Wir beleben unser Land
Mit natürlicher Farbe den Charme historischer Bauten beleben

Das Rathaus in Wies ist im Vorjahr von Grund auf saniert worden und mit einem Lift auch barrierefrei. Dabei fließt das Ziegeldach optisch in die Fassade mit ein - eine tragende Einheit vom Boden bis zum Dach.
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  • Das Rathaus in Wies ist im Vorjahr von Grund auf saniert worden und mit einem Lift auch barrierefrei. Dabei fließt das Ziegeldach optisch in die Fassade mit ein - eine tragende Einheit vom Boden bis zum Dach.
  • Foto: Atelier Martin Schönbauer
  • hochgeladen von Susanne Veronik

Malermeister Hubert Wolf führt sein Unternhmen seit 36 Jahren in Wies. Er ist mit seinem Team der Ansprechpartner, wenn es um die fachgerechte Revitalisierung historischer Gebäude geht.

WIES. Fenster, Türen, Dach und vor allem die Gliederung der Fassade machen den ersten Eindruck eines Gebäudes aus. Gerade alte Objekte bestechen oft mit aufwändigen Details und Farbgebungen. Damit das so bleibt, hat sich Malermeister Hubert Wolf auch auf das sensible Gebiet in der Revitalisierung historischer Objekte spezialisiert, wie z.B. heuer an der Baustelle für die Basilika Maria-Trost.
Wir haben Malermeister Hubert Wolf für unsere Serie "Wir beleben" an seinem Firmensitz in Wies Altenmarkt besucht: "Ich habe die Firma 1984 von meinem Vater übernommen, der sie 1957 hier gegründet hat. Mittlerweile ist mein Sohn auch schon als Malermeister aktiv", hofft Hubert Wolf, dass der Betrieb in eine paar Jahren dann in dritter Generation weiter geht. Zwölf Mitarbeiter sind derzeit beschäftigt, davon drei Lehrlinge. "Ausbildung ist mitr ein wichtiges Anliegen. Wir versuchen daher, jedes Jahr einen Lehrling neu aufzunehmen. Aber es wird immer schwieriger, passende Leute zu finden", bedauert der Firmeninhaber.

Natürliche Materialien mit besonderer Strahlkraft

Worin die Herausforderung liegt, historische Bauten zu revitalisieren? "Die Herausforderung ist generell das Arbeiten mit Materialien, die es schon seit Jahrhunderten gibt und die auch heute sehr gut haltbar und lichtecht sind wie z.B. echter Sumpfkalk", betont Wolf, dass die Materialien inklusive der Pigmente über die lange Zeit nichts an ihrem Effekt eingebüßt haben. Dazu kommt die handwerkliche Herausforderung mit den überlieferten Techniken bei der Arbeit am Objekt, natürlich immer in Absprache mit dem Bundesdenkmalamt, um die historische Substanz zu bewahren und zugleich mit den alten Techniken für die Neuzeit attraktiv zu gestalten. Der Anstrich soll sich homogen an das Gebäude und an den Putz als tragende Schicht fügen und darf dabei nicht aufgesetzt wirken.

Schloss und Rathaus in Wies

Für zwei der vielen Baustellen musste das Handwerker-Team erst gar nicht weit ausfahren sondern konnte gleich in der Marktgemeinde bleiben: Einmal ist es das Schloss Burgstall (Ende 12. Jhdt), in dem jetzt die Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft untergebracht ist. "Hier bestand die Challenge in der Rückführung von Dispersionsfarben auf Kalkfarben. Wir haben also die über die Jahre entstandenen Farbschichten im Innenbereich (Stiegenhaus, Zimmer, Gänge u.a.) bis auf den Bestand abgekratzt, mit Kalkspachtelungen reprofiliert und mit reinem Kalk ausgemalt. Das wirkt sehr natürlich und zugleich antibakteriell (PH-Wert 14) - eine der vielen, guten Eigenschaften von Kalk der auch keine Ausdünstungen (Emissionen) bewirkt. Zwei Jahre hat diese enorme Baustelle in  Anspruch genommen", denkt der Malermeister zurück.

Spiel mit dem Licht

Auch wenn keine farbigen Bemalungen zu gestalten waren, so ist doch der richtige Farbton zu treffen, um das Spiel von Licht und Schatten je nach Tages- und Jahreszeit in Szene zu setzen - ein Kunstgriff, der auch bei den monochromen Stuckarbeiten (innen aus Gips, außen aus Mörtel) zum Tragen kommt, auf deren Reprofilierung sich Maler Wolf ebenso versteht. Gerade die architektonischen Elemente im Inneren der Räume und Gänge geben durch Dachschrägen, Rundbögen und räumlichen Verschachtelungen in bewusst monochrom gehaltener Gestaltung spannende Einsichten.

