12.04.2017, 15:39 Uhr

Diagnose: Autoapotheke abgelaufen

Quasi schon antik: Eine Autoapotheke aus dem Jahr 1978 wurde beim ARBÖ-Check ebenfalls entdeckt. (Foto: ARBÖ)

Ein Blitztest des ARBÖ Steiermark ergab: Rund ein Viertel der Autoapotheken müssten aus dem Verkehr gezogen werden.

Sie ist bei jeder Fahrt mit an Bord und glücklicherweise nur in den seltensten Fällen im Einsatz: die Autoapotheke. Da kann es schon mal vorkommen, dass man diesen Erste-Hilfe-Kasten, der möglichst unsichtbar im Fuß- oder Kofferraum verstaut ist, vergisst. Mit teilweise alarmierenden Folgen, wie nun ein Blitztest des ARBÖ für die WOCHE Steiermark ergab: 772 Fahrzeuge wurden unter die Lupe genommen, davon war bei 569 die mitgeführte Autoapotheke in Ordnung. Bei gut einem Viertel aller Apotheken (26 Prozent) war das Ablaufdatum hingegen überschritten. Die Hälfte davon war wiederum in einem so mangelhaften Zustand (Bestandteile fehlten, Rostanhaftungen, Schimmel), dass man sie im Notfall gar nicht hätte benutzen können. Im Prüfzentrum Deutschlandsberg wurden genau 50 Autoapotheken getestet. Mehr als ein Drittel (18) davon waren bereits abgelaufen. Älter waren die Testexemplare nur in Leibnitz, wo gleich die Hälfte der 38 überprüften Notfallapotheken ihren Zenit überschritten hatten.

Neues Auto, neue Apotheke

Der absolute Spitzenreiter wurde aber im Prüfzentrum Graz entdeckt: Ein Verbandskasten aus dem Jahre 1978. „Dieses Stück hat vielleicht einen hohen musealen Wert, im Notfall wäre es aber leider wertlos“, versucht ARBÖ-Experte Wolfgang Kahr eine ernste Angelegenheit mit Humor zu nehmen. Beim Schnelltest selbst ist Kahr das Lachen allerdings vergangen: „Grob geschätzt, wissen gut die Hälfte der Autofahrer gar nicht, dass eine Autoapotheke mit einem Ablaufdatum versehen ist. Der Grund, warum sie dennoch eine intakte Notfallbox mitführen, liegt darin, dass sie mit einem neuwertigen Fahrzeug und somit auch mit einer brauchbaren Apotheke unterwegs sind.“

Was der Gesetzgeber vorschreibt

Wer bei einer Anhaltung durch die Polizei mit einer abgelaufenen Autoapotheke erwischt wird, muss nicht zwangsläufig mit einer Strafe rechnen. Erst wenn die gesetzliche Minimalvorgabe („zur Wundversorgung geeignetes Verbandszeug in staubdichter Verpackung“) nicht erfüllt ist, könnte ein Bußgeld fällig werden. Das Gesetz schreibt auch nicht explizit vor, nach wie vielen Jahren eine Autoapotheke auszutauschen ist. „Allerdings ergibt sich aufgrund der Haltbarkeit einzelner Bestandteile, dass eine jährliche Überprüfung empfehlenswert und eine gänzliche Erneuerung im Intervall von fünf bis sechs Jahren notwendig ist“, so der ARBÖ-Experte.

Diesen Inhalt sollte eine Autoapotheke gemäß ÖNORM haben:

• vier Stück Dreieckstücher
• sechs Stück Wundauflagen (nicht verklebend, steril verpackt)
• Verbandtuch (nicht verklebend, steril verpackt)
• Spule Heftpflaster
• fünf Stück Pflasterstrips (einzeln und staubdicht verpackt)
• drei Stück Wundschnellverband (einzeln und staubdicht verpackt)
• Momentverbände (groß und mittel)
• elastische Mullbinden in verschiedenen Größen (unbeschichtet, einzeln
verpackt)
• Rettungsdecke
• rostfreie Verbandschere
• drei Paar medizinische Einmalhandschuhe
• Notfallbeatmungstuch
• Erste-Hilfe-Anleitung für Sofortmaßnahmen
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