17.01.2018, 11:28 Uhr

Bäuerliche Landwirtschaft – Auslaufmodell oder regionaler Wirtschaftsmotor?

Leserbrief von Peter Mauthner, Land- und Forstwirt in St. Oswald ob Eibiswald sowie Obmann des Waldverbandes Deutschlandsberg.

Die Natur ist der Ursprung des Lebens. Sie schenkt uns den Boden, das Wasser, die Luft, die Sonne, die Pflanzen, die Tiere und den Menschen.
Der Landwirt erzeugt aus den Geschenken der Natur lebensnotwendige Produkte: Getreide, Fleisch, Milch, Obst, Gemüse, Holz usw. und bekommt dafür Geld. Der Großteil dieses Geldes wird für Betriebsmittel (Maschinen und Gebäude, Saatgut, Futtermittel, Baustoffe, Strom, Treibstoffe, Tierarzt usw.) wieder ausgegeben und fließt in die Wirtschaft. Dadurch entstehen eine Reihe von Arbeitsplätzen (Mechaniker, Maschinenhändler, Konstrukteure, Industriearbeiter usw.) die den Menschen ein Einkommen bringen.
Nur ein geringer Teil dieses Einkommens wird für Lebensmittel ausgegeben, der Rest wird für sonstige Güter, Dienstleistung, Steuern und Abgaben verwendet. Einen kleinen Teil der Steuern bekommt der Landwirt vom Staat über die Förderung für Landschaftspflege und umweltgerechte Bewirtschaftung ausbezahlt. Eine gepflegte Kulturlandschaft sorgt wiederum für Arbeitsplätze im Tourismus und in der Freizeitwirtschaft.
Die Einnahmen aus dem Verkauf von landwirtschaftlichen Produkten an den Konsumenten landen zuerst beim Handel (Ausnahme: Direktvermarktung), der mit der Handelsspanne seine Kosten (Personal, Gebäude, Werbung usw.) abdeckt. Der Rest geht an die Zulieferfirmen oder Verarbeitungsbetriebe (Molkerei, Fleischerei, Bäckerei, Transporteure, Sägewerke, Papierindustrie usw.) Sowohl im Handel als auch in Verarbeitungsbetrieben werden dadurch viele Arbeitsplätze geschaffen, die mit der Landwirtschaft in Zusammenhang stehen.


Der Kreis schließt sich

Am Ende der Wertschöpfungskette steht dann wieder der Landwirt, der von den Verarbeitungsbetrieben für sein Produkt einen minimalen Anteil der Wertschöpfung ausbezahlt bekommt. Für viele kleine Nebenerwerbsbetriebe sind die Einnahmen aus der Landwirtschaft leider nur mehr ein Durchlaufposten. Sie landen 1:1 wieder für Betriebsmittel in der regionalen Wirtschaft.
Obwohl der Landwirt eigentlich der Ausgangspunkt und der Motor der ganzen Wertschöpfungskette ist, von der sehr viele Menschen profitieren, steigt der Landwirt selbst finanziell am schlechtesten aus.
Ein wichtiger Faktor in der Wertschöpfungskette ist aber auch der Konsument. Jeder Einkaufstag ist eine marktpolitische Volksabstimmung. Der Konsument entscheidet beim Einkauf darüber, was, wie und wo in Zukunft produziert wird.
Nicht nur der Preis, sondern auch die Herkunft und die Qualität des Produktes sollten daher in die Kaufentscheidung mit einfließen.
Wenn der Konsument ausländische Ware (Lebensmittel, fossile Energie) kauft, wird die anfangs beschriebene Wertschöpfungskette auf den Handel reduziert und alle anderen Arbeitsplätze gehen verloren bzw. sie werden ins Ausland exportiert - auch der Arbeitsplatz des Konsumenten!

Kosten für Landwirte nicht gedeckt

Wirtschaftsexperten werden nun sagen, dass ja auch wir vom Export von Lebensmittel profitieren. Das gilt zwar für die Wirtschaft aber nicht für die Landwirte, denn solange von den exportierten Produkten kein kostendeckender Preis beim Landwirt ankommt, dient der Export nur der Entsorgung von Überschüssen.
Viele wissenschaftliche Dokumentationen zeigen, dass nur eine regionale, kleinstrukturierte, vielseitige und ökologische Landwirtschaft die Lebensmittelversorgung in Zukunft für die wachsende Weltbevölkerung nachhaltig sicherstellen kann.
Wir Menschen nutzen leider die Produktivitätssteigerung durch die Mechanisierung und Digitalisierung nicht dazu, dass es uns besser geht, sondern dass wir noch schneller und noch mehr produzieren und damit Überschüsse erzeugen, die eigentlich nicht gebraucht werden und im Müll landen. Der Markt der Reichen ist gesättigt (ihr Geld landet am Finanzmarkt) und den Armen fehlt das Geld, um lebensnotwendige Dinge zu kaufen.
Nicht ständiges Wirtschaftswachstum hat daher oberste Priorität, sondern eine bessere Verteilung der Arbeit, der Löhne und der Lebensmittel sollte das Ziel sein. Es gibt kein unbegrenztes Wachstum - auch nicht in der Wirtschaft. Wir haben also kein Wachstumsproblem sondern ein gewaltiges Verteilungsproblem. Freie Marktwirtschaft ohne soziale und ökologische Komponenten führt zur Ausbeutung von Mensch und Natur.
Die Natur lässt sich durch den Klimawandel nicht zerstören aber sie wird sich gewaltig verändern. Schlimmstenfalls verlieren wir Menschen unsere Lebensgrundlage wenn wir Nichts dagegen tun. Wir müssen unsere Lebensgewohnheiten ändern – und zwar Jeder und ab heute!
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