Fachexkursion zum Thema Wald und seine Zukunft

Obmann der Land&Forst Betriebe Steiermark Carl Prinz von Croy, Mathias Neumann von der BOKU Wien, Geschäftsführer Simon Gerhardter, Josef Krogger und Wirtschaftsführer des Souveränen Malteser-Ritter-Orden OFM Clemens Spörk standen den interessierten Teilnehmern Rede und Antwort.
2Bilder
  • Obmann der Land&Forst Betriebe Steiermark Carl Prinz von Croy, Mathias Neumann von der BOKU Wien, Geschäftsführer Simon Gerhardter, Josef Krogger und Wirtschaftsführer des Souveränen Malteser-Ritter-Orden OFM Clemens Spörk standen den interessierten Teilnehmern Rede und Antwort.
  • Foto: Norbert Weber
  • hochgeladen von Susanne Veronik

Fachexkursion mit anschließender Podiumsdiskussion der Land&Forst Betriebe Steiermark zum Thema: „Risikomanagement und Kohlenstoffspeicherung unter dem Blickwinkel verschiedener Bewirtschaftungskonzepte“.

LIGIST. Die Forstwirtschaft sieht sich in Zeiten des Klimawandels mit enormen Herausforderungen konfrontiert, welche von Elementarereignissen sowie steigendem Holzmarktdruck geprägt sind. Nichts desto trotz ist es Aufgabe einer gesamten Branche, vor allem in schwierigen Zeiten, den Blick in die Zukunft und auf die kommenden Hürden zu richten. Deshalb haben sich die Land&Forst Betriebe Steiermark entschieden, im Zuge eines Förderungsprojektes durch Unterstützung von Bund, Land und Europäischer Union, das Thema „Risikomanagement und Kohlenstoffspeicherung unter dem Blickwinkel verschiedener Bewirtschaftungskonzepte“ zu behandeln.
Die Fachexkursion sowie Waldbesichtigung fand im Waldbetrieb Ligist des Souveränen Malteser- Ritter-Ordens statt. Unterstützt wurde die Exkursion mit anschließender Podiumsdiskussion durch hochkarätige Referenten, wie dem Wirtschaftsführer des Souveränen Malteser-Ritter-Orden OFM Clemens Spörk, dem Wissenschaftler und Experten für Kohlenstoffspeicherung im Wald Mathias Neumann (Universität für Bodenkultur in Wien) sowie einem Forstreferenten der Kammer für Land- und Forstwirtschaft in Steiermark.
Moderiert wurde die Veranstaltung durch den Geschäftsführer des Verbandes Simon Gerhardter.

Waldbesichtigung als Ausgangspunkt

Die Exkursion startete mit der Waldbesichtigung sowie einer Begrüßung durch den Obmann der Land&Forst Betriebe Steiermark Carl Prinz von Croy aus St. Oswald ob Eibiswald, der in seinem Eingangsstatement betonte:

„Jeder Waldeigentümer muss in Fragen des Klimaschutzes und der Kohlenstoffspeicherung im Wald absolut sattelfest sein und dies auch gut kommunizieren. Nur dann wird es uns gelingen, auch in 100 Jahren ohne ideologische Knechtschaft von unserem Wald zu leben.“

Obmann der Land&Forst Betriebe Steiermark Carl Prinz von Croy

Dauerwald im Fokus

Clemens Spörk, Wirtschaftsführer der bei der Exkursion besichtigten Waldflächen, erläuterte zu Beginn der Veranstaltung seinen Ansatz in Bezug auf die von ihm gewählte Bewirtschaftungsform eines Dauerwaldes im rund 3.500 ha großen Betrieb des Souveränen Malteser-Ritter Orden. Diese Bearbeitungsform des Waldes sieht Einzelstammentnahmen vor, nicht jedoch flächige Schlägerungen. Des Weiteren seien die Kalamitäten seit dieser Bewirtschaftung entgegen dem allgemeinen Trend in etwa gleichgeblieben und erhöhe dies die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Ebenfalls werden durch die aufkommende Naturverjüngung erhebliche Aufforstungskosten eingespart. Er ist von seinem Konzept der Waldbearbeitung aufgrund der geringeren Bodenbeanspruchung, der höheren Bio-/Blattmasse sowie der hohen Bestandsvitalität überzeugt, sieht jedoch keinesfalls in seiner Bewirtschaftung den „heiligen Gral“. Eine Überführung von Altersklassen- in Dauerwälder dauert Jahrzehnte und ist daher eine Generationenentscheidung.

Zur Walddrehscheibe

Forstreferent Josef Krogger referierte im Forst an einer Überführungsfläche von Altersklassen- in Dauerwald. Er sieht den Schlüssel zum Erfolg in der Vielfalt und ist der Überzeugung, dass ökonomische Erfordernisse häufig zu einer Spezialisierung und Konzentration auf wenige oder gar ein spezielles Produkt führen. "Damit ist jedoch ein weitaus höheres Risiko verbunden", so der Forstreferent. Seiner Ansicht nach brauchen Anpassungsfähigkeit und Resilienz eine breite Basis. Dieses Risiko erläuterte er an Hand der „EKG Walddrehscheibe“, welche in einem Ampelsystem die Faktoren Kronenprozent, Baumarten, vertikale Schicht sowie die Jahrringbreite bewertet. Letztlich ist er der Überzeugung, dass man keine Baumart verteufeln dürfe, es gehe viel eher um Risikostreuung sowie Vielfalt. Eine einzige Baumart sei immer ein Risiko, egal ob dies zum Beispiel die Fichte oder Buche ist.

