15.10.2014, 05:00 Uhr

Ein Ortschef mit Herzblut seit 15 Jahren

Bgm. Friedrich Pauritsch ist mit Leib und Seele ein Wernersdorfer, auch in Zukunft. (Foto: KK)

Friedrich Pauritsch, Bürgermeister der Gemeinde Wernersdorf im Interview.

Herr Bürgermeister Pauritsch, Sie werden mit 31. Dezember 2014 genau 15 Jahre Bürgermeister von Wernersdorf sein. Wie hat sich die Gemeinde in dieser Zeit entwickelt?

Es ist sehr schwer, einen so langen Zeitraum kurz und bündig wiederzugeben; aber ich kann doch mit ruhigem Gewissen sagen, dass wir uns in Summe zielorientiert vorwärts bewegt haben!

Welche Vorhaben und Ereignisse haben während dieser Zeit Wernersdorf und Sie bewegt bzw. was haben Sie für die Gemeinde realisiert?

Ich kann mich noch sehr gut an mein erstes Treffen mit unserer damaligen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic erinnern, wie auch an den Besuch von Bischof Dr. Egon Kapellari im Jahr 2001. Viel Freude haben mir die Geburtstagsfeiern mit alten Menschen gemacht – einfach mal zuhören, und staunen! Wenn man von Projekten reden will, sind es sicherlich die vielen Straßensanierungen und Neubauten in allen Katastralgemeinden, die Errichtung der Wohnanlage „Am Kogl“, der Neubau unseres WIP-Erlebnisbades, die Ortsgestaltung mit dem Sportplatz und die Generalsanierung des Multifunktionsgebäudes mit der Volksschule, dem Kindergarten, dem Rüsthaus und zwei Wohnungen.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Das Projekt „Sulmklammdirndl“ hat mich stolz gemacht. Es war eine Freude, im Rahmen eines Dirndlsonntages dieses Festgewand zu präsentieren.

Mit dem Schilcherberg, dem SchilcherDORF und mit dem EmmausWein ist in Wernerdorf eine dreifache Markenbildung gelungen. Wie sehen Sie dahingehend die Weiterentwicklung in der Gemeinde?

Mir hat einmal jemand gesagt, die Idee ist maximal 10% von der Gesamtumsetzung eines Vorhabens wert. Ich bin auch kein Anhänger von großen Lösungen – ich hätte mir aber gewünscht, dass die Zusammenarbeit der Wernersdorfer Winzer durch diese Projekte noch enger geworden wäre – also rund um Produktion, Vermarktung u.a.

Welche Vorhaben sind bei einer Vision geblieben?


Viele; aber konkret nenne ich einen Gemeinschaftskeller aller EmmausWinzer unter der Emmauskapelle.

Wie steht es um die Wirtschaft von Wernersdorf?

Dem Team im jetzigen ECO-Park ist es gelungen an der Wiederansiedelung von Betrieben mit gutem Erfolg zu arbeiten. Es wurden auch viele „Einmannbetriebe“ gegründet. So sind wir heute breiter und damit krisensicherer aufgestellt.

Wie ist Wernersdorf infrastrukturell aufgestellt? Sind der Schulstandort sowie der Kindergarten in Wernersdorf gesichert?


Durch die beständige Weiterentwicklung sind wir in allen Bereichen sehr gut aufgestellt. Was Schule und Kindergarten anbelangt, ist die Kinderstatistik sehr positiv und von Seiten des Landes ist auch nicht an eine Schließung gedacht.

Um die aktuelle Infrastruktur in Wernersdorf zu stärken, welche Maßnahmen sollten dazu ergriffen werden?

Sehr gut gefallen hat mir diesbezüglich die Initiative der Gemeinde St. Oswald mit der Installierung eines Geldausgabe-Automaten. Auch die Idee, in der neuen Gemeinde Eibiswald die jetzigen Gemeindeämter unter dem Deckmantel der Gemeindestrukturreform nicht einfach zu schließen, sondern mit Fachreferaten aufzuwerten, ist gut. Es heißt doch immer: Die anderen sperren alles zu!!! (Post, Polizei, Bank!) Doch gewisse Gemeindepolitiker haben bei uns nichts anderes vor. Das ist mir zu wenig, das auch zu tun, einfach weil es der leichtere Weg ist.

Wie steht Wernersdorf finanziell da?


Das liebe Geld; ich habe schon auf diese Frage gewartet; Natürlich müssen größere Investitionen immer wieder längerfristig finanziert werden. Aber da war und ist es mir immer sehr wichtig, Fremdfinanzierungen nur für notwendige und nachhaltige Projekte heranzuziehen. Wernersdorf kann zwar momentan den ordentlichen Haushalt nicht ausgleichen, dass beruht aber nicht auf eigenem Verschulden, (die Gebührenhaushalte in unserer Gemeinde werden wie vom Land gefordert kostendeckend geführt) sondern auf unbeeinflussbare Ereignisse. (z.B. Weg- bzw. Ausfall von Kommunalsteuern; Rückgang bei Ertragsanteilen u.a.)

