Informativer Vortrag im Pfarrheim Stainz
Martin Prein und sein Letzte Hilfe-Kurs

Beide oft mit dem Phänomen Tod konfrontiert: Martin Prein, Franz Neumüller (v.l.)
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  • Beide oft mit dem Phänomen Tod konfrontiert: Martin Prein, Franz Neumüller (v.l.)
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„Er macht gerade eine Steiermark-Tour“, hieß Pfarrer Franz Neumüller den Referenten Martin Prein aus Oberösterreich im Pfarrheim willkommen. „Der Tod gehört zum Leben“, bedankte er sich bei Gertrude Gstarz für das Zustandekommen des Vortrages.
Der tote Mensch, der Leichnam und die menschliche Unsicherheit haben den studierten Psychologen schon immer interessiert. So bildete er sich als KIT-Mitarbeiter (Kriseninterventionsteam) aus und nahm die Arbeit eines Bestatters an. „Ich habe mein Berufsbild hergezeigt, um Vorurteile abzubauen“, begann er Tagesseminare abzuhalten. Immer im Fokus: Was löst der tote Körper in uns aus?
„Heute wird der Tote schnell unseren Blicken entzogen“, sprach er die Arbeit von Altersheimen, Rettung und Bestattungen an. Dabei: Das Sterben gehört noch zum Leben, der Tod ist ein unwiederbringlicher Zustand. Vielen Menschen fällt es schwer, sich einem Toten zu nähern. Der Vortragende kreierte dafür den Begriff Leichentabu. „Der Mensch fühlt sich bedroht“, meinte er, dass diese Empfindung urgeschichtlichen Ursprungs ist. Dabei würde nichts dafürsprechen, den Toten nicht zu berühren, seine Bekleidung zu verbrennen oder ein durch ihn verseuchtes Grundwasser anzunehmen. „Das ist das berühmte linke Seeleneck“, machte er deutlich, dass die Annahme, ein Todesfall würde zwei weitere nach sich ziehen, sich nicht beweisen lässt.
Einen Grund für die Ängste sah Martin Prein im Angst vor einem Scheintod, wie er im Mittelalter, als noch Nichtärzte den Tod diagnostizierten, vorgekommen ist. Mittelalter? Ein Krankenhaus in Oberösterreich stattete verstorbene Menschen bis in das Jahr 2000 mit einer Notrufklingel aus.
„Die Empfindungen sind verständlich“, ordnete er die Ehrfurcht (Ehre & Furcht) dem Bereich Ruhe, Stille, Frieden und der übersteigenden Größe Gottes zu. „Wir haben keine Kenntnis, wie der Tod ist“, legte er verschiedene Arten von Abschiedskultur dar. Den Bestattern wies er dabei eine große Verantwortung (sind gleichzeitig Begleiter und Dienstleister) zu. Etwa in der Art, wie man einen verstümmelten Leichnam seinen Angehörigen präsentiert.
Mit Totenfürsorge- und Verfügungsrecht streifte der Referent auch die rechtliche Seite. „Der Letzte Wille wirkt weiter“, ließ er wissen, dass eine Disposition über den Körper (etwa Obduktion) nur bei einem übergeordneten öffentlichen Interesse möglich ist.
Den Schluss des zweistündigen Referats bildete der menschliche Umgang mit Trauernden. Seine ganz klare Ansage: „Seien sie offen und ehrlich.“ Floskeln und Allgemeinsätze – oft aus einem Problemlösungsdruck geboren – sind nicht hilfreich.

Autor:

Gerhard Langmann aus Deutschlandsberg

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