10.04.2017, 10:56 Uhr

Dank kleiner Ökostromgesetz-Novelle: Werden Biogasanlagen bald zu Museen?

Der Fördertarif für die Biogasanlage in Frauental läuft noch heuer aus, bald könnte sie gar nicht mehr betrieben werden.

Nächste Woche könnte die Novelle des Ökostromgesetzes im Parlament endgültig beschlossen werden. Für manche Biogasanlagen könnte es das Aus bedeuten.

„Wir haben keine Lobby. Wir wundern uns, dass uns überhaupt zugehört wird.“ Werner Ninaus ist einer von 290 Biogasanlagenbesitzern in Österreich. Er betreibt seit 2005 in Preding eine solche Anlage zur Strom- und Wärmeproduzierung aus Biomasse, Christian Polz und Josef Nebel in Frauental seit 2004. Warum man ihnen zuhören sollte? Weil Biogasanlagen in Österreich bald zudrehen könnten.
Noch ist nichts beschlossen, weil sich das Parlament nicht auf eine Novelle des Ökostromgesetzes einigen konnte. Das könnte bei der nächsten Sitzung am 26. April aber passieren (zuletzt fehlten der Regierung die Stimmen der Grünen). Neben Erleichterungen für Photovoltaikanlagen und Bürokratieabbau sieht der neue Gesetzestext auch Ausstiegshilfen für unrentable Biogasanlagen vor.

Zu wenig Förderung

Diese wurden in ganz Österreich in den 2000er-Jahren zahlreich gebaut. Vereinbart wurde damals ein Fördertarif für die Betreiber über 13 Jahre. Die meisten Anlagen werden diese Grenze heuer oder in den nächsten zwei Jahren überschreiten, bräuchten also einen Nachfolgetarif. Der soll mit der Gesetzesnovelle für alle effektiv betriebenen Biogasanlagen auch kommen. Ninaus und Polz sehen darin aber einen Haken: „Der Tarif ist mit fünf Millionen Euro gedeckelt, das geht sich maximal für ein Drittel der Anlagen aus.“ Für Bezirksbauernbundobmann Polz ist das viel zu wenig, um Biogasbetrieb in Österreich aufrecht zu erhalten, er fühlt sich auch ein wenig hintergangen. 20 Jahre ist die technische Lebenszeit solcher Anlagen, woanders in Europa ist diese Förderlaufzeit Standard. „Es hat immer geheißen, nach 13 Jahren wird über einen Nachfolgetarif für sieben Jahre neu verhandelt“, so Polz, der wie Ninaus viel Geld in seine Anlage gesteckt hat. Manches sei noch gar nicht zurückgezahlt, dafür bräuchte es eine Förderung über 20 Jahre.

Keine geruchlose Gülle mehr?

Dass die beiden nie ein Geld mit dem Biobetrieb verdient haben, ist für Polz zweitrangig. Er findet es viel mehr unverständlich, dass ein System, das „gar nicht schlecht hin haut“ und öffentlich gefördert wurde, nun sterben soll. Er hat zehn Häuser an sein Wärmenetz angeschlossen, Gemeinde und Nachbarn bringen Grünschnitt zu Bioanlagen, die diesen - genauso wie ungenießbare Reste aus der Tierfütterung - entsorgen können. Durch den kostenaufwändigen 24-Stunden-Betrieb kann man immer Strom liefern. Dass die Gülle, die Bauern auf ihre Felder spritzen, vielfach nicht mehr stinkt, liegt an den Biogasanlagen. Die dort vergärte Jauche wird durch Umwandlung des Ammoniaks nahezu geruchlos.

Entsorgung zu teuer

Polz’ Förderung läuft noch heuer aus, Ninaus bekommt ab dem nächsten Jahr keinen Tarif mehr. Im Bezirk Deutschlandsberg stehen noch zwei weitere Biogasanlagen, in der ganzen Steiermark gibt es 37, wovon schon einige vom Netz gingen. „Ich hab meinen Betrieb auf Biogas ausgerichtet, ich weiß nicht, was ich tun soll, wenn wirklich zugedreht wird“, ist Ninaus besorgt. Im Gesetzesentwurf steht zwar eine Abwrackprämie, die würde aber wohl erst in ein bis zwei Jahren gültig werden. „Die kriegt dann keiner mehr, weil bis dorthin die meisten Anlagen ausgelaufen sind“, meint Ninaus. Polz würde eine Entsorgung seiner Anlage 400.000 Euro kosten, also wird er sie auch bei Abschaltung stehen lassen. „Tut zwar auch keinem weh, dann haben wir halt ein Biogasmuseum“, so Polz. „Die Gülle stinkt wieder und den Strom kaufen wir woanders zu.“
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