14.11.2016, 12:57 Uhr

Klassische Berufswahl-Rollenbilder ändern sich

Sebastian Nunner fühlt sich gut informiert beim Boys-Day. (Foto: Franz Krainer)

Der Boys-Day in Deutschlandsberg zeigte neue Perspektiven bei der Berufswahl für Burschen auf.

DEUTSCHLANDSBERG. Der Bub wird Elektriker, die Tochter hat eine Lehrstelle als Friseurin!“ Ein Beispiel für Rollenbilder in der Berufswahl bei Frauen und Männern. Doch unsere Gesellschaft ändert sich rasend schnell, setzt neue Anforderungen und einst geschlechtsspezifische Berufsinteressen sind heute kaum noch gültig.

Veränderter Arbeitsmarkt fordert neue Modelle

Bedarfsanalysen zeigen die geänderten Notwendigkeiten auf dem Arbeitsmarkt deutlich, auf die bereits im Elternhaus und in der Schule großes Augenmerk gelegt werden muss, um „nicht am Markt vorbei“ auszubilden, gleiche Chancen für Burschen und Mädchen zu schaffen und umfassende Informationen über zukunftsorientierte Berufe zu vermitteln, welche die neuen Chancen in der Arbeitswelt erkennbar machen!“ Das Bewusstsein für diese Veränderungen in unserer Gesellschaft wächst leider viel langsamer als die gesellschaftlichen Bedürfnisse. Die NMS Schwanberg hat mit einer Gruppe von 13jährigen Schülern dieser Tage an einem steiermarkweiten „BOYS-Day“ teilgenommen, den im Bezirk Deutschlandsberg von Johanna Eberhart (StreetworkerIn, Sozialverein Deutschlandsberg) ausgerichtet wurde. Die Statistik macht die Notwendigkeit solcher geschlechtsübergreifender Berufsorientierung deutlich, die Umsetzung ist aber mühsam. Männer werden in pädagogischen und sozialen Berufen genauso notwendig gebraucht wie Frauen, , die Zweiteilung der Berufswelt in „männlich“ und „weiblich“ in Österreich hat sich in den letzten 30 Jahren aber kaum verändert. 1,4% betrug die Männer-Betreuungs-Quote in Österreichs Kindergärten im Jahr 2014/2015. Die Chance, in Volksschulen von einem Mann unterrichtet zu werden, liegt derzeit bei 8%. In Senioren- und Pflegeeinrichtungen sind 13% aller Pflegekräfte männlich. Trotz verstärkter Überzeugungsarbeit war die „gewachsene“ Einstellung bei den Jugendlichen auch am „Boys-Day“ deutlich spürbar: während die Schwanberger Schüler aufmerksam den Ausführungen der Deutschlandsberger StreetworkerInnen folgten, sich vor allem für das Thema Sucht sehr interessierten, konnten sich viele Teilnehmer trotzdem nur einen „technischen Beruf“ vorstellen.


Schnuppertage zur Berufsorientierung

Renate Maritschnigg ist als Pädagogin an der NMS Schwanberg, unter anderem für die Berufsorientierung zuständig und findet das Angebot solcher „Schnuppertage“ grundsätzlich sehr wichtig. „Meine Jungs haben hier die Möglichkeit, Berufe jenseits des üblichen Rollenklischees kennenzulernen, leider ist die gesellschaftliche Akzeptanz bei Sozialberufen für Burschen gefühlsmäßig nicht sehr stark ausgeprägt. Von den heute teilnehmenden Schülern streben alle einen technischen Beruf an, die mäßige Bezahlung und die sehr flexibel gestaltete Arbeitszeit könnten weitere Gründe dafür sein, dass Sozialberufe nicht ausreichend attraktiv für männliche Berufswerber sind.


Fokus auf Sozialberufe

Die finanzielle Benachteiligung der Frauen beim Einkommen muss endlich in allen Bereichen beendet werden. Auch eine Kampagne zur gesellschaftlichen Aufwertung solch wichtiger Berufe wäre hilfreich“.
Sebastian Nunner, 13 Jahre, Schüler der NMS Schwanberg: „Für mich war der heutige Tag sehr lehrreich, ich werde trotzdem einen technisch-handwerklichen Beruf anstreben, das liegt mir einfach mehr. Ich kenne aber Leute, die einen „Streetworker“ dringend brauchen würden. Um Sozialberufe bekannter zu machen, müsste man in der Schule in Projekten viel mehr über diese erfahren können, an einem Tag ist das nicht möglich. Ich habe aber heute erkannt, dass solche Berufe für uns alle in Zukunft immer wichtiger werden!“
Erfreulich: vier Schüler der NMS Schwanberg haben sich ihren Schnuppertag selbst organisiert, zwei erkundeten den Alltag in einem Kindergarten, im Moorbad Schwanberg wurden zwei weitere über die Tätigkeit in Heilberufen informiert.

von Franz Krainer
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