Ein Grundseminar dauert gut neun Monate und besteht aus sechs theoretischen Einheiten und einem 40stündigen Praktikum. Danach wird eine Arbeit geschrieben bevor es zu einer Endbesprechung mit Referenten und der Teamleitung kommt. Bis jetzt haben es noch alle geschafft. Das wichtigste ist dabei die Erfahrung an sich selber und eine entsprechende Einstellung.

Eine Frage des Alters?

Nicht wirklich: Die älteste Hospizbegleiterin, die diese Ausbildung absolviert hat, war 75 Jahre, die jüngste ist 17 Jahre, die allerdings eine vorbildliche Einstellung mitbringt, über die manch 30-Jähriger nicht verfügt.

Einer der prominentesten Hospizbegleiter ist ja Bezirkshauptmann Helmut-Theobald Müller?

Ja, genau, er ist auch Hospizpate, sowohl für das Deutschlandsberger Team als auch für jenes in St. Stefan ob Stainz. Er unterstützt uns wirklich enorm. Hut ab, dass er neben seinen vielen Tätigkeiten auch noch für die Hospizarbeit Zeit findet.

Wie schafft man diese schwierige Arbeit, ohne selbst mental geschafft zu sein?
Für mich sind der Rückhalt und das Verständnis meiner Familie enorm wichtig. Auch die Verbundenheit mit der Natur gibt mir viel Kraft, schließlich muss man gewisse Dinge mit sich selbst bereinigen können. Vor einer Begleitung nehme ich mir ausreichend Zeit für mich selbst, um einfach einmal in mich zu gehen. Nur dann bin ich auch auch offen und feinfühlig für alles, was mich bei der Begleitung erwartet.
Für unsere Mitarbeiter gibt es Supervisionen. Wir lernen natürlich voneinander und tauschen uns aus, z.B. in den monatlichen Teamsitzungen. Außerdem können mich meine Mitarbeiter jederzeit anrufen.
Auch ich bin oft noch sprachlos, schließlich ist jede Begleitung einzigartig.
Aber über kleine Brücken, wie eine Berührung an der Schulter oder eine freundliche Anfrage, kann man schon ins Gespräch kommen.

Wozu wird das Spendengeld verwendet?

Primär für das Kilometergeld unserer freiwilligen Mitarbeiter, die sonst sämtliche Fahrten zu den Begleitungen aus ihrer eigenen Tasche finanzieren müssen.

Wird der Tod heute zu sehr ins Abseits geschoben?
Definitiv, der Tod wird vielfach einfach ausgegrenzt. Und wenn dann etwas passiert, ist man komplett bodenlos. Wir machen ja auch mit den Betroffenen Patientenverfügungen. Viele sagen dann "Ich wollte mich nur einmal informieren, aber ich habe ja noch Zeit." Wer kann das so genau sagen?
Die Hopizbegleitung ist keine Sterbebegleitung sondern eine Lebensbegleitung, denn das Sterben gehört genauso zum Leben wie die Geburt.

Starke Worte...

Ja, es geht schließlich nicht darum, dem Leben Wochen hinzuzufügen, sondern den verbleibenden Wochen Leben.
Letzten Endes ist es dies, worum es in der Frage um Leben und Sterben geht: Das Leben anderer zu berühren und damit sein eigenes zu bereichern.

Die Veranstaltung zum Jubiläum

Die Benefizveranstaltung 20 Jahre Hospizteam Deutschlandsberg Stadt wird am 14. Juni ab 18 Uhr im Rossstall Hollenegg gefeiert.
Sepp Loibner wird dazu aus seinen Büchern heitere und nachdenkliche Anekdoten zum Besten geben, während das Männersextett "Gestern und Heut" seine Stimmen erheben wird.
Durch das Programm führt Bezirkshauptmann Helmut-Theobald Müller.
Eintritt: Freiwillige Spende

Das Männersextett "Gestern und heut" wird am 14. Juni zur Benefizveranstaltung 20 Jahre Hospiz Deutschlandsberg Stadt singen.
Barbara Weber leitet mit viel Engagement das Hospizteam Stadt Deutschlandsberg.

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