14.11.2016, 17:34 Uhr

Projekt für weniger Wildunfälle wird landesweit umgesetzt

Landesjägermeister Heinz Gach, Gerhard Scheucher vom Straßenerhaltungsdienst, Bezirksjägermeister Hannes Krinner, Projektleiter Wolfgang Steiner von der BOKU, Reinhold Langer (Obmann der Jagdgesellschaft Deutschlandsberg) und Vize-Bgm. Anton Fabian.

Neben einem Schwesternprojekt in Niederösterreich ist auch in der Steiermark ein groß angelegtes Projekt zur Minimierung von Wildunfällen im Straßenverkehr angelaufen.

"In unserem Bezirk kommen jährlich fast 1.000 Stück Wild im Straßenverkehr zu Tode. Das entspricht mehr als 20% der Gesamtentnahme", eröffnete Bezirksjägermeister Johannes Krinner ein Pressegespräch über eine neues Projekt um das Fallwild zu reduzieren. "Dabei geht es ja nicht nur um die Verkehrssicherheit, sondern auch um den ökologischen Schaden durch den Verlust geschützter Arten und vor allem um das zu vermeidende Tierleid durch schwere Verletzungen und den Tod der Elterntiere", betont Landesjägermeister Heinz Gach.


Rehe können die Farbe Rot gar nicht wahrnehmen

Versucht hat man im Laufe der Zeit ja schon allerhand, von am Straßenrand aufgehängten CDs bis hin zu rotfärbigen Reflektoren. "Inzwischen weiß man aus der Wildtierforschung, dass das Rotwild die Farbe Rot gar nicht erkennen kann", macht Wolfgang Steiner von der Universität für Bodenkultur auf einen Irrtum aufmerksam, der in dem bereits angelaufenen Projekt für Wildtierschutz und Verkehrssicherheit auf neueste Forschungsergebnisse setzt. Daraufhin sind verschiedene Gerätschaften entstanden, die vom Reflektor bis zum LED-Licht mit akustischem Signal reichen und im Sinne der Rechtssicherheit zum Schutz der Autofahrer ausgelegt sind.


Blau funktioniert

Dominant ist die Farbe Blau, die nachweißlich von Wildtieren beim Anstrahlen durch das Scheinwerferlicht als abschreckend wahrgenommen wird. "Diese Geräte sind für Dämmerung und Finsternis entwickelt worden", räumt Steiner ein, dass bei Tageslicht keine Funktion gegeben ist. Basierend auf einer Fallwildstudie je Bezirk wurden die Hot Spots der Wildunfälle ausgemacht und eine Prioritätenliste angelegt. Die Ausstattungsvorschläge sind jeweils nach örtlichen Begehungen durch Wolfgang Steiner und den jeweiligen Bezirksjägermeistern in den Revieren erfolgt so auch mit Reinhold Langer als Obmann der Jägerschaft Deutschlandsberg.


Jägerschaft ist fix eingebunden

"Es ist wichtig, dass die Jägerschaft in die Entscheidung zur Wahl der Wildwarner fix eingebunden ist", so Steiner. Die Montage übernimmt die Jägerschaft in Kooperation mit dem Straßenerhaltungsdienst, die auch die Wartung der Geräte übernehmen. Fällt auch nur einer der Reflektoren aus, ist die ganze Kette entlang der Straße ineffizient. "Diese Kooperation läuft vorbildlich", betont BJM Hannes Krinner, der beim Gemeindetatg in Lannach über dieses Projekt referiert hat. Da das Projekt nur auf Bundes- und Landesstraßen greift, ging sein Apell an die Bürgermeister um finanzielle Zuwendungen für Abwehrmaßnahmen auf Gemeindestraßen im Falle von Unterstützungsansuchen der Jagdgesellschaften, die vielfach im Bezirk umgesetzt wurden.


70 Prozent Wald in der Großgemeinde Deutschlandsberg

"Für uns ist das ein sehr wichtiges Projekt, da wir in unserer Großgemeinde auf 180 km2 fast 70% Waldanteil haben, womit wir mit 10 % über dem Steiermarkschnitt liegen", verweist Fabian auf 304 Straßen-Kilometer in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg, die um etliche Berggemeinden angewachsen ist.
"Ziel ist eine Reduktion der Rehwildunfälle um ein Drittel zum Vergleichszeitraum des vorangegangenen Jahres", spricht Steiner von einer win-win-Situation für Jägerschaft, Tierschutz und die Verkehrsteilnehmer.

Über die Anbringung der Gerätschaft hat ATV einen Beitrag verfasst der noch bis Ende dieser Woche auf www.atv.at nachzusehen ist.

Zur Finanzierung der Geräte für das Straßenfallwildprojekt

Projektträger ist die steir. Jägerschaft und das Land Steiermark mit den Abrteilungen 16 Verkehr und Landeshochbau und die Abt. 13 Umwelt und Raumordnung und Tierombudsstelle.
Das von der BOKU geleitete Projekt kostet 50.000 Euro jährlich. 20.000 Euro werden von Tierschutz Steiermark, 15.000 Euro von der Verkehrssicherheit Steiermark und 15.000 von der Landesjägerschaft finanziert.
Jährlich werden 60.000 Euro in die Anschaffungskosten steiermarkweit investiert:
40.000 Euro von STED (Straßenerhaltungsdienst), 10.000 Euro von der Landesjägerschaft und weitere 10.000 Euro von den lokalen Revieren.
Heuer, bei der Erstausgabe, wurden 8.500 Geräte im Wert von 62.500 Euro angeschaftt und in elf von 15 Jagdbezirken ausgegeben. Da die finanziellen Projekt-Ressourcen der STED für heuer schon erschöpft sind, haben sich sieben weitere Reviere im Bezirk für die Eigenfinazierung zu 16.000 Euro entschieden, 28 Reviere sind es in der ganzen Steiermark. Das Projekt ist bis 2020 angelegt.
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