Eine Luftaufnahme von Schloss Burgstall in Wies: Schlicht und prächtig zugleich in der monochromen Farbwirkung.
  • Eine Luftaufnahme von Schloss Burgstall in Wies: Schlicht und prächtig zugleich in der monochromen Farbwirkung.
  • Foto: Atelier Martin Schönbauer
  • hochgeladen von Susanne Veronik

Das andere Objekt im Ort ist das Rathaus von Wies, das im Vorjahr von Grund auf saniert und barrierefrei ausgestaltet worden ist. Hier ist die Ausgangslage eine ganz andere: Nach der Befundung durch einen Restaurator, der die darunter liegenden Schichten, sprich Fassungen, an der Fassade begutachtet hat, ist die Farbgebung historisch belegt. Diese Farbe nennt sich 'Caput mortuum', die beim Rathaus an den Gesimsen, Pilastern und weiteren architektonisch vorgelagerten Fassendelementen die optische Gebäudegliederung dominiert und so das Objekt wie eine Klammer umfasst. "Eine solche Arbeit nach historisch belegten Vorlagen und mit den ursprünglichen, natürlichen Materialien wie Kalk-Putz und Farben, die bei uns in der Region bzw. im mitteleuropäischen Raum vorkommen, machen diese Ausführungen so einmalig. Das sind natürliche Materialien, weg von industriell gefertigeten Farben und Kunststoffen", spricht Wolf das Anrühren der Farben nach überlieferten Rezepturen als besondere Handwerkstradition an.

Gefragtes Handwerk seit Jahrhunderten

"Wir verwenden für solche Objekte natürliche Erdfarbpigmente, die man zuerst einmal zwei bis drei Tage einsumpfen muss, bevor sie mit dem Kalkpigment vermischt und entsprechend verdünnt werden. Mit solchen Erdfarb-Pigmenten wie z. B. Caput mortuum, Pompejanischrot, Neapelgelb, Terra di Siena bis hin zu Ultramarinblau (als kleiner Auszug aus den vielen Benennungen) werden die natürlichen Kalkfarben abgetönt, die dadurch ein unverkennbares Kalkluster erhalten."
Der spezielle Effekt: Kalk deckt nicht homogen ab sondern wirkt in Schichten aufgetragen lasierend, sodass ein Spiel mit dem Licht entsteht. Gerade dieser in der Oberfläche weiche und natürlich transparente  Lustereffekt  macht den strahlenden Charme der Kalkfarben aus. "Die Kunst ist dabei die perfekte Mischung zu schaffen, sodass die Farbe im Auftrag gleichmäßig bleibt und nicht fleckig wird", betont Wolf.

Das war die Baustelle beim Rathaus in Wies:

Mehr Platz im Rathaus in Wies

Erfahrung und Fingerspitzengefühl

Da braucht man schon Erfahrung und Gefühl und natürlich die entsprechend geschulten Mitarbeiter dazu. Es verlangt schon ein über die Jahre erprobtes Fingerspitzengefühl, um herauszufiltern, welche Architekturelemente mit Farbe hervorzuheben sind und wo man diese lieber zurücknimmt, um die Elemente für sich wirken zu lassen.

Ein Blick in den Nachbarbezirk

Auch die Rückführung der Fassaden-Fassung an der Pfarrkirche St. Georgen an der Stiefing hat das Team um Malermeister Hubert Wolf ausgeführt.
Bei dem im Vorjahr sanierten Sakralbau hat man die nach einer Befundung erhobene ursprüngliche Farbgebung nach historischen Vorlagen in überlieferter Technik neu aufgebracht. Dabei wurde sie historische Putzsanierung von der Firma Schaunigg aus Vorau als Spezialist für historische Putzoberflächen durchgeführt. Diese Gestaltung ist eine außergewöhnliche Stippputzoberfläche (Rutenbündelstippputz), die einen porigen Stein imitiert. "Durch die glatten und rauen Flächen hebt sich die architektionische Gliederung ab und die Kirche wirkt zweifärbig, obwohl sie monochrom ist. Die Art und Weise des Verputzes ist eine seltene Ausführung", erklärt Elisabeth Haspl-Schaunigg.

Die Pfarrkirche St. Georgen an der Stiefing

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