Knalleffekt in Eibiswald: Andreas Thürschweller (SPÖ) ist jetzt Bürgermeister

Der frisch gewählte Bürgermeister von Eibiswald Andreas Thürschweller (SPÖ) und Vize-Bürgermeister Alfred Rauch (ÖVP) nach der Angelobung.
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  • Der frisch gewählte Bürgermeister von Eibiswald Andreas Thürschweller (SPÖ) und Vize-Bürgermeister Alfred Rauch (ÖVP) nach der Angelobung.
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EIBISWALD. Verwirrung, Überraschung, Ungläubigkeit und betretenes Schweigen: Mit diesen Worten ist die Stimmung im sehr gut gefüllten Eibiswalder Lerchhaus zu beschreiben, wo gestern Abend die Wahl zum neuen Bürgermeister über die Bühne gegangen ist, nachdem Andreas Kremser (ÖVP) sein Amt mit Ende des vorigen Jahres zurückgelegt hatte.

Die Ausgangslage

Schon länger war Oberst Johannes Eisner (Ortsteilbürgermeister von St. Oswald ob Eibiswald) als Spitzenkandidat für die ÖVP im Gespräch, der sich mit 14 Unterschriften aus dem Gemeinderat der Wahl gestellt hat.

Weiterer Kandidat

Völlig überraschend dann der Zug der SPÖ, die Andreas Thürschweller, bis dato 2. Vize-Bürgermeister der Marktgemeinde Eibiswald, mit neun Unterschriften aus dem Gemeinderat zur Wahl vorgeschlagen hat.

Unter dem Vorsitz von ÖVP Vize-Bgm. Alfred Rauch schritten 24 von 25 Gemeinderäten zur geheimen Wahl, einer der ÖVP-Gemeinderäte war krankheitshalber entschuldigt.
Schließlich ging es zur Auszählung - und zur Verlautbarung der Stimmenverteilung, allesamt gültig:

Das Ergebnis

Johannes Eisner erhielt elf Stimmen, Andreas Thürschweller 13 Stimmen.

Angesichts der Verteilung der Mandate im Gemeinderat der Marktgemeinde Eibiswald mit 14 ÖVP, neun SPÖ und zwei FPÖ ist dieser Wahlausgang mehr als eine Überraschung.

Die Worte des Bezirkshauptmannes

"Das Geraune im Publikum hat gezeigt, dass wir eine Überraschung zu einem unerwarteten Ergebnis erlebt haben", bringt es Bezirkshauptmann Helmut-Theobald Müller in seinen Grußworten nach der Angelobung von Andreas Thürschweller auf den Punkt und ergänzt: "Wenn demokratische Wahlen ein Ergebnis wie das heutige zeigen, dann ist das Ausdruck dafür, dass es Verwerfungen gibt - Verwerfungen im Gemeinderat bzw. innerhalb einer Fraktion. Solche Verwerfungen haben noch andere Konsequenzen. Sie machen es nicht leicht, unmittelbar danach im Gemeinderat gut zusammenzuarbeiten", so Müller und streicht schon allein ob der Größe der Marktgemeinde Eibiswald von der Kärntner Grenze an der Soboth bis hin zur Bezirksgrenze bei Leibnitz mit 6.700 Einwohnern hervor: "Ich apelliere an Sie, dass Sie das Geschehen als demokratische Wahlentscheidung annehmen. Das ist für niemanden ein Grund zum Übermut und es soll für niemanden ein Grund zum Verzagen sein, denn die 25 Gemeinderäte müssen ein gemeinsames Ziel ob dieser gemeinsamen Verantwortung verfolgen." Und zu Bgm. Andreas Thürschweller: "So wie Sie es als neuer Bürgermeister soeben gelobt haben, nämlich nach bestem Wissen und Gewissen für das Wohl der Menschen in der Marktgemeinde Eibiswald zu agiern, bitte ich Sie, dieses Gelöbnis auch für die kommenden Jahre in dieser Legislaturperiode umzusetzen. Für diese Arbeit wünsche ich Ihnen viel Glück und noch mehr Erfolg."

