29.09.2014, 13:32 Uhr

Doppelte Arbeit bei halbem Ertrag!

Viktoria Jöbstl hat die HBLA für Obst- und Weinbau in Klosterneuburg absolviert.
Wernersdorf: Schilcherberg |

Extrem schwierige Lesebedingungen in den heimischen Weingärten

Dieses Jahr werden die steirischen Winzer wohl nicht so schnell vergessen. Der Tage könnte mehr als 24 Stunden haben und wäre noch immer zu kurz, um die viele Arbeit, die jetzt auf ihnen lastet, zu erledigen. Der Aufwand für eine vernünftige Traubenqualität ist beachtlich. Ein Lokalaugenschein am Weingut Jöbstl im Schilcherdorf Wernersdor


(jf). Am Schilcherberg der Familie Jöbstl gedeiht nicht nur der Blaue Wildbacher. Obwohl er mit 5,5 Hektar Anbaufläche eine führende Rolle spielt. Auf weiteren zwei Hektar reifen Weiß- und Rotweine. Die Wettersituation stellt die Winzer heuer vor große Probleme. Nach dem Frost im Frühjahr sorgte die Dauerfeuchtigkeit in den Monaten Juli, August und September für neuerliche Belastung. „Die Situation ist dramatisch“, findet Johannes Jöbstl klare Worte. „Aufgrund dieser Witterung kommt einfach alles zusammen. In meinen bisher 28 Ernten habe ich so etwas noch nie erlebt“, schüttelt der Obst-, Weinbau- und Kellermeister den Kopf.

"Innerhalb der letzten drei Monate ist bei uns die Niederschlagsmenge eines Jahres gefallen: 700 Liter Regen pro Quadratmeter! Die Sonne machte sich rar, an mehr als 50 Prozent der Tage hat es geregnet."

Johannes Jöbstl

Der vom vielen Regen völlig aufgeweichte Boden lässt den Einsatz von Erntefahrzeugen kaum oder so gut wie gar nicht zu. Buttenträger sind daher gefragt, aber schwer zu bekommen. Doch das ist es nicht nur allein, was den Weinbauern zu schaffen macht. Durch die Nässe beginnen die Trauben zu schimmeln. „Der Fäulnisdruck wird durch schwül-heißes Wetter und hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt“, erklärt Jöbstl. Eine Anlage nach der anderen wird also „überlesen“. Befallene Beeren werden mit der Rebschere entfernt und landen am Boden, Trauben, die in Ordnung sind, in den Lesegefäßen.
„Da steckt enorm viel Zeit- und Arbeitsaufwand dahinter“, erklärt Johannes Jöbstl, während er mit Tochter Viktoria – sie hat die HBLA für Obst- und Weinbau in Klosterneuburg absolviert – gerade am Schilcherberg Muskatellertrauben kontrolliert und „ausmustert“. Je nach Reifezustand werden die Beeren gleich geerntet oder sie bleiben, vom Fäulnisbefall befreit, noch eine Weile am Stock hängen. Trotz Frost und Nässe kann es aber noch ein guter Jahrgang werden, ist Weinbauer Johannes Jöbstl überzeugt. „Es erfordert jedoch viel mehr Aufwand, um eine vernünftige Traubenqualität zu bekommen.“ Und er begründet: „Unter normalen Bedingungen erntet eine Person am Tag zwischen 400 und 500 Kilo Trauben, unter den Voraussetzungen, wie wir sie heuer haben, maximal 100 Kilo geputzte Trauben!“

Nichtsdestotrotz wird am 12. Oktober am Hof der Familie Jöbstl das Pressfest als Auftakt zur Aktionswoche „Es gärt im Schilcherdorf“ gefeiert. Bis dahin werden nach Weißburgunder, Muskateller, Morillon, Sauvignon Blanc und Zweigelt hoffentlich auch die letzten Schilchertrauben – sie haben ja einen etwa späteren Reifezeitpunkt – gelesen sein...

Fotos: Josef Fürbass
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