28.10.2016, 10:09 Uhr

Was ist dran an den Clownsichtungen?

Die "Horrorclowns" gibt es auch in Deutschlandsberg, von Attacken blieb der Bezirk bisher aber verschont. (Foto: Public Domain Pictures)

Auf Facebook gehen reihenweise Fotos von "Horrorclowns" im Bezirk Deutschlandsberg umher. Maskierte waren tatsächlich unterwegs, schwerwiegende Vorfälle gab es vor Halloween noch keine.

Der höchst umstrittene Trend ist längst auch bei uns angekommen: Verkleidete Menschen mit Clownmasken tauchen bereits Wochen vor Halloween auf den Straßen auf. Manche sollen sogar mit Messer oder Kettensäge bewaffnet unterwegs sein, dass es nicht nur beim Erschrecken bleiben kann, zeigen Berichte auch aus der Steiermark. Meistens weiß man als überraschter Fußgänger allerdings nicht, was man von den „Horrorclowns“ erwarten kann. „Es darf in Österreich jeder maskiert gehen, da gibt es kein Verbot“, erklärt Karl Sungi, Chefinspektor des Bezirkspolizeikommandos Deutschlandsberg. Krampus und Perchten gehören in unserem Land ja zum Brauchtum. „Solange man sich normal bewegt und nur eine Verkleidung trägt, ist das nichts Strafbares.“ Nicht nur das körperliche Attackieren anderer Personen würde eine Straftat darstellen, gefährliche Drohung oder Nötigung ebenso. Bereits die Ordnungsstörung an einem öffentlichen Ort wäre strafbar, würde ein Clown etwa vor ein fahrendes Auto springen, könnte die Straßenverkehrsordnung ins Spiel kommen. Dennoch sind der Polizei in gewisser Weise die Hände gebunden. „Wir können nur präventiv wirken“, meint Sungi. „Es ist schwierig: Nur weil jemand zu Halloween ein Clownkostüm trägt, wird derjenige kontrolliert?“

Verbreitung im Internet

In der Halloweennacht dürfte diese Problematik noch ein großes Stück heikler werden. Verstärktes Polizeiaufgebot wird es in der Nacht auf Dienstag nicht geben, laut Sungi ist das personell nicht möglich. „Wenn wir von einem gewissen Ort hören, wo jemand unterwegs ist, werden wir die Tätigkeit der umliegenden Streifen dorthin verlegen, um präsent zu sein“, so der Chefinspektor. „Aber da muss es jemanden geben, der sagt, er fühlt sich unwohl.“ Scherzanrufe bei der Polizei wären also genauso wenig hilfreich wie gefälschte Fotos, die im Internet kursieren. Facebookseiten, die vor gesichteten Clowns an Orten in der Steiermark warnen, erreichen mit ihren Posts mehrere tausend Leute. Diese werden von Privatpersonen geführt, welche zwar eine gut gemeinte Absicht haben, jedoch Echtheit und Aufnahmeort der ihnen zugeschickten Bilder kaum überprüfen (können). Die Angstmache der Clowns wird damit indirekt nur verbreitet - und genau das ist wohl das einzige Ziel solcher maskierten Gestalten, denn viel mehr Denkvermögen dürfte nicht hinter diesen Aktionen stecken.

Haftstrafen möglich

Dass in letzter Zeit tatsächlich Personen im Bezirk Deutschlandsberg mit Clownkostümen auf den Straßen waren, bestätigt die Polizei. Anzeigen gingen aber noch keine ein. „Es waren ein paar Verkleidete unterwegs, aber es gab keine Vorfälle. Wir mussten nicht aktiv werden“, erklärt Andreas Wildbacher, Chefinspektor der Deutschlandsberger Dienststelle. Es sei zwar nicht auszuschließen, dass Leute bedroht wurden, meint Sungi, aber diese könnten keine Anzeige eingebracht haben. „Bei uns haben nur Leute angerufen, die ‚erschreckt‘ wurden“, bestätigt Wildbacher, in Stainz und Groß St. Florian seien etwa gar keine Sichtungen bekannt. Bisher ist der Bezirk Deutschlandsberg von diesem skurrilen Geschehen also eher verschont. Man kann nur hoffen, dass es so bleibt, bevor irgendwo wirklich etwas Ernstes passiert, immerhin sprechen nicht wenige schon von Selbstjustiz, sollten sie einem Clown begegnen. Die Polizei rät hingegen zu einer Anzeige, wenn man bedroht wird. Möglicherweise der effektivste Weg, um den Irrsinn zu beenden - bis zu ein Jahr Haft können die Täter dafür ausfassen.
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