Umfrage
Studieren in der Corona-Zeit

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Studierende an Fachhochschulen und Universitäten mussten dieses Jahr viel einstecken. Die Corona-Maßnahmen trafen sie besonders hart und stellten ihren gewohnten Alltag auf den Kopf.

Die WOCHE hat Studierende aus der Umgebung dazu befragt, wie sie die Corona-Zeit empfunden haben und wie es ihnen aktuell mit ihrem Studium geht. Haben sie durch die fehlende Präsenzlehre nur Nachteile erfahren oder konnte mancher oder manche vielleicht sogar Vorteile daraus ziehen?

Ich, KATRIN LÖSCHNIG, wohne in Stainz und studiere Germanistik an der Karl Franzens Universität in Graz. Mein Unterricht findet momentan ausschließlich online statt. Ich muss sagen, dass sich die Online-Lehre im Vergleich zum ersten Corona-Semester stark verbessert hat. Die meisten Professorinnen und Professoren haben in der letzten Zeit gute Anpassungsfähigkeit bewiesen. Trotzdem kann man den Online-Unterricht kaum mit der Präsenzlehre vergleichen. Der Alltag der Studierenden wird von ständiger Ungewissheit begleitet, Prüfungen werden unberechenbar verschoben oder gestrichen, die allgemeine Planung gestaltet sich für Lehrende wie Studierende schwierig.

PETER WEISS aus Deutschlandsberg macht derzeit seinen Master in Technischer Chemie und seinen Bachelor im Lehramt Chemie/Geographie und Wirtschaftskunde an der Technischen Universität (TU) und der Karl-Franzens Universität (KFU) Graz. Sein Unterricht findet primär online statt, bis auf Laborübungen, die in den meisten Fällen nicht online abgehalten werden können. „Die Corona-Zeit an meinen Universitäten war sehr stressig in organisatorischen Belangen, teilweise fehlte der Überblick bei einzelnen Lehrveranstaltungen aufgrund der Dichte der Arbeitsaufträge. Studierende haben durch Corona definitiv Nachteile erfahren. Die Qualität der Lehre lässt extrem nach und auch nicht alle Lehrveranstaltungen können aufgrund der fehlenden Praxis sinnvoll durchgeführt werden. Positiv ist jedoch sicher, dass man sich bei manchen Lehrveranstaltungen die Zeit flexibler einteilen kann.“

ALINA HOHENSINGER aus Stainz studiert Psychologie an der KFU Graz. So gut wie alle ihrer Lehrveranstaltungen werden online abgehalten. „Ich fand es eigentlich super, weil ich mir viel Zeit beim Hineinfahren spare. Zusätzlich fand ich, dass ich durch Arbeitsaufträge viel mehr gelernt habe, als wenn man nur die ganze Zeit Vorträge hört. So hat man viel mehr selber ausarbeiten müssen. Das war zwar mehr Aufwand, aber ich empfand es als besser. Herausforderungen hat es nur bei Live-Präsentationen gegeben, weil da mein Internet manchmal zu langsam war. Ich denke, für Personen, die sich schwer tun, sich zu den Lernunterlagen zu setzen, kann die Corona-Zeit ein Nachteil gewesen sein. Aber nachdem Selbständigkeit für ein Studium vorausgesetzt wird, habe ich dafür eher weniger Verständnis. Ein Problem könnte sein, dass nicht jeder einen guten PC und Internet hat. Das hätte das Studium während Corona unmöglich gemacht.“

ELIAS HAMMER aus Deutschlandsberg macht gerade seinen Master in Chemie an der KFU Graz. Wegen des Lockdowns findet sein Unterricht momentan hauptsächlich online statt, danach wird es aber wieder Teilpräsenz geben. „Die letzte Zeit war ‚anders‘. Ich bevorzuge Präsenzunterricht gegenüber den Online-Lehrveranstaltungen via Webex/Zoom, vor allem weil viele Professorinnen und Professoren sich online weniger Mühe geben. Es ist außerdem viel schwieriger, sich bei Online-Lehrveranstaltungen zu konzentrieren. Ich würde mir wünschen, dass das Pfizer/Biontech Vaccine schnell durch die Phasen der klinischen Studie kommt und alles wieder normal wird. Sonst würde ich mir von den Professorinnen und Professoren bessere Videos wünschen und dass sie alles aufzeichnen und nicht nur streamen. Zu den Änderungen im Alltag: ja, es wär cool, wenn kein langweiliger Lockdown mehr wäre.“

HANNAH LAMBAUER aus Stainz studiert Rechtswissenschaften an der KFU Graz. Ihr Unterricht findet derzeit nur online statt. „Der online Unterricht funktioniert gut und die Professorinnen und Professoren sind dabei zu meist sehr engagiert. Ich habe vor allem die Anfänge im März als eine sehr große Umstellung empfunden, da sich doch von einem auf den anderen Tag der ganze Alltag geändert hat. Die größte Herausforderung war es, dass sich die Prüfungen im März verschoben haben und daher das Semester neu geplant werden musste. Die Professorinnen und Professoren und die Studienleitung haben bei uns sehr gut reagiert. Nachteile für Studierende sind, dass es meiner Meinung nach schwer möglich ist, die gleiche Leistung zu bringen, da man sich vieles selbst beibringen muss und die Interaktion nicht dieselbe ist, wie beim Präsenzunterricht. Positiv ist, dass man sehr viel Zeit für sich hatte und ich denke, dass sich die Selbstständigkeit im Studium durchaus verbessert hat. Mir fehlt es, mich mit meinen Kollegen und Kolleginnen auszutauschen und nach der Vorlesung Kaffee trinken zu gehen. Ebenfalls ist es schade, dass es nicht mehr möglich ist, gemeinsam zu lernen. Ich hoffe, dass es bald wieder möglich sein wird, Vorlesungen an der Uni abzuhalten."

MARCUS PRATTES aus Gleinstätten studiert Chemie an der TU und KFU Graz, sein Unterricht findet ebenfalls nur online statt. „Die Corona-Zeit hatte zwei Seiten, zum einen gab es Phasen, wo nichts zu tun war, zum anderen gab es Wochen, wo so ziemlich alle Prüfungen zusammengestopft wurden, was diese Phase in meinen Augen sehr schwierig gestaltet hat. Die Professorinnen und Professoren haben großteils richtig reagiert und von Beginn an schon auf Onlinelehre umgestellt. Nachteile hat es im weiteren Sinne durch den Coronavirus schon gegeben - das ganze Laborsystem wurde umgestellt, teilweise in den Sommerferien abgehalten, was für viele problematisch bis nicht machbar war (Sommerjobs). Allgemein fehlt mir der Präsenzunterricht sehr, der Tag ist geregelter und man hat weniger Ausreden. Ebenso ist es angenehmer, im Hörsaal zu sitzen bzw. an der Universität zu lernen als zuhause vor dem PC. Das „Unifeeling“ fehlt momentan einfach, was die Motivation nicht unbedingt steigert.“

ANNA LENA-WETL aus Bad Schwanberg ist Lehramt-Studentin für die Primarstufe an der Pädagogischen Hochschule Steiermark. Zurzeit finden der Unterricht und auch die Praxis rein online statt. „Die größte Herausforderung für mich war, auch die Praxis in der Volksschule in Form von Fernunterricht durchzuführen. Mein Studium hat einen starken Praxisbezug, man kann viele Dinge selbst ausprobieren und handelnd arbeiten. Das fällt in der momentanen Situation leider großteils weg, was meiner Meinung nach ein großer Nachteil ist. Mir fehlen definitiv der persönliche Kontakt zu den Studienkolleginnen und Studienkollegen und die gemeinsame Arbeit.“

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