Bekannt ist, dass Sie der Gemeindefusion kritisch gegenübergestehen und auch heuer aus den Fusionsverhandlungen mit Wies, Limberg bei Wies und Wielfresen ausgetreten sind. Glauben Sie, dass durch eine Zwangsfusion Wernersdorf eine Sonderstellung zukommt?


Da muss ich Ihnen ein wenig widersprechen; wir sind nicht ausgetreten, sondern wurden „ausgeladen“ weil wir mehrheitlich den Fusionsvertrag nicht unterschrieben haben. Was im übrigen auch der Gemeinderat von Eibiswald mit dem Vermerk, dass der dortige Vertrag nur festgeschriebene Dinge beinhaltet, getan hat. In unserem Vertrag ging/geht es um Dinge, die festgeschrieben sind bzw. derzeit noch nicht fixiert werden können. Und zur zweiten Frage; Wernersdorf wird und darf keine Sonderstellung einnehmen. Nur der neue Gemeinderat wird und kann nötige Entscheidungen treffen. Ein Vorgreifen ohne rechtliche Bindung und Deckung, halte ich für einfache Propaganda! Und um nochmals auf meine, wie Sie sagen, kritische Meinung zurückzukommen: In der erst letzte Woche veröffentlichen OMG-Umfrage wurde gezeigt, dass die Zustimmung zur Gemeindestrukturreform deutlich zurück geht. Warum wohl: Weil es nicht nur um das Gemeindeamt sondern um die Identität der einzelnen Menschen und Orte geht.

Vor einigen Wochen gab es Schlagzeilen mit dem Vorwurf des „Übergenusses“ gegen Sie und den Gemeindevorstand, genauer gesagt geht es um eine 25prozentige Erhöhung der Bezüge, die nach einem Gemeinderatsbeschluss im Juni auch für die davor liegenden Monate des Jahres 2014 rückwirkend ausbezahlt worden sind. Wie ist in dieser Angelegenheit der aktuelle Stand der Dinge?


Ich bin froh, dass Sie nach meiner Meinung fragen. Es ist schlimm, wenn Neid, Missgunst und Angst Einzug halten. Damit meine ich, dass diese Personen, die diese Schlagzeilen bzw. Hetzkampagne inszeniert haben, nicht ihre Leistungen und Ideen ins Licht stellen, sondern nur versuchen, Fehler bei anderen zu suchen, anstatt sich den wirklich wichtigen Dingen zu widmen. Konkret ist es so, dass drei Institutionen bzw. Juristen zu 100 % der Meinung sind (dies liegt schriftlich vor), dass die angesprochene Erhöhung rechtlich in Ordnung und vertretbar ist. (Herr Dr. Osimic, GF vom Gemeindebund; Landesamtsdirektor a.D. Univ.Prof. Dr. Wielinger und Frau Univ.Prof. Dr. Kucsko-Stadlmayer – Richterin am Verfassungsgerichtshof). Lediglich HR Dr. Manfred Kindermann (Referat Gemeinderecht und Wahlen) hat mitgeteilt, dass er diese Rechtsmeinung nicht teilt. Es gibt Stimmen, die sagen, das müsste jetzt am Landesverwaltungsgericht ausgetragen werden. Der Gemeindevorstand von Wernersdorf hat Anfang September beschlossen, diesen Betrag freiwillig zurückzuzahlen, was mit der Oktoberlohnverrechnung übrigens auch schon passiert ist.

Mit welchen Empfindungen sehen Sie dem letzten Tag als Bürgermeister am 31. 12. entgegen?
Ich freue mich auf diesen Tag. Diese Strukturreform gibt mir die Möglichkeit, einmal stehen zu bleiben und mich neu zu orientieren. Und dann weiter zu gehen!

Werden Sie für das Bürgermeisteramt der Großgemeinde Wies kandidieren?

Jetzt einfach „Ja“ oder „Nein“ sagen zu können, wäre schön. Es gibt Stimmen in mir, die sagen, 30 Jahre Gemeindeverwaltung bzw. 25 Jahre Gemeindepolitik (fünf Jahre als GR, fünf Jahre als Vzbgm. und 15 Jahre als Bürgermeister), das ist genug. Andererseits ist das mein Leben. Vom ersten Tag (1. Juli 1985), bei meinem damaligen Chef Bgm.a.D. ÖR Roman Koinegg, bis zum heutigen Tage habe ich mich mit meiner Heimatgemeinde beschäftigt, in Vereinen mitgewirkt, das Gemeindeamt geleitet und Politik gemacht. Wäre eigentlich auch logisch, diesen Weg weiter zu gehen oder eben zu gehen. WERBUNG
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