Unsere Umwelt
Zum Schutz von Rehkitzen und anderen Wildtieren

So ins Gras gekauert versuchen sich Kitze vor Gefahren und Feinden zu verstecken. Und dann kommt das Mähwerk ...
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  • So ins Gras gekauert versuchen sich Kitze vor Gefahren und Feinden zu verstecken. Und dann kommt das Mähwerk ...
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  • hochgeladen von Susanne Veronik

Gerade jetzt ist jene sensible Zeit in den heimischen Jagdrevieren, in denen die Rehkitze von den Muttertieren gesetzt werden und daher besonders gefährdet sind. Mit etwas Umsicht kann man zum Schutz der heimischen Wildtiere beitragen.

Die Temperaturen werden endlich wärmer und damit einher geht der große "Kindergarten" mit "Krabbelstube" in den Wiesen und Wäldern. In den kommenden Monaten sind nämlich die meisten heimischen Wildtiere mit der Aufzucht ihrer Nachkommen beschäftigt und deshalb besonders gefährdet.
Es ist eine hochsensible Zeit, in der Rücksicht ein Gebot der Stunde ist.

Hunde unbedingt an die Leine

Auch wenn es noch so schön ist, durch die Wälder zu streifen: Der Hund gehört an die Leine! Die Überzeugung von so manchem Hundebesitzer, dass sein Hund nicht jage, geht leider an der Realität vorbei. Jeder Hund hat einen Jagdinstinkt, der durch Kontakt mit Wildtieren spontan ausgelöst werden kann. Selbst wenn der Hund „erfolglos“ bei der Jagd war, und nur „spielen“ wollte, sorgt seine Anwesenheit für Streß und Todesangst bei den Wildtieren.
Freilaufende und streunende Hunde beunruhigen und hetzen das Wild. "Es kommt nicht selten vor, dass Wild über stark befahrene Straßen getrieben, oder sogar von Hunden abgefangen und getötet wird", apelliert Bezirksjägermeister Hannes Krinner an die Vernunft, der aus den verschiedensten Meldungen weiß, welch unfassbare Qualen die von Hunden getöteten und verletzten Tiere erfahren müssen.

Sicherheitsgesetz des Landes

Nicht angeleinte Hunde stellen nicht nur für Wildtiere, sondern auch für Spaziergänger, Kinder, Jogger und andere Naturnutzer eine Störung und Gefahr dar. Gegenseitige Rücksichtnahme bedeutet also, seinen Hund anzuleinen. 
"Dass Hunde sicher verwahrt werden, ist nicht nur ein Wunsch der steirischen Jägerschaft, sondern auch im steiermärkischen Landes Sicherheitsgesetz verankert.  Wir bitten daher alle Hundebesitzer, im Sinne eines guten Miteinander, die gesetzlichen Bestimmungen zu befolgen und Hunde nicht frei herumlaufen zu lassen", betont Krinner mit Nachdruck.

Schrecklicher Mähtod

Zu den Gefahren freilaufender Hunde und zur Unruhe durch Sportler, die sich nicht auf den markierten Wegen halten, kommt gerade jetzt noch eine weitere:
Da es nach einer langen Regenperiode endlich auftrocknet, ist es höchste Zeit die inzwischen hoch gewachsenen Wiesen zu mähen.
Doch gerade der erste Schnitt fällt meist mit der Absetzzeit der Kitze zusammen, die sich in den ersten Tagen und manchmal auch Wochen nach der Geburt ganz klein ins Gras ducken, um nicht von Feinden wie Fuchs und Co entdeckt zu werden.
Doch dieser Feind kommt laut und mit einem unerbittlichen Mähwerk, das meist den sicheren Tod für die Jungtiere bedeutet. Daher fallen alljährlich tausende Rehkitze dem Mähtod zum Opfer.
Umsichtige Landwirte gehen mit einer ganzen Mannschaft ganz kanpp vor der Mahd mit langen Stecken durch die Wiesen, um die versteckten Kitze im hohen Gras zu entdecken und dann die Stellen zu markieren oder die Jungtiere mit Handschuhen und in einem Nest voller Gras vorsichtig aus der Gefahrenzone zu bringen - niemals mit bloßen Händen, sonst würde das Muttertier das Kitz nicht mehr annehmen und es elendiglich verhungern lassen.