Kohlenstoff effizient gespeichert

Mathias Neumann beleuchtete vorrangig die Themen Kohlenstoffspeicherung in Boden und Baum und führte dazu aus, dass die Waldfläche und der Holzvorrat in Österreich seit Jahren zunehmen und dadurch etwa 15% der Treibhausgasemissionen unseres Landes ausgeglichen wurden, Tendenz sinkend. Dabei ist laut seinen Ausführungen mehr als die Hälfte des Waldkohlenstoffs im bzw. auf dem Waldboden gebunden. Er ist der festen Überzeugung, dass nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellt, dass dieser Kohlenstoffpool erhalten bleibt. Die Bewirtschaftung würde uns hinzukommend einen zusätzlichen Kohlenstoffpool schaffen, indem langlebige Holzprodukte, wie Möbel oder Bauholz, produziert werden. Nach einer von ihm erläuterten Studie gebe es Anzeichen, dass in Dauerwaldstrukturen sogar eine höhere Kohlenstoffbindung im Boden erreicht werden kann.

Besichtigung ausgewählter Flächen im Waldbetrieb Ligist des Souveränen Malteser-Ritter- Orden
  • Besichtigung ausgewählter Flächen im Waldbetrieb Ligist des Souveränen Malteser-Ritter- Orden
  • Foto: Norbert Weber
  • hochgeladen von Susanne Veronik

Nach der Waldbegehung mit den Fachreferaten wurde zu einer Podiumsdiskussion beim Gasthaus „Der Klugbauer“ eingeladen. Dabei fand eine angeregte Diskussion statt.
Auf Nachfrage, ob in der Vielfalt der steirischen Forstwirtschaft ein Risiko oder eine Absicherung gesehen wird, wurde seitens der Referenten einhellig die Meinung vertreten, dass durch unterschiedliche Eigentümer, Bewirtschaftungsformen und Strategien, jedenfalls eine Art Risikostreuung erreicht werden würde. Debattiert wurde auch über die Anwendbarkeit einer Dauerwaldstruktur in steileren Lagen verglichen mit der des Souveränen Malteser-Ritter-Orden. Die Überführung kann laut Meinung von osef Krogger sowie OFM Clemens Spörk grundsätzlich überall durchgeführt werden, die wirtschaftliche Seite müsse aber je nach Betrieb betrachtet werden.
Bei der Frage, ob eine Außernutzungstellung von Waldflächen hinsichtlich Kohlenstoffspeicherung und Risikomanagement sinnvoll wäre, äußerten sich sowohl Dipl.-Ing. Dr. Mathias Neumann als auch Dipl.-Ing. Josef Krogger äußerst kritisch.
Mehrmals wurde jedoch gefordert die Freiheit der Entscheidungen beim Grundeigentümer zu belassen und durch geförderte Maßnahmen einen freiwilligen Lenkungseffekt anzubieten.
Zusammenfassend wurde anhand des Waldbetriebes Ligist des Souveränen Malteser-Ritter-Orden ein Beispiel aufgezeigt, wie über Generationen eine Überführung von Altersklassen- in Dauerwald gut funktionieren kann. Hinsichtlich der Kohlenstoffspeicherfähigkeit gibt es erste Indizien, dass eine Dauerwaldstruktur geringfügig mehr Kohlenstoff im Boden binden kann. Diesbezüglich bedarf es jedoch weiterer Untersuchungen. Risikostreuung kann nur durch Vielfalt erreicht werden. Daher wurde die Freiheit des Waldeigentümers in den Mittelpunkt gerückt, waldbauliche Entscheidungen unter Einhaltung der forstrechtlichen Bestimmungen eigenverantwortlich setzen zu können.
Letztlich gebe es laut Gastgeber OFM Dipl.-Ing. Clemens Spörk keine pauschal richtige Bewirtschaftungsform, sondern nur eine „individuell richtige“. Priorität sei jedoch der „forstlichen Entscheidungsfreiheit“ einzuräumen.

Von  Simon Gerhardter

Obmann der Land&Forst Betriebe Steiermark Carl Prinz von Croy, Mathias Neumann von der BOKU Wien, Geschäftsführer Simon Gerhardter, Josef Krogger und Wirtschaftsführer des Souveränen Malteser-Ritter-Orden OFM Clemens Spörk standen den interessierten Teilnehmern Rede und Antwort.
Besichtigung ausgewählter Flächen im Waldbetrieb Ligist des Souveränen Malteser-Ritter- Orden

Newsletter Anmeldung!

Kommentare

?

Du möchtest kommentieren?

Du möchtest zur Diskussion beitragen? Melde Dich an, um Kommentare zu verfassen.

Aktuell
Anzeige
3 6 Aktion 36

Gewinnspiel
2 Nächte für 2 Personen im wunderschönen Boutiquehotel Beethoven Wien zu gewinnen!

Das Vier-Sterne-Haus liegt eingebettet in Kultur und Kulinarik am „bohemian“ Naschmarkt, gegenüber dem Papagenotor am Theater an der Wien, nur wenige Gehminuten von der Oper, dem Museumsquartier, den traditionsreichsten Wiener Kaffeehäusern und den großen Einkaufsstraßen entfernt. Barbara Ludwig, in Wien respektvoll auch „die Ludwig vom Beethoven“ genannt, führt das kleine, feine Haus aus der Gründerzeit, das mit seinen hohen Räumen, den Stuckdecken und einem augenzwinkernden Hauch von...

Regionaut werden!

Du willst eigene Beiträge veröffentlichen?
Werde Regionaut!

Regionaut werden!



Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Du möchtest selbst beitragen?

Melde Dich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Foto des Tages einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen