Arbeiter machen sich Sorgen um die Porzellanfabrik Frauenthal

Die Ibiden Ceram GmbH ist seit 2018 alleiniger Eigentümer der Porzellanfabrik Frauenthal. Bis zuletzt waren die Mitarbeiterzahlen gestiegen.
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Die Ibiden Ceram in der Porzellanfabrik Frauenthal kündigt 65 Jobs. Mitarbeiter klagen über Chaos im Betrieb.

FRAUENTAL. „Die Porzellanfabrik wird ihren 100. Geburtstag in zwei Jahren nicht mehr erleben.“ Einige Arbeiter der Porzellanfabrik Frauenthal hatten es schon kommen gesehen: Mit diesen Worten wandten sie sich vor wenigen Wochen in einem anonymen Brief an die WOCHE. Es war ein verzweifelter Ruf nach Hilfe. „In unserer Firma ist pures Chaos! Wenn das so weitergeht, geht die ganze Firma bald den Bach runter. Wir werden schikaniert und unter Druck gesetzt, und viele von uns werden gekündigt werden.“

Notwendige Umstrukturierungen

Das bestätigte die Ibiden Ceram GmbH, mittlerweile alleiniger Eigentümer am Standort der Porzellanfabrik, in der letzten Woche: Bis zu 65 Arbeitsplätze werden abgebaut. Umstrukturierungsmaßnahmen seien notwendig, um den zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg des Betriebs zu sichern, so Geschäftsführer Marc Nakamura: „Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir uns neu ausrichten und auf Wachstumsbranchen fokussieren.“

Katalysatoren für Kraftwerke, Müllverbrennungsanlagen und Diesel-Nutzfahrzeuge werden bei Ibiden Ceram hergestellt.

Aufträge rückläufig

Die Kündigungen seien wohl notwendig geworden, nachdem Kunden und Aufträge wegfielen. Möglicherweise dank einer Preiserhöhung, das Unternehmen begründet die Maßnahmen mit einem schwierigen Marktumfeld. Die Zahl der Kohlekraftwerke gehe aufgrund von Umweltschutzbemühungen zurück, wodurch auch die Nachfrage nach SCR-Katalysatoren abnehme. Für 2017 vermeldete Ibiden noch einen Umsatz von 59 Millionen Euro im Bereich der stationären Katalysatoren. Um den langfristigen Erfolg zu sichern, müsse man Kosten senken und die Entwicklung von Produkttechniken für neue Anwendungen vorantreiben. Noch im November sprach das Unternehmen von einer Umsatzverdoppelung in den nächsten fünf Jahren. Nun klingt alles nach Neuausrichtung.

Sozialplan steht

Einen Sozialplan haben Betriebsrat, Arbeiterkammer und Gewerkschaftsbund bereits ausgehandelt. Darin sind finanzielle Abfindungen, eine Arbeitsstiftung und Unterstützung bei der Jobsuche enthalten. Über die weitere Vorgangsweise und Kommunikation mit der Geschäftsführung wird derzeit abgestimmt.

Arbeiter empört

Nach der Schließung der Isolatorenfertigung im PPC-Werk der Porzellanfabrik vor gut einem Jahr übernahm Ibiden 60 der entlassenen Fachkräfte. Die Auftrags- und Umsatzzahlen dürften gestimmt haben. Im Dezember musste der langjährige Geschäftsführer Karl Führer völlig überraschend die Firma verlassen. Über die Hintergründe wird nur spekuliert. „Niemand hat uns das erklärt“, schreiben die Arbeiter, die ihren ehemaligen Chef sehr loben und darin den Knackpunkt sehen. „Seitdem geht es bergab. Die Freude an der Arbeit ist weg, es gibt keine Motivation mehr. Das Chaos ist groß. Alle rennen ohne Plan herum und wissen nicht, was zu tun ist.“ Mit dem neuen Geschäftsführer Marc Nakamura könne man nicht reden, da er nicht Deutsch spricht. Alle im Betrieb würden sich wünschen, dass Führer zurückkommt: „Ohne ihn als Chef geht es einfach nicht. Er ist der Einzige, der uns noch retten kann.“ Nach den Kündigungen werden rund 400 Personen in der Porzellanfabrik angestellt sein – vor drei Jahren waren es noch 600.

Die Ibiden Ceram GmbH ist seit 2018 alleiniger Eigentümer der Porzellanfabrik Frauenthal. Bis zuletzt waren die Mitarbeiterzahlen gestiegen.
Autor:

Simon Michl aus Deutschlandsberg

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