Donaustadt
80-jähriger Mann stürzt schwer, keiner zahlt

Werner Deutsch (r.) ist mit seinem Nachbar Gerhard.
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  • Werner Deutsch (r.) ist mit seinem Nachbar Gerhard.
  • hochgeladen von Sophie Alena

DONAUSTADT. Werner Deutsch ist 80 Jahre alt und eigentlich fit. Täglich geht er spazieren, um auf Trapp zu bleiben. Bis zu jenem verhängnisvollen Tag am 13. Juni. Als dem rüstigen Senior auf seinem Spaziergang in der Steigenteschgasse ein anderer Passant entgegenkommt, tritt er einen Schritt zur Seite, um auszuweichen.

Was der 80-Jährige nicht sieht, ist eine tiefe Absenkung des Gehsteigs. Deutsch tritt hinein und verliert umgehend das Gleichgewicht. Was folgt, ist ein Sturz mit fatalen Auswirkungen. Die herbeigerufene Rettung bringt den Mann ins Krankenhaus, wo ein Schambeinbruch diagnostiziert wird. "Fast einen Monat war ich im Spital und konnte nicht aufstehen", erzählt der Senior. Auch jetzt noch, drei Monate nach dem Unfall, kann der Pensionist nur mit Hilfe des Rollators gehen.

Eine große Stütze ist sein Nachbar Gerhard. Er erledigt die Einkäufe für ihn, schleppt Wasserflaschen in die Wohnung und kümmert sich um den Garten. Auch beim Ausfüllen der Unterlagen für die Versicherung ist Gerhard behilflich. Mitte August kommt die Rückmeldung: Es gibt keine Entschädigung.

Keine Entschädigung

Zuständig für die Wiener Gehsteige ist die MA 28, Straßenverwaltung und Straßenbau. Als Haftpflichtversicherer fungiert die Wiener Städtische Versicherung AG, die keine Entschädigung leisten will.
In einem Schreiben dazu heißt es: „Den Angaben des Versicherungsnehmers folgend, gibt es zwar Risse im Asphalt und eine geringfügige Setzung im Randbereich Gehsteig-Grünfläche.“ Der zuständige Werkmeister habe bei einem periodischen Rundgang am 24. Mai – also drei Wochen vor dem Unfall – jedoch „die Trittsicherheit der Sturzstelle festgestellt“.

Auf Nachfrage der bz, ob die Wiener Städtische vor Ort die Sachlage geprüft habe, wollte man keine Angaben machen. „Die MA 28 haftet nur nach Schäden durch grobe Fahrlässigkeit, und diese liegt hier nicht vor“, so die Wiener Städtische Versicherung. 

Auch die MA 28 hüllt sich in Schweigen und sagt lediglich, dass der betroffene Gehweg „zum Unfallzeitpunkt trittsicher“ war. Wie man die Sicherheit zu genau jenem Zeitpunkt festgestellt haben will, bleibt offen. Ob es konkrete Vorgaben gibt, bis zu welcher Tiefe eine Absetzung des Gehsteigs als „geringfügig“ eingestuft wird, wollte man ebenfalls nicht beantworten.

Warnschild aufgestellt

Besonders pikant ist jedoch die Tatsache, dass Mitarbeiter der MA 28 zwei Wochen nach dem Unfall ein Umgehungsschild an der Unfallstelle platziert haben. Warum auf einem angeblich trittsicheren Gehweg ein Warnschild aufgestellt wird, bleibt ungeklärt. Nachbar Gerhard ist fassungslos: "Zuerst will keiner schuld sein, weil der Gehsteig angeblich sicher ist, und dann stellen sie plötzlich ein Taferl auf. Es ist eine Sauerei!"

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