02.06.2017, 12:38 Uhr

Jerko Grubisic: „Lasst die Kinder kicken, denkt nicht ergebnisorientiert!“

Jerko Grubisic schaute mit seinem DSC-Co-Trainer Christian Ziegler beim Super Kids Cup in Deutschlandsberg genau zu. (Foto: Franz Krainer)

DSC-Trainer Jerko Grubisic gilt als profunder Kenner des Jugendfußballs in Österreich und im ehemaligen Jugoslawien. Die WOCHE hat mit ihm beim Super Kids Cup in Deutschlandsberg gesprochen.

Wie schätzt du das Niveau des Super Kids Cups im Vergleich zu den letzten Jahren ein?
JERKO GRUBISIC: Ich denke, dass die Veranstalter verständlicherweise möglichst viele Teams teilnehmen lassen wollten, das drückt natürlich ein wenig das Niveau. Grundsätzlich sind die Leistungen der Spitzenteams aber beeindruckend.

Viele Teams aus deiner ehemaligen Heimat landeten in den Ergebnislisten ganz vorne. Wo ist der Unterschied zu unseren Jungkickern?
In Kroatien zum Beispiel stehen die Eltern total zur Jugendausbildung, bezahlen bis zu 350 Euro pro Jahr und kaufen alle notwendigen Utensilien selbst. Die Jungs trainieren vier Mal pro Woche, dort liegt der Hauptunterschied. In Österreich muss alles gratis sein, noch dazu mischen sich die Eltern oft viel zu unqualifiziert in die Trainingsarbeit ein. Ich bin grundsätzlich dagegen, dass sich Unbeteiligte einmischen, verurteile das genauso, weil sich das auf die Disziplin der jungen Kicker stark auswirkt. Mein Rat: Hört auf den Trainer, nicht auf den Papa. In der Schule lernt der Schüler ja auch vom Lehrer.

Gibt’s ein Patentrezept für die Jugendausbildung?
Nein, aber die Mentalität und die Begeisterung muss überall da sein. Ich mache auch viele Trainings mit jungen Menschen, habe mit Markus Sommersguter und Co-Trainer Christian Ziegler sowie Obmann Klaus Suppan Partner, die meine Philosophie mittragen und kenne die Probleme.

Wie schaut diese Philosophie aus?
Lasst die Kinder kicken, denkt nicht ergebnisorientiert und gebt den Kindern die besten Trainer, die man nur haben kann. Dann gibt es in Österreich auch mehr Alabas und Arnautovic's. Die Gefahr ist vor allem, dass die Provinz den Anschluss an die Zentren in der Fußballausbildung verliert. Damit stirbt der Provinzfußball. Man muss nur nachdenken, wie viele Nationalspieler in den letzten Jahrzehnten aus dem Bezirk Deutschlandsberg gekommen sind wie früher Gernot Fraydl, Rudi Steinbauer, Arnold Wetl oder Toni Ehmann.

Das Gespräch führte Franz Krainer

Mehr zum Super Kids Cup 2017 in Deutschlandsberg gibt's hier.
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