Kitzretter als Unterstützung

Bei großen Flächen ist ein Abgehen vor dem Grünlandschnitt nahezu unmöglich. Dabei gibt es inzwischen verschiedenste Methoden, die Kitze aufzustöbern, vom Einsatz von Drohnen mit aufgesetzter Wärmebildkamera, bis zum Aufstellen von Stecken, die in Intervallen sirenenartige Signale von sich geben, eine der möglichen Arten sogenannter Kitzretter.
Die Flächen sollten also am Abend vor der Mahd beunruhigt werden.
Manche Kitzretter sind direkt mit einem Magneten am Traktor anzubringen, die einen schrillen Ton von sich geben und somit Wild aus dem hohen Gras aufscheuchen und vertreiben. Die Modelle am Markt sind inzwischen vielfältig.

Bezug von Kitzretter

Um den Mähtod weitestgehend zu vermeiden, verborgt "Weidwerk mit Zukunft" zwei Modelle von Kitzrettern, nämlich jene, die am Traktor montiert schrille Töne von sich geben und jene, die am Vortag der Mahd am Wiesenstück aufgestellt werden. Ausgestattet mit einem Dämmerungssensor für den in alle Himmelsrichtungen ausstrahlenden blauen Lichtblitz und alternierend dazu geschalteter Schallquelle beunruhigen die Geräte den Bereich und sollen die Rehgeiß zum Herausführen der im Gras versteckten Kitze animieren. Allerdings muss die Mahd rasch darauf erfolgen, da die Geißen standorttreu sind und die Kitze oft schon nach kurzer Zeit wieder zurückführen.
"Die Kitzretter können bei Ihrem Bezirksstellenleiter von 'Weidwerk mit Zukunft' ausgeliehen werden, oder sind auf Wunsch auch käuflich zu erwerben", plädiert Marc Löffler in seiner Funktion als Bezirksstellenleiter des Jagdbezirkes Deutschlandsberg, von diesem Angebot Gebrauch zu machen.
Infos unter Tel.: 0664/355 63 08 oder deutschlandsberg@weidwerkmitzukunft.at

Giftige Substanzen

Warm der Aufwand? Das könnten sich Menschen fragen, die vielleicht weniger das Tierleid vor Augen haben. Es geht nicht nur um den qualvollen Tod der Jungtiere, sondern auch um die Qualität der Heuballen und Grünsilage. Neben der Tierschutz- und Jagdkomponente stellen nämlich verwesende Körperteile von Rehkitzen, Junghasen und anderen Wildtieren im Mähgut  eine große Gefahr für den Tierbestand des Landwirtes dar. Unter den feuchtwarmen Bedingungen, wie sie eben in Silo- und Heuballen vorherrschen, keimen nämlich die Sporen des Erregers Clostridium Botulinum aus und setzen Botulintoxin frei. Botulintoxin gehört zu den gefährlichsten Giften überhaupt und kann bei der Gabe dermaßen vergifteten Futters sogar zum Tod des Viehs führen.
Somit können besagte Kitzretter nicht nur eine Rettung für die Wildtiere sein, sondern auch für das hauseigenen Vieh.

Der Steirische Jagdschutzverein  in Deutschlandsberg hat in den vergangenen Jahren mehrere Dutzend Kitzretter angekauft und ausgegeben.
Zahlreiche Jagdgesellschaften haben ihre Gründlandbauern mit Wildrettern ausgestattet. Es sind über hundert Exemplare im Umlauf – zusätzlich auch in Bayern und in der Oststeiermark.
Bezugsquellen zum Ankauf von Kitzrettern vermittelt das Bezirksjagdamt Deutschlandsberg.

So ins Gras gekauert versuchen sich Kitze vor Gefahren und Feinden zu verstecken. Und dann kommt das Mähwerk ...
Gerade jetzt kümmern sich Muttertiere um ihren Nachwuchs und benötigen besonders viel Ruhe.

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