24.06.2016, 16:12 Uhr

Das Weitwandern ist der Steirer Lust

Karl Tschemmernegg mit der Schallplatte "Musik und Gesang am Nord-Süd-Weitwanderweg".
Von Josef Fürbass


„Auf Schusters Rappen“ ist man in Eibiswald gut unterwegs...

Die Wandersaison hat wieder begonnen, und viele zieht es nun auf Schusters Rappen hinaus in die Natur. Nicht selten führt der Weg jedoch auch ins Weitwandermuseum in Eibiswald. Dort, beim Weitwanderstein am Ortseingang, endet nach rund 19-Tages-Etappen der Nordsüdweitwanderweg 05, der beim Nebelstein in der Nähe von Gmünd beginnt und den Carl Hermann (1918 - 1986) begründet hat.


Es ist ein einzigartiges Dokumentationszentrum, das der Alpenverein Eibiswald unter Obmann Vinzenz Pressnitz in seinem Vereinsheim geschaffen hat. Seit der Eröffnung im Jahre 1998 wird es jährlich von zahlreichen Wanderfreunden besucht. Auf Schritt und Tritt begegnet einem dabei die unvergessene Weitwanderlegende Carl Hermann. Der aus Wolfgruben bei Wies stammende freischaffende Granitbildhauer hat im niederösterreichischen Gmünd gearbeitet und ist dort „ansässig geworden“. Eines Tages kam ihm die Idee, einmal zu Fuß in seine weststeirische Heimat zurückzukehren. Hermann beschritt bestehende Wege und ergänzte sie um neue. Damit schlug die Geburtsstunde für den Nordsüdweitwanderweg (NSWW) 05. Das Weitwandern erlebte fortan einen regelrechten Boom. Das ging mitunter sogar so weit, dass sich Hochzeitspaare nach der Trauung in Wanderschuhen auf in die Flitterwochen machten. Liebe geht somit nicht nur durch den Magen, sondern auch über weite Strecken...
Zur Finanzierung des Projektes NSWW 05 (Beschilderung etc.) wurde 1977 auf Initiative von Carl Hermann die Schallplatte „Musik und Gesang am Nord-Süd-Weitwanderweg“ aufgenommen.

„Lang’ mög’ besteh’n, was ich erdacht,
Wanderweg, du schönes Band,
rot-weiß-rot wurd’ es gemacht,
hab’s gern getan für’s Heimatland.“

Carl Hermann

„Carl Hermann war der Begründer des Weitwanderns in Österreich“, betont Karl Tschemmernegg, der mit großer Begeisterung und viel Hintergrundwissen durch die Ausstellung führt. „Von 1970 bis 1995 sind den Nordsüdweitwanderweg 05 rund 10.000 Leute gegangen“, erzählt Tschemmernegg. Und es war für die Weitwanderer nach der 530 Kilometer langen Tour jedes Mal ein berührender Augenblick, wenn Stefanie und Josef Simperl in ihrem urigen Gasthaus im Markt Eibiswald, in dem auch eine Stempelstelle eingerichtet war, zur Klavierbegleitung das Lied „Nord-Süd-Weg, du goldenes Band“ (Text und Melodie: Sepp Kaiblinger, Liedfassung und Satz: Sepp Riegler) angestimmt haben.
Im kleinen, aber sehr feinen Weitwandermuseum in Eibiswald, dessen Entstehung dem Engagement von Carl Hermann und Oberschulrat Hans Wippel – letzterer war von 1948 bis 1988 Obmann des Alpenvereines Eibiswald – zu verdanken ist, werden die Besucher mit der Geschichte des Wanderns vertraut gemacht. Sie folgen den Spuren großer Persönlichkeiten, wie es Carl Hermann eine war. Mit Johann Hufnagel wird einer der wohl berühmtesten europäischen Wanderer beleuchtet. Der Weitgegangene hat dem Museum in Eibiswald seine Wanderausrüstung überlassen.
Die Ausstellung gliedert sich in drei Bereiche. Sie gibt eine Übersicht über die Weitwanderwege 03 (Südalpenweg), 05 (NSWW) und 06 (Mariazellerweg). Karten, Wanderführer und viele Erinnerungsfotos bereichern die Sammlung. In den Vitrinen werden Wanderabzeichen, Tagebücher sowie Ausrüstungsgegenstände von anno dazumal – zum Beispiel genageltes Schuhwerk, Steigeisen- und felle, Essgeschirr, Gamaschen – gezeigt. Der dritte und umfangreiche Schwerpunkt ist dem Werk des Künstlers Carl Hermann gewidmet. Der akademische Bildhauer hat hauptsächlich mit Waldviertler Granit gearbeitet. Zu sehen sind Gipsmodelle von Monumentalwerken, Büsten von seinen Eltern, von Dr. Hans Kloepfer und des ehemaligen Präsidenten der Fernwanderbewegung Dr. Georg Fahrbach, eine Selbstdarstellung, Hinterglasbilder, Zeichnungen, Dokumente und Auszeichnungen.
Am 11. November 1986 ist Carl Hermann in Gmünd verstorben. Seine Urne wurde am 15. August 1987 (Großer Frauentag) in der von ihm geplanten und gestalteten Pauluskapelle auf der Weinebene beigesetzt. Der Schöpfer des NSWW 05 hat in vielen Menschen die Begeisterung für das Wandern geweckt. 1973, 1978 und 1990 stand der Markt Eibiswald im Zeichen internationaler Weitwandertreffen.
Zahlen & Fakten: Der ÖAV Eibiswald zählt 650 Mitglieder. Seit 1988 steht er unter der Führung von Obmann ist Ing. Vinzenz Pressnitz. In seinem ausgedehnten Einzugsgebiet hat der Verein 230 Kilometer Wanderwege zu betreuen.
Das Eibiswalder Weitwandermuseum hat von Ostern bis Allerheiligen geöffnet. Anmeldungen unter 03466/43256 (Info-Büro), 03466/43739 (Karl Tschemmernegg) oder 03466/42192 (Vinzenz Pressnitz).

Fotos: Josef Fürbass
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