21.03.2016, 09:38 Uhr

"Du musst fast Vater für alle sein" - Damijan Peruš im Interview

Damijan Peruš beschreibt sich selbst als Trainer, der viel Wert auf Disziplin legt: "Die fußballerische Entwicklung ist bei mir vielleicht nicht immer an erster Stelle." (Foto: SV Sulmtal-Koralm)

Damijan Peruš trainiert die Kampfmannschaft des SV Sulmtal-Koralm und die U15 des NZ Sulmtal. Der 35-jährige Sportwissenschaftler ist hauptberuflich Lehrer in Slowenien, trainierte früher u.a. die slowenische Damennationalmannschaft und wurde mit dem NZ Sulmtal 2014 österreichischer Vizebundesmeister. Die WOCHE hat ihn zu einem persönlichen Interview getroffen.

Vor zwei Jahren warst du mit der U12 im Bundesfinale, das ist jetzt deine U15?

Genau, die Mehrheit ist da geblieben. Einer ist jetzt beim DSC, einer war beim GAK und ein paar ältere sind dazugekommen, Jahrgang 2001. Also die Mehrheit spielt jetzt nach der U12 mit um ein Jahr älteren zusammen. Mit den Jungs aus dem Jahrgang 2002 war ich Zweiter im Bundesfinale, dann sind wir in der U14 eingestiegen und jetzt haben wir in der U15-Leistungsklasse gespielt.


Wie war das beim Bundesfinale?

Zuerst gab es die Qualifikation in der Steiermark, da wurden wir Erster. Für mich war das eigentlich das schönste Ergebnis als Trainer, neben Nationalteam und allem hier bei Sulmtal-Koralm. Es war wirklich ein großes Ereignis, besonders für die Kinder. Zuerst in der Steiermark der erste Platz und dann das Bundesfinale in Wien am Gelände von Austria Wien. Das waren zwei Tage und wir sind mit Leidenschaft, Herz und natürlich ein bisschen Glück ins Finale gekommen.


War das dein größter sportlicher Erfolg insgesamt?

Nein, das glaube ich nicht. Sportlich nicht, aber für mich war es der schönste.

Welches Potential steckt in dieser Mannschaft? Wo können die Jungs in ein paar Jahren spielen?
Das ist immer sehr schwer zu prognostizieren. Ich denke, um heutzutage im modernen Fußball ganz oben mitzuspielen, muss ein Jugendlicher wirklich komplett sein. Erstens braucht er das Talent, zweitens muss er diese Freude am Training, an der Arbeit, natürlich auch am Fußball haben. Es sind ein paar Jungs dabei, die können, glaube ich, auch ziemlich hoch spielen. Wie hoch, das ist relativ.


Du bist seit fünf Jahren beim NZ Sulmtal. Wie siehst du deine Arbeit in dieser Zeit?

Also ich habe diese Mannschaft in der U10 übernommen. In der U12 sind dann ein paar aus Schwanberg dazugekommen und da hat sich dann auch diese Mannschaft komplementiert. Wir haben zuerst in St. Martin trainiert, die Spiele waren dann ab und zu dort und in Schwanberg. Sicherlich war es für die Jungs und für die Eltern ein großer Unterschied. Besonders weil ich, wie soll ich sagen, ziemlich „streng“ war. Ich gebe sehr viel auf Disziplin. Ich werde nie mein erstes Spiel vergessen. Da sind die Eltern vor dem Spiel in die Kabine gekommen und wollten die Fußballschuhe der Kinder schnüren. Da habe ich zuerst nett gesagt, dass sie eigentlich in der Kabine nichts zu suchen haben, damit sie das verstehen. Wenn einer nicht selber die Schuhe binden kann, dann mache ich das. Da habe ich eigentlich schon diese Distanz geschaffen, dass ich in Ruhe mit den Jungs arbeiten kann. Es war auch eine glückliche Mischung, sag ich mal, aus Talenten, die ich bekommen habe, die bereit waren, meine Ansprüche zu erfüllen und so zu trainieren. Mit einem Trainingsprozess, der dann von Stufe zu Stufe gegangen ist, sind wir dann weitergekommen.


Muss ein Jugendtrainer für einen Spieler ein Freund oder eine Art Vaterfigur sein?

Ich glaube, am besten ist eine wirklich gute Mischung. Wir dürfen nicht vergessen, das sind Kinder, die sind im Erziehungsprozess, in der Entwicklung, mental und fußballerisch. Da musst du wirklich fast Vater für alle sein. Also eigentlich alles, von Physiotherapeut bis Trainer. Aber je konstruktiver du von Anfang an bist und viel Wert auf diese Sachen legst, desto weniger Arbeit ist es dann einmal. Du hast viel weniger Arbeit in Sachen wie Disziplin. Bei Turnieren zum Beispiel, wenn wir nicht spielen, hab ich immer gesagt, wir setzen uns auf die Tribüne. Oder nach dem Ende des Turniers machen wir unsere Kabine sauber.


Wie ist deine persönliche Verbindung zu Schwanberg, Hollenegg und der Umgebung?

