17.06.2017, 11:52 Uhr

Kostüme, Intrigen und viel Bettgeflüster

Die Proben laufen: "Gefährliche Liebschaften" zeichnet sich durch schauspielerische Leistung rund um scharzüngige Intrigen in einer von Dekadenz geprägten Gesellschaft aus - zu sehen ab 28. Juni bei den "Landsberger Sommernachtsspielen". (Foto: tz)

Am 28. Juni feiert das Stück „Gefährliche Liebschaften“ Premiere zu den "Landsberger Sommernachtsspielen“. Wir haben mit Regisseurin Julia Zach ein Interview geführt, die somit das zehnte Stück auf die Bühne bringt.

Wie sind Sie zum Theater und zum theaterzentrum Deutschlandsberg im Speziellen gekommen?

JULIA ZACH: Ich habe 1992, also mit acht Jahren, bei einer Kindertheatergruppe im theaterzentrum angefangen. Wenn mich nicht alles täuscht durfte ich bei der Abschlusspräsentation am Ende des Schuljahres einen großen, bösen Hund spielen. Tja, und seitdem bin ich nie mehr weggekommen. Bis ich etwa 15 Jahre alt war, habe ich nur „geschauspielert“, dann kamen auch diverse Workshopleitungen, Regieassistenzen und letztlich eigene Inszenierungen dazu.

Wenn man so durch das Werkverzeichnis des theaterzentrums Deutschlandsberg blättert liest sich Ihr Name meist in Verbindung mit Text und Regie. Wie viele Stücke haben Sie verfasst und dann auch die Regie dazu geleitet?

„Gefährliche Liebschaften“ ist das zehnte Stück am theaterzentrum, bei dem ich Regie führe – die heurige Produktion ist also ein kleines Jubiläum. Am theaterzentrum aufgeführt wurden bis jetzt sechs Stücke, die ich selbst geschrieben habe. Dazu kommen noch vier „Theaterdinner“-Produktionen, die das theaterzentrum seit 2014 in Kooperation mit dem „Gasthaus Kollar“ immer Anfang des Jahres veranstaltet.

Sie haben auch die eine oder mehrere Auszeichnungen erhalten, welche?

Meine Inszenierung von „Das Kunstseidene Mädchen“ (von Irmgard Keun) wurde zum „BestOFFstyria - Festival der Freien Theater“ nominiert. Die Darstellerin, Esther Sternad, wurde für diese Produktion mit dem „Preis der Jury“ ausgezeichnet.

Welches Stück aus den vorangegangen Produktionen liegt Ihnen besonders am Herzen?

Das ist eine schwere Frage. Eigentlich alle. Ein besonderes Baby ist vielleicht „Hunger, Krieg und Wirtschaft – eine Komödie“ das 2012 am theaterzentrum uraufgeführt wurde. Es war eine unglaublich lustige, produktive Probenzeit und auch das Endergebnis hat einfach nur Spaß gemacht. Dazu kommt, dass es eben das erste Stück war, das ich ohne Romanvorlage geschrieben habe.

Wenn wir schon bei Herzensangelegenheit sind: Am 28. Juni feiert das Stück „Gefährliche Liebschaften“ Premiere zu den "Landsberger Sommernachtsspielen“. Was wird die Theatergäste erwarten?

Ha! Intrigen!!!! Tolle Kostüme. Viele Betten. Viel Bettgeflüster. Noch mehr Intrigen. Romantisches. Trauriges. Komisches. Unglaubliches. Kurz: Ein hoffentlich wahnsinnig unterhaltsamer, spannender Theaterabend in einer lauen Sommernacht.

Was ist die Herausforderung als Regisseurin allgemein und in diesem Stück im Besonderen?

Allgemein: Dass am Ende alles rechtzeitig zur Premiere fertig wird und das Publikum den Abend genießt und sich gut unterhalten fühlt. Bei dieser Produktion: Dass am Ende alles rechtzeitig zur Premiere fertig wird und das Publikum den Abend genießt und sich gut unterhalten fühlt. Abgesehen davon: Die Vorlage für das Stück „Gefährliche Liebschaften“ ist ein Briefroman aus dem 18. Jahrhundert – das ganze Buch besteht also ausschließlich aus Briefen, die von den Hauptfiguren geschrieben werden. Da ich dieses Konzept total spannend fand, habe ich versucht, einige Auszüge dieser Originalbriefe in das Stück einzuarbeiten – hier war und ist es eine Herausforderung, diese Briefe so geschickt wie möglich in das Stück einzuweben, ohne dass es zu viel – oder auch zu wenig wird.

Was zeichnet die Spielstätte am Eingang zur Klause aus?


Zum einen gibt es z.B. sehr viele Parkmöglichkeiten und komfortable Toilettanlagen, die unser Publikum bei den Aufführungen dankenswerterweise benutzen darf – zum anderen ist es ein wunderschöner, ruhiger Platz an der Lassnitz und die Stadtgemeinde Deutschlandsberg unterstützt uns ganz großartig mit dem Aufbau der Publikumstribüne und dem Verleih von Bauwägen, die wir als Garderoben, Stauraum und für die Gastro nutzen können.

Mit welchem Gefühl sollen die Zuseher nach diesem „intrigenreichen" Stück nach Hause gehen?

Nun, ich hoffe, die Zuschauer werden am Ende des Abends das Gefühl haben, dass dieser Freiluft-Theaterbesuch sich so richtig ausgezahlt hat. Natürlich liegt dem Stück eine gewisse Moral unter: Wer unmoralisches tut, wird am Ende schwer dafür bezahlen. Das kann man natürlich so sehen, wobei der Autor wohl eher im Sinn hatte, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Seine durchwegs ironische Einleitung zu dem Roman lautet schließlich: „Einige der handelnden Personen sind in der Tat so sittenlos und verderbt, dass sie unmöglich in unserem Jahrhundert gelebt haben können - in diesem unseren Jahrhundert der Philosophie und Aufklärung, die alle Männer, wie man weiß, so ehrenhaft und alle Frauen so bescheiden und sittsam gemacht haben.“
Und ist das nicht eine Aussage, die man leicht abgewandelt, für jedes Jahrhundert treffen könnte?
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