18.01.2018, 21:06 Uhr

Baukultur 2015+: Kulturlandschaftswandel im Schilcherland

Hochkarätige Referenten in der Ebene² der Raiffeisenbank Deutschlandsberg v.l. Moderator Gregor Waltl, Bgm. OSR Walter Eichmann, Elisabeth Fukar, Prof. Franz Majcen, Univ.Prof. Sibylla Zech, Bgm. Josef Wallner, Brigitte Griesser, sowie Christian Hofmann

Mit der Veranstaltungsreihe zu Kulturlandschaftswandel und Baukultur soll die Landschaftsveränderung und die dahinterliegenden Prozesse auch im Schilcherland bildhaft dargestellt, sowie die Wechselwirkungen von Bauen, Produktion und Kulturlandschaft aufgezeigt werden.

Neben den sozialpolitischen Aspekten als Spiegel der Gesellschaft gilt es die Änderungen bzw. Trends der Landschaftsdynamik im Hinblick auf Tourismus-Freizeit-Erholung, Land-und Forstwirtschaft, Siedlungsentwicklung/Infrastruktur sowie Bauen in der Landschaft zu betrachten.

Infos&Workshops


Die Veranstaltung, zu der am Mittwoch, dem 17 Jänner vom EU-Regionalmanagement Schilcherland mit Regionalmanagerin Elisabeth Fukar und der Bezirksbauleitung Südweststeiermark mit DI Hofmann im Kultur-u. Veranstaltungszentrum „Ebene2“ der RAIKA Deutschlandsberg eingeladen wurde, soll einen Kommunikationsprozess einleiten, der sich in weiteren Workshops gezielt mit den Entwicklungen in den einzelnen Landschaftsräumen (Bergland, Hügelland, Tal) auseinandersetzt.
Als profunder Moderator konnte Gregor Waltl neben interessierten ZuhörerInnen seitens der Stadtgemeinde Bürgermeister Mag. Josef Wallner, sowie hochkarätige Referenten gewonnen werden.
Bürgermeister Mag. Josef Wallner bezeichnete Deutschlandsberg als gelebte Kulturstadt, wo gerade die Ebene² als Beispiel für gelungene Revitalisierung des alten Dachbodens zu bezeichnen ist. Zudem gelte es durch einen neuen Flächenwidmungsplan auch Bauland in Einbindung mit Ortsbildschutz zu ordnen

Hochkarätige Referenten

Prof. Franz Majcen verwies in seinem Impulsvortrag unter dem Motto „Was passiert mit unserer Landschaft“ auf den Eingriff des Menschen in die Kulturlandschaft, wobei einerseits die Herstellung von Infrastruktur und Verkehr sowie anderseits Wohnen und Hausbau eine bedeutende Rolle einnehmen. Fakt ist auch, dass vielfach große Grünflächen an den Verkehrsadern verbraucht werden, nach Jahren leerstehende Hallen große Schäden in der Landschaft hinterlassen. Hier gilt es zukünftig in den Gemeinden Verständnis für verantwortungsvolles Bauen aufzeigen, sodass unser Land das Antlitz nicht verliert.
Neben der Bewirtschaftung der Kulturlandschaft trägt aber auch eine behutsame Baukultur zum Landschaftserhalt bei. Schon ein einziges Bauwerk, das unharmonisch in die Landschaft gesetzt wird, kann ein ganzes Landschaftsbild negativ beeinflussen und somit auch den touristischen Wert herabsetzen.
Univ.Prof. Sibylla Zech von der TU Wien stellte die Kulturlandschaft im Schilcherland als äußerst wichtigen identitätsstiftenden Faktor für die Bevölkerung in den Mittelpunkt. Das Erlebnis Landschaft ist ein zentraler Ankerpunkt diverser touristischer Aktivitäten in unserer Region sowie auch ein Alleinstellungsmerkmal für die Vermarktung regionaler Produkte mit Potential für die Zukunft. Gerade im Schilcherland gewinnt jedoch das Thema Landschaft/Kulturlandschaft als Standortmerkmal und in der Vermarktung von touristischen und regionalen Produkten zunehmend an Bedeutung.

Nutzungsaufgaben von Grenzertragsflächen, Intensivierungen in Gunstlagen, unkoordinerte Siedlungsentwicklungen oder überbordende Individualität beim Bauen bergen dabei oft das Potenzial nachhaltig negativer Veränderungen der Kulturlandschaft. Der Landschaftswandel ist jedoch in weiten Teilen Europas im Gange. Agrarstrukturwandel, Industrialisierung, Globalisierung und Individualisierung führen seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht nur zu einem Gesellschaftswandel sondern auch zu einer rasanten Veränderung der Landschaft. Die Weiterentwicklung der Kulturlandschaft wird nicht allein im Verharren althergebrachter Formen oder im Negieren wirtschaftlicher Entwicklungen gesehen, sondern muss auch aktuelle Rahmenbedingungen in der Landbewirtschaftung und baukulturelle Entwicklungen und Trends miteinbeziehen. Abschließend gab sie unter dem Motto „Wir bauen heute die Kulturlandschaft von morgen“ eine Auswahl an landschaftsprägenden Ereignissen.

Strukturreichtum, Sanfte Formen, Harmonie, gute Erholungsmöglichkeiten regionale Produkte und hohe Lebensqualität sind prägende Elemente des Schilcherlandes, stellte Brigitte Griesser vom Büro Freiland in den Mittelpunkt ihres Referates.

Podiumsdiskussion

In der anschließenden Diskussionsrunde verwies der Obmann des Vereins Schilcherland Spezialitäten Franz Deutschmann auf mehr Bewusstseinsbildung bei regionalen Produkten, für die ein höherer Preis etwa bei Obst aus Streuobstwiesen gerechtfertigt wäre.
Eine Vorreiterrolle nimmt die Marktgemeinde Stainz ein. Hier wird – wie OSR Bgm. Walter Eichmann betont – ein eigener Gestaltungsbeirat mit Fachleuten installiert, um das öffentliche Interesse der Gemeinde an der ortsplanerischen und architektonischen Qualität des Bauens als sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Aufgaben des Bauamtes zu unterstützen.
Unterstützt wird das Projekt Baukultur2015+ durch das Programm zur Entwicklung des ländlichen Raumes 14-20 aus Mitteln der europäischen Union, des Bundes und der Steiermärkischen Landesregierung (Regionalressort
Bei einem regionalen Imbiss bot sich die Gelegenheit mit den Referenten weiter zu diskutieren.

Text und Foto(s) : Josef Strohmeier
1
Einem Mitglied gefällt das:
Weitere Beiträge zu den Themen
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.