In 3.000 Metern Tiefe
Heißwasserquelle könnte Wien als Heizung dienen

Das Forschungsprojekt GeoTief macht sich auf die Suche nach mehr umweltfreundlicher Wärme für Wien.
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  • Das Forschungsprojekt GeoTief macht sich auf die Suche nach mehr umweltfreundlicher Wärme für Wien.
  • Foto: Wien Energie/Christian Hofer
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Ein Blick hinter die Geologie im östlichen Raum Wiens schafft das Projekt GeoTief Wien. Ziel ist es, umweltfreundliche Wärme für die Bundeshauptstadt zu finden. 

WIEN. Bei GeoTief Wien handelt es sich um ein Energie-Forschungsprojekt. 2017 hat Wien Energie mit weiteren Unternehmen das Projekt gestartet. Dabei geht es um die wissenschaftliche Untersuchung des Bodens im Osten Wiens nach möglichen Heißwasservorkommen. Jetzt feiert GeoTief Wien seinen Forschungserfolg. Ein 3D-Modell des Wiener Untergrunds zeigt erstmals konkrete Geothermie-Potentialgebiete. Das Aderklaaer Konglomerat könnte Wien in der Wärmewende voranbringen.

Die Tiefe Geothermie, also erneuerbare Energie, steht bei Wien Energie im Fokus. Kürzlich zeigte eine Studie im Auftrag von Wiener Energie, dass Wärmeversorgung ein wesentlicher Schlüssel für erfolgreichen Klimaschutz in der Stadt ist. Der geologische Untergrund im Großraum Wien wird seit 2016 im Projekt GeoTief Wien erforscht. Das Ergebnis des 3D-Modells: "In rund 3.000 Metern Tiefe liegt ein vielversprechendes Heißwasservorkommen für die Tiefe Geothermie, das sogenannte Aderklaaer Konglomerat". 

Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung: Michael Strebl.
  • Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung: Michael Strebl.
  • Foto: Wien Energie/Martina Draper
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Wiener Untergrund als Paradebeispiel

„Wien heizt heute schon sehr umweltfreundlich! Um unser Ziel zu erreichen, die Wärmeversorgung bis 2040 komplett zu dekarbonisieren, brauchen wir weitere erneuerbare Wärmequellen“, erklärt Peter Hanke, SPÖ-Stadtrat für Wirtschaft, Finanzen und Wiener Stadtwerke. Hanke spricht von einem Paradebeispiel für interdisziplinäre Forschung beim 3D-Modell.

Für die Wärmewende, den Umstieg auf erneuerbare Wärmeversorgung, ist Fernwärme essentiell. Ziel ist es bis 2040 56 Prozent des Wärmebedarfs der Stadt Wien über Fernwärme zu decken. Der Rest soll über Wärmepumpen geregelt werden. Es geht darum, dass Fernwärme gänzlich klimaneutral ist. Die Geothermie spielt hier eine wichtige Rolle. Ebenso die Müllverbrennung und Abwärme-Nutzung.

"Damit Klimaschutz in Wien erfolgreich ist, müssen wir unsere Wärmeversorgung noch umweltfreundlicher aufstellen. In der Tiefen Geothermie – also Heißwasservorkommen mehrere tausend Meter unter der Stadt – liegt dabei großes Potential“, ist Michael Strebl, Vorsitzender der Wien Energie-Geschäftsführung, überzeugt. Denn das große Wärmevorkommen liegt unter Wien. Das soll in Zukunft für die Wärmeversorgung genutzