29.06.2017, 08:33 Uhr

So wird Wasser auf Schritt und Tritt zum Erlebnis

Oberförster Helmut Fladenhofer beim Imkerlehrpfad.

Der Erzherzog Johann Wasser-Erlebnisweg beim Schloss Stainz ist voller Überraschungen - ein Rundgang mit Oberförster Helmut Fladenhofer.

STAINZ. Nur ein paar Schritte unterhalb des Parkplatzes beim Schloss Stainz erschließt sich ein paradiesischer, liebevoll gepflegter Spazierweg, der voller Überraschungen ist. Ein Schild weist zum Erzherzog Johann Wasser-Erlebnisweg mit dem Konterfei des ersten Bürgermeisters der Marktgemeinde Stainz.
Der Rundwanderweg wurde vor 15 Jahren eingerichtet und führt auf 6 km entlang des Lemsitzbaches fast bis nach St. Stefan ob Stainz und zurück durch den Bründlwald.

Sum sum ...

Runter geht's beim alten Getreidespeicher und dann steht man schon bei den ersten Überraschungen:
Linker Hand hört man am Summen die zwölf Bienen-Völker in den Bienenstöcken des Imker-Lehrpfades - schließlich gibt es kein Leben ohne Bienen.

"Es hat sich eben so ergeben, dass hier die Imker ihre Stöcke aufgestellt haben. Das ist nämlich kein üblicher Lehrpfad, bei dem man sich von Schild zu Schild liest", erklärt Helmut Fladenhofer, seines Zeichens Oberförster im Revier von Graf Meran, Fotograf, Musiker, Schauspieler und vieles mehr und zeigt auf einen Schaukasten sowie auf einen historischen Bienenstock mit einem Bild von Erzherzog Johann.
Entstanden ist der Weg als Idee, die Inhalte des Jagdmuseums in der Natur erlebbar zu machen. Und genau dieser ökologische Kreislauf, bei dem alles ineinander fließt, wird hier auf Schritt und Tritt spürbar.

So wird einmal die alte Schmiede wieder instand gesetzt und gleich daneben ist eine Gartenanlage mit Hochbeet des Museums zu bewundern. Darüber trohnt ein Insektenhotel, das einen wunderbaren Kontrast zur Architektur von Schloss Stainz abgibt.

Beim Weitergehen sieht man eine der selten gewordenen Streuobstwiesen, in der auch noch sehr alte Bäume zu sehen sind: "Das ist ein idealer Lebensraum vor allem für den Wiedehopf, der hier wieder ansässig geworden ist", erklärt Fladenhofer. Diese Wiese wird auch erst Mitte Juni gemäht, wenn die Gräser ausgeblüht sind und die natürliche Bestäubung und Vermehrung stattfinden kann.


Hecken und Rosen

Eine romantische Lindenallee empfängt die Spaziergänger mit ihrem wunderbaren Duft und einem angenehm beschatteten Klima.
An einem idyllisch gelegenen Weiher kann man einfach auch einmal stehen bleiben und die Stille genießen.

"Dieser Weg ist ja nicht nur für Spaziergänger und Wanderer", freut sich Fladenhofer über ein friedliche Koexistenz der Fußgänger mit Mountainbikern und Reitern.
Außerdem ist Fladenhofer an jedem Mittwoch, außer an Feiertagen, mit den Kindern der Volksschule Stainz unterwegs, um hier bei diversen Stationen das Erlebnis Natur und den ökologische notwendigen Kreislauf spielerisch weiterzugeben. "Das ist immer ein Hallo! Wir bauen dabei gerne ein Wasserrad oder kleine Staudämme, um so auch die Wasserkraft und ihren Sinn zur Erzeugung von elektrischem Strom nahezubringen. Und wir spielen, spazieren barfuß entlang des Weges, lassen flache Steine über das Wasser springen und gehen auch baden", erklärt Helmut Fladenhofer auf dem Weg vorbei an Rosenhecken zur Brücke über den Lemsitzbach.

Diese wurde von den damals noch nicht fusionierten Gemeinden Georgsberg und Stainz gemeinsam saniert. Der Blick richtet sich dabei direkt auf das Technologiezentrum Georgsberg. Weiter führt der Weg entlang des Lemsitzbaches, der 500 Meter weiter oben in den Stainzbach mündet.

Jeder Lebensraum tickt anders

Fladenhofer geht es dabei um eine ganz konkrete Bewusstseinsbildung: "Meine Intention als Förster ist es, die verchiedenen Lebensräume näher zu bringen. Schließlich wachsen an einem stehenden Gewässer andere Pflanzen als an einem Fließgewässer. Und auch die Tierwelt ist jeweils anders", so Fladenhofer und zeigt auf Wurmfarn oder auch den Faulbaum, sowie den Holler als Apotheke Gottes. Leider gibt es auch das Springkraut als Vertreter der invasiven Neophyten, aber auch den gemeinen Bärlauch, der als Viagra des Waldes bezeichnet wird.

Der Lebensraum Wald benötigt besonders viel Wasser, auch wenn es von Jahr zu Jahr weniger regnet. Schließlich beträgt die Wasserspeicherkraft von Bäumen zwischen 10 und 100 Liter täglich. Somit kann der Wald über die Photosynthese im Zusamenspiel von Wasser und Licht Sauerstoff erzeugen und dabei CO2 binden.

Der begleitende Zaun ist eine forstliche Auszäunung für ein anerkanntes Versuchsrevier forstlicher und jagdlicher Natur.

Immer wieder sind auch Nistkästen zu sehen, aber auch Fledermauskästen. "50 dieser Fledermauskästen sind gemeinsam mit Schülern der NMS Stainz entstanden", so Fladenhofer. Schließlich sind im Schloss etliche Fledermäuse, die gerne die Nähe zum Wasser suchen.
Auch eine Hochsitz mit einer Doppelkanzel ist aufgestellt worden, um eine Aussichtsplattform zu bieten, sowie ein Baumtelefon, auf dem man sogar balancieren kann.


Geburtstag mit dem Förster

Neben den Führungen mit Kindern wird eine besondere Art für die persönliche Feier geboten: "Ja, Geburtstag feiern mit dem Förster - das bieten wir seit einem Jahr und entwickelt sich zu einem absoluten Renner", so der Oberförster und ergänzt: "Spannend sind auch die Kräuterwanderungen mit einer Kräuterpädagogin, bei denen man genau erfährt, welche Pflanzen sich gut im Salat machen oder bei dem einen oder anderen Wehwechen helfen."
Schließlich soll der relativ barrierefreie Weg auch abseits eines Waldes von jedem genutzt werden und so zum Selbstläufer werden.
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Gerhard Woger aus Deutschlandsberg | 29.06.2017 | 10:23   Melden
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