Die Antrittsrede des neuen Bürgermeisters

Andreas Thürschweller war selbst sehr überrascht über den Wahlausgang und hat nach dem notwendigen Zurücklegen seines Amtes als 2. Vize-Bürgermeister die Wahl angenommen. BH Helmut-Theobald Müller hat Andreas Thürschweller zum Bürgermeister der Marktgemeinde Eibiswald angelobt.
"Diese Überraschung ist mittlerweile in ein Wohlfühl-Gefühl übergegangen. Ich möchte betonen, dass es bei dieser Wahl keinen Sieger und keinen Verlierer gibt. Wir sind alle Sieger, wenn wir diese Gemeinde in ein ruhiges Fahrwasser führen. Die größten Sieger werden unsere Gemeindeeinwohner mit unserem Gemeinderat sein. Ich bedanke mich für diesen Vertrauensvorschuss und strecke allen die Hand entgegen", so Thürschweller, der seinem Vorgänger Andreas Kremser für seine Arbeit nach der Gemeindezusammenlegung vor zwei Jahren Blumen streute.

Bürgermeister Andreas Thürschweller im Kurzinterview:

Warum hat die SPÖ so kurzfristig einen Kandidaten aufgestellt?
Wir von der SPÖ haben deshalb einen Kandidaten aufgestellt, weil wir nicht gegen einen anderen stimmen wollten. Somit konnten wir für den eigenen Kandidaten stimmen.

Das Ergebnis war also überraschend für Sie?
Ja sehr, ich habe vielleicht mit den Stimmen der Freiheitlichen gerechnet. Aber bei diesem Ergebnis müssen ja noch mindestens zwei Stimmberechtigte von der ÖVP für mich gestimmt haben.

Ihr politischer Werdegang?
Im Jahr 2000 bin ich mit 27 Jahren Gemeinderat in der Gemeinde Großradl geworden.
Ein Jahr später habe ich das Amt als Gemeindekassier übernommen, sowie bis in das Jahr 2010 die Obmannschaft für die SPÖ-Ortspartei.
Von 2010 bis 2015 war ich im Gemeinderat von Großradl aktiv, bis ich 2015 in Folge der Gemeindezusammenlegung Vize-Bürgermeister der Großgemeinde Eibiswald geworden bin sowie geschäftsführender Ortsparteiobmann.

Die Ziele für Eibiswald?

Da gibt es eigentlich nur ein Ziel: Wir streben für das Jahr 2020 ein möglichst ausgeglichenes Budget an, damit wir wieder Gemeindeprojekte verwirklichen können. Im Voranschlag ist ein Minus von 600.000 Euro ersichtlich. Somit sind derzeit keine Kredite möglich. Allerdings baue ich auf die Zusagen von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, die jetzt wohl an seinen Stellvertreter Michael Schickhofer übergehen werden.
Schließlich ist das jetzt die beste Konstellation für Eibiswald: Ein SPÖ Bürgermeister und ein mehrheitlich von der ÖVP geführter Gemeinderat, weshalb ich auf die Unterstützung beider Fraktionen auf Landesebene baue.

Wo werden Einsparungen angepeilt?

Da wäre einmal die Abschaffung Ortsteilbürgermeister, die wir schon länger im Gespräch haben, sowie Posten, die nicht mehr nachbesetzt werden und weitere Details. Aber das muss man sich jetzt genau anschauen.

Möglichst 100% für das Bürgermeisteramt

Andreas Thürschweller ist wohnhaft in Stammeregg im Ortsteil Großradl, verheiratet und Vater von einem Sohn und einer Tochter. Thürschweller ist selbstständiger Versicherungsmakler und Versicherungsagent: "Ich möchte so gut wie 100% meines Einsatzes für das Bürgermeisteramt aufwenden, das ist in dieser großen Gemeinde unbedingt nötig."

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