Theaterzentrum
Von Workshops in Deutschlandsberg zu Profis am Theater

Gerd Wilfing im bunten Foyer des Theaterzentrums: Dort hängen alle Vorstellungen der letzten Jahre.
  • Gerd Wilfing im bunten Foyer des Theaterzentrums: Dort hängen alle Vorstellungen der letzten Jahre.
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  • hochgeladen von Simon Michl

DEUTSCHLANDSBERG. Seit 38 Jahren spielt das Theaterzentrum Deutschlandsberg für alle Generationen – und mit allen Generationen. Obmann Gerd Wilfing über den gemeinnützigen Vereins, der nach einem Monat Pause – der einzigen spielfreien Zeit im Jahr – mit "Hekabes Söhne" in die neue Saison startet.

WOCHE: Wieso ist das Theaterzentrum Deutschlandsberg anders?
Gerd Wilfing: Unser Stammpublikum weiß schon, dass es bei uns eher tiefergehend wird als der klassische Schenkelklopfer. Davon gibt’s rundherum eh genug. Das ist auch gut. In der Steiermark gibt’s eine hohe Dichte an Bauern- und Dorftheatern, das ist sehr begrüßenswert. Aber auf den Zug müssen wir nicht unbedingt aufspringen, wir können auf einem Nebengleis fahren. Und vielleicht Leute anziehen, die etwas mit ernsterem Hintergrund wollen.

Hat sich das Zuschauerinteresse verändert?
Eigentlich nicht. Es hängt natürlich immer vom Stück ab. Wobei wir nicht nur bekannte Sachen spielen wollen. Deswegen gibt’s auch die Dramawerkstatt, wo junge Autoren aus der Region Stücke schreiben, die junge Leute von uns inszenieren und wo junge Leute mitspielen. Das ist klarerweise nicht der Besuchermagnet. Aber es ist uns wichtig, so etwas auch anzubieten. Nachdem wir eh so ein Megaprogramm haben, wären nur Klassiker auch fad. Wenn wir Nestroy oder Wilde spielen, kennen die Leute den Namen. Aber den „Luxus“ leisten wir uns, auch solche Geschichten zu machen: Wo das Thema vielleicht interessant ist, aber das Stück nicht bekannt.

Wie viele Produktionen habt ihr im Jahr?
An die zehn. Was für so ein kleines, freies Theater, einen Verein, recht viel ist. Wir haben ein paar Fixpunkte im Jahr: Jugendproduktion („GODISNOWHERE“) und Studioproduktion im Herbst („Hekabes Söhne“), Silvesterkomödie, Märchen, Kidspräsentationen, Workshops, Dramawerkstatt, Studioproduktion im Frühling und Sommernachtsspiele. 2018 hatten wir über das ganze Jahr gerechnet pro Tag 1,5 Termine, mit Proben, Vorstellungen und Workshops. Ich bin der einzige Angestellte, für die Organisation. Wir Schauspieler haben so ein Punktesystem: Wenn man was trinkt, macht man ein Stricherl und das wird mit dem, was man auf der Bühne verdient, gegengerechnet. Das heißt, meistens bleibt da nicht viel übrig. Aber sonst ist alles ehrenamtlich. Auch nicht immer leicht, weil das heißt, alle immer zu motivieren und einen Probenplan neben Job, Studium oder Schule zusammenzustellen. Wir haben auch schon Produktionen gehabt, wo erst bei der ersten Hauptprobe alle da waren. Es haben aber alle eine große Leidenschaft fürs Theater, sonst würden sie das nicht machen.

Ist die Jugendarbeit das Aushängeschild des Theaterzentrums?
Ja, definitiv. Es sind ja einige: Clemens Berndorff (Linzer Landestheater), Christoph Schlag (Innsbrucker Landestheater), Felix Hafner (Wiener Volkstheater), Simone Leski (Next Liberty), Andreas Kiendl ist quasi der berühmteste von allen. Oder Christoph Theussl (freier Schauspieler und Liedermacher). Da gibt es einige, die den Profiweg einschlagen, auch abseits der Bühne, wie Pia Weisi und Julia Zach (Next Liberty).

Kriegt man noch junge Leute, die sich fürs Theater begeistern können?
Es fluktuiert, manchmal mehr und manchmal weniger. Ein Problem haben wir da nicht. Es wird nur manchmal schwieriger, weil der Freizeitstress bei den Kindern immer mehr wird. Super, dass es so viel Angebote gibt, aber wenn man als Zehnjähriger schon fünf Termine abseits der Schule hat… Mir hätte das nicht getaugt.

Was bietet ihr jungen Leuten an?
Wir starten relativ früh. Die Jüngsten bei uns in der Minigruppe sind fünf Jahre alt, die sich mit einer Stunde pro Woche langsam ans Theater herantasten. Das geht durch bis 25. Manche gehen da diverse Gruppen durch, bis sie bei einer größeren Produktion mitspielen. Wir haben auch Jugendproduktionen und Märchen. Bei der Dramawerkstatt haben wir eine Kooperation mit dem BORG, wo die Autoren Stücke schreiben. Diese Workshops gibt’s ja auch schon ewig, da hab ich damals als elfjähriger "Noppel" angefangen. Seitdem bin ich dabei "picken geblieben".

Kommen deswegen so viele junge Künstler aus dem TZ hervor?

Auf jeden Fall. Uns kommt auch zugute, dass wir oft mit professionellen Regisseuren arbeiten. Da kommt ständig ein neuer Input rein. Und jeder lernt auch vom anderen. Wir haben hier so ein Ding mit mehreren Generationen: Beim Märchen spielen die Kinder von den Workshopgruppen mit den Älteren. Die schauen sich da auch was ab und kriegen den Ablauf im Theater mit. Das ist wirklich eine coole Sache.

Das Gespräch führte Simon Michl.

Autor:

Simon Michl aus Deutschlandsberg

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