24.05.2016, 20:38 Uhr

Da ist echte Freundschaft am Zug...

Die Freunde der Sulmtalbahn lassen ein Kleinod auf Schiene wieder auferstehen. Viele von ihnen bringen die Liebe zur Eisenbahn durch ihren Beruf mit.
Von Josef Fürbass

Großer Bahnhof für die beliebte Sulmtalbahn in Gleinstätten

Stolze 128 Meter ist sie bereits lang die Modellanlage der Freunde der Sulmtalbahn (FdSTB). Nicht nur alle einstigen Bahnhöfe und Haltestellen zwischen Leibnitz und Wies wurden originalgetreu nachgebaut, auch die Landschaftselemente zeugen von viel Liebe zum Detail. Dazu gehört die südweststeirische Idylle mit Kürbis- und Maisfeldern, Weinbergen sowie Hausgärten. Was die FdSTB besonders freut: Die Ausstellung hat in Gleinstätten eine vorerst feste Bleibe gefunden!


Mitten im Ort, in einem ehemaligen Geschäftslokal, pendeln die Züge wie anno dazumal planmäßig zwischen Leibnitz und Wies-Eibiswald hin und her. Und zwar im Maßstab 1:87. Der Kaufmann Norbert Spari stellt den FdSTB die rund 500 Quadratmeter großen Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung. „Die Leute sind sehr engagiert, ich möchte daher einen Beitrag leisten“, ist Spari beeindruckt.
60 Jahre lang – von 1907 bis 1967 – war die Sulmtalbahn auf Schiene. Ursprünglich für den Kohletransport gebaut, verkehrte sie zwischen Leibnitz und Pölfing-Brunn, ehe sie ab 1930 auch den Endbahnhof Wies-Eibiswald ansteuerte. „Die Bahn war für unsere Region ein wichtiger Verkehrsträger und sollte nicht in Vergessenheit geraten“, definiert Karl-Heinz Grubelnik das Ziel der Interessensgemeinschaft, die er 2007 mit Karl Sommer, Dietmar Zweidick und Rupert Koch aus der Taufe gehoben hat. Heute zählt man rund 30 Mitglieder mit einem überdurchschnittlich hohen Jugendanteil. „Darunter sind auch viele hauptberufliche Eisenbahner, die sich in der Freizeit gerne mit der Geschichte der Sulmtalbahn beschäftigen“, fügt Grubelnik hinzu. So sind in den Reihen der FdSTB sechs Lokführer, zwei Fahrdienstleiter und eine Zugbegleiterin zu finden.

„Viele Zeitzeugen von damals haben sich an Eckpunkte erinnert, die wir nachgebaut haben.“

IG-Präsident Karl-Heinz Grubelnik
aus Pölfing-Brunn

Die primäre Aufgabe konzentrierte sich auf die Erhaltung von Plänen, historischen Fotos und Anekdoten. Jedoch die Liebe zur Sulmtalbahn war „ausbaufähig“: 2008 wurde mit dem Bhf. Heimschuh die Weiche für eine Modellbahnanlage gestellt. Von nun an ging es Zug um Zug. Als erste Etappe wurde der Abschnitt Kaindorf/Sulm – Gleinstätten in Angriff genommen. Gebäude und Brücken werden von „Baumeister“ Rupert Koch (72) aus Karton und Pappelsperrholz gefertigt. Original nach Plan und im Maßstab 1:87. „Wilhelm Büschl aus Graz war auf der Strecke als Lokomotivführer im Einsatz und unterstützt uns mit Anekdoten aus dieser Zeit“, so Grubelnik. „Als Zeitzeuge berät uns der Willi – er wird heuer 80 Jahre alt – auch bei Landschaftsbauten.“
Die gute alte Sulmtalbahn wurde wieder lebendig! Schranken öffnen und schließen sich, ein Baum stürzt auf das Gleis, in den Bahnhöfen, Haltestellen und Hinterhöfen herrscht rege Betriebsamkeit. Sogar das regionale Osterbrauchtum mit Karbidschießen und Osterkreuz können die Fahrgäste der Sulmtalbahn verfolgen. Als richtige „Kunstbauten“ bezeichnet Grubelnik die Laßnitzbrücke in Kaindorf, das Ziegelwerk in Gleinstätten, die Kolonie in Pölfing-Brunn, die Steinwand zwischen Fresing und Heimschuh, das Heizwerk in Wies sowie die Haltestelle Muggenau-Silberberg, wo Wein verladen wurde. „Die Lokalbahn hat die Sulm nur einmal, und das bei Gasselsdorf, überquert“, weiß Karl-Heinz Grubelnik. Eine architektonische Meisterleistung stellt auch die Kohlenverladeanlage am Bahnhof Pölfing-Brunn dar. „Der kompakte Eigenbau von Gerhard Kassar aus Voitsberg ist aus Holz gelasert.“
Die Züge stehen ebenfalls wieder unter Volldampf. Dazu gehören die Baureihen 32d und 30, die Lok 671 sowie der Rote Blitz, der ab 1955 durchs Sulmtalbahn flitzte. Die Dampflokomotiven zogen gemischte Züge. Der „GmP“ (Güterzug mit Personenbeförderung) benötigte für eine Fahrt zirka drei Stunden. „Auf unserer Modellbahnstrecke ist er eine Stunde und vier Minuten unterwegs.“ Beim Eigenbau und der Reparatur der Züge ist Andreas Konecnik der Experte. Die komplette Anlage fährt computergesteuert, entwickelt und programmiert von Karl-Heinz Grubelnik. Vier Drucktastenstellen, die den FdSTB von aufgelassenen Bahnhöfen zur Verfügung gestellt und in zahlreichen Arbeitsstunden restauriert wurden, sorgen dafür, dass der Modellbahn im Originalbetrieb bedient werden kann. Die Jugendmitglieder Elias, Dominic, Sascha, Peter und Karl-Maximilian sind für die Wartung der Fahrzeuge zuständig. Auch die sechs Damen helfen beim Betrieb und der Gestaltung der Anlage tatkräftig mit.
Übrigens: Die Befahrung des Sulmtals durch die Diesellok V360 war ganz und gar nicht erfreulich. „Es war der Bauzug, der mit dem Abriss der Bahnstrecke beauftragt war“, beleuchtet Karl-Heinz Grubelnik das letzte Kapitel der legendären Lokalbahn.
Daten & Fakten: Die ganze Anlage besteht aus 113 Modulen und verfügt über eine Streckenlänge von 131 Metern. 2015 waren es noch 120 Meter. Im Schnitt investieren die FdSTB pro Jahr an die 2.600 Stunden (Wartung, Betrieb, Gebäude- und Lok-Bau) in ihr Hobby. Der IG-Vorstand wird von Karl-Heinz Grubelnik (Präsident), Rupert Koch (Ehrenpräsident), Carina Wartbüchler (Schriftführerin), Julian Kiklin (Kassenverantwortlicher) und Norbert Spari (Ehrenmitglied) gebildet. Insgesamt sind im Ausstellungsbetrieb 25 verschiedene Züge zu erleben.
Die nächste Sonderschau findet am 26., 28. und 29. Mai, täglich von 10 bis 17 Uhr, statt.
Für Gruppen ab zehn Personen sind nach Voranmeldung unter 0664/8310298 Privatführungen möglich. 2017 wird das Jubiläum „110 Jahre Sulmtalbahn“ gefeiert!

Fotos: Josef Fürbass
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