Ich glaube, die Eltern haben mich so genommen, wie ich bin. Da spüre ich vollsten Respekt. Ich habe auch große Unterstützung von allen Vorständen, die mir auch ermöglichen, dass ich hier diese Arbeit leisten kann. Peter Temmel war der erste, der mich eigentlich empfohlen hat, das hab ich auch ihm zu verdanken. Und natürlich hab ich dieses Vertrauen vom jetzigen Obmann Hans Kienzer, auch vom vorigen, Herrn Oswald, oder von Walter Glockengießer und allen, die hier sind.


Wie bist du eigentlich hierher gekommen?

Ich habe in Kärnten beim WAC gespielt und dann habe ich einen Verein gesucht. Durch einige Verbindungen habe ich dann Kontakt mit St. Martin aufgenommen. Da war ich zuerst nur Spieler, dann Spielertrainer und dazwischen bin ich auch schon Nachwuchstrainer geworden.


Was motiviert dich mit Jugendlichen zu arbeiten?

Mit der Motivation ist das bei mir sehr leicht, weil eigentlich ist das mein Beruf. Früher war ich auch selber Profi in einer sehr guten Fußballnachwuchsschule in Dravograd, zuerst als Spieler, dann auch als Trainer. Ich habe Lust darauf zu schauen, wie sich die Jungs entwickeln. Bei mir ist diese fußballerische Entwicklung vielleicht nicht immer an der ersten Stelle, sondern vielmehr diese soziale Integration, diese Freude am Fußball, die Disziplin. Weil wir müssen wissen, in diesem Nachwuchszentrum hast du sehr gute Talente und du hast auch einige, bei denen weiß ich, die werden wahrscheinlich nie irgendwo hoch Fußball spielen. Und die sollen auch etwas davon bekommen. Das ist eigentlich auch meine Aufgabe, die Kinder zu einer verantwortungsvollen, gesunden Persönlichkeit zu erziehen.


Wie gehst du mit Jugendlichen um, bei denen du erkennst, dass das Talent nicht ausreichend ist?

Sowas würde ich zu keinem Spieler sagen. Ich rede nichts davon, ich unterstütze ihn dabei, so wie es ist. Weil einige dieser Spieler haben vielleicht noch mehr Trainingswillen als andere. Wir dürfen auch diesen Arbeitswillen nicht unterschätzen. Ich habe selber Spieler gekannt, die waren vielleicht in der Jugend nicht so talentiert, aber sind dann viel weiter gekommen als andere, die talentiert genannt wurden. Also da würde ich keinen ausschließen, wirklich keinen.


Wenn du einen Spieler mit Talent hast, der aber seine Fähigkeiten oder sich selbst überschätzt, wie gehst du mit dem um?

Das einfachste ist, zu probieren, so einem Spieler auf realistische oder objektive Art zu erklären, wie es eigentlich ist. Entweder beim Training auf Kritik eingehen, zu schaffen, dass er auch fähig ist, Kritik anzunehmen. Oder bei einem Spiel solche Spieler noch mehr pushen. Vielleicht haben sie dann schon genug von mir, aber wenn solche Spieler auch echte Typen sind, werden sie sich weiter hoch entwickeln. Und diese haben dann auch Möglichkeiten. Ich weiß nicht, hier in der Umgebung ist für viele sicher Deutschlandsberg ein Ziel, für einige Sturm, für einige Bayern. Was jetzt realistisch ist, ist eine andere Frage und von vielen Sachen abhängig.


Wo siehst du dich in 20 Jahren, im Erwachsenen- oder Juniorenfußball?

Das ist jetzt so schwer zu sagen. Ich bin, glaube ich, auf einem guten Weg, auch hier, und wohin dieser Weg mich bringt, das weiß ich nicht. Mein Ziel ist sicherlich einmal Profitrainer zu werden. Ob das jetzt in einer organisierten Fußballakademie oder einer guten Kampfmannschaft ist, ich glaube, ich habe überall meine Attribute und überall gibts noch Millionen Dinge zu lernen. Ich bin auch selbstkritisch, jeden Tag muss man Neues erfahren und sich entwickeln, als Trainer, als Spieler, als, ich weiß nicht… als Elektriker, überall ist das so, wie halt jeder Einzelne motiviert und ambitioniert ist.


Gibt es oft Momente, wo du dir denkst ‚Das ist mir schon zu viel‘?

Ja sicher, das kann glaub ich keiner sagen, dass es nicht so ist. Besonders weil es bei mir um die gleiche Belastung geht. Zuerst gehe ich in der Schule mit Kindern um, dann habe ich hier die Nachwuchsmannschaft. Das ist die gleiche Arbeit, physisch nicht so anstrengend, aber mental. Und am Ende kommt dann die Kampfmannschaft, wo du manchmal schon fast leer bist. Sicherlich kommen solche Momente, aber bei mir oft vor dem Training. Sobald das Training einmal beginnt, falle ich in diesen Film und da kann mich dann keiner stoppen.
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