04.10.2017, 17:34 Uhr

vorgezogene Haltelinien für Radfahrer in der Hardtgasse / Döblings erste Bike-Box

Die erste vorgezogene Haltelinie für Radfahrer ("Bike-Box") in Döbling
Wien: Peter-Jordan-Straße |

Im Rahmen der neuen Verkehrsorganisation der Peter-Jordan-Straße wurden in Döbling erstmals vorgezogene Haltelinien für Radfahrer realisiert. Diese in Wien in den letzten Jahren immer öfter eingesetzte Haltelinienvorziehung sorgt für eine bessere Sichtbarkeit der Radfahrer und verhindert, dass Radfahrer im Kreuzungsbereich (zu knapp) überholt werden, was aufgrund (unerwartet) entgegenkommender Linksabbieger sehr gefährlich werden kann.


Damit solche "Bike-Boxen" funktionieren können ist es wichtig, dass diese einerseits ausreichend groß dimensioniert sind (vor allem in Fahrtrichtung), aber etwas schmäler, als die Fahrspur für Kfz (dies wird auch in der RVS Radverkehr Pkt 9.2.5. empfohlen). Denn einerseits müssen die Radfahrer genug Platz haben, um sich vor den Autofahrern einreihen zu können, andererseits muss auch für weniger routinierte oder weniger gesetzestreue Autofahrer intuitiv ablesbar sein, dass die vordere Haltelinie nicht für Kfz gedacht sein kann. Ein Fahrradpiktogramm alleine stellt noch nicht sicher, dass die hintere für Kfz gedachte Haltelinie von Kfz auch befolgt wird, da es für manche Autofahrer nicht verständlich ist, warum sich Radfahrer vor den Autofahrern einreihen sollten (Achtung: natürlich nur dann, wenn dies gefahrlos möglich ist, also bei roter Ampel). So lange man nicht bedenkt, wie gefährlich das Überholen im Kreuzungsbereich werden kann, (insbesondere wenn entgegenkommende Fahrzeuge links abbiegen wollen), kann man den Sicherheitsaspekt unter Umständen auch nicht so leicht nachvollziehen. Doch unabhängig davon ist Verkehrssicherheit für Radfahrer ja immer auch etwas, was sie selbst einfordern sollten (in der StVo gibt es das Recht auf Nicht-Selbstgefährdung!), vor Allem dadurch, dass Sie sich bei einer neben Ihnen befindlichen Parkspur nicht zu weit nach rechts abdrängen lassen, da hier die Gefahr aufgehender Türen besteht. Dabei muss nicht ein Mal der Autofahrer selbst Schuld sein, denn etwa eine Person, die aus der zweiten Reihe aussteigt hat gar keine Möglichkeit in einen Rückspiegel zu schauen - und bei manchen modernen Autos klappen sich die Spiegel automatisch ein, sobald der Motor abgestellt wird, sodass selbst der Fahrer die Türe zumindest so weit auf machen muss, dass er sehen kann, ob hinter ihm ein Radfahrer kommt.

Wenn wir die Zahl der durch "Dooring-Unfälle" verletzte oder in vergleichsweise seltenen Fällen getötete Radfahrer reduzieren wollen, muss es im Bewusstsein aller Verkehrsteilnehmer ankommen, dass man als Radfahrer (insbesondere bei breiten Fahrbahnen) einen Sicherheitsabstand zu parkenden Autos von mindestens einem guten Meter einhalten muss.

Die "Bike-Box" ist ein Instrument, dass auch dabei helfen kann Radfahrer mit dem nötigen Selbstbewusstsein auszustatten, welches der Eigenschutz erfordert. Nur sehr routinierte Radfahrer verstehen, dass nur ein hupender Autofahrer, ein Autofahrer ist, der ganz sicher keine Gefahr darstellt, denn Unfälle passieren ja nicht, weil man gesehen wird, sondern weil man nicht gesehen wird. Und als Radfahrer angehupt zu werden ist ja der Beweis dafür, dass man Gott sei Dank gesehen worden ist. - Auch wenn Hupen im Stadtgebiet verboten bzw. eigentlich nur in Gefahrensituationen erlaubt ist.

Fazit, nach diesem etwas ausschweifenden theoretischen Exkurs:
Die Länge der Bike-Box in Fahrtrichtung hätte länger ausfallen sollen, damit man sich auch dann vor die Autos einreihen kann, wenn diese bereits bei der roten Ampel stehen. Die Breite der vorgezogenen Haltelinie scheint mir jedoch sehr gut gewählt, da das Aufstellen des Fahrrades vor dem Auto möglich ist, eine Mitnutzung durch (zumindest linksabbiegende) Kfz jedoch ausgeschlossen werden kann aufgrund der intuitiven Ablesbarkeit der eigenen Haltelinie.
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Robert Specht aus Döbling | 12.10.2017 | 12:57   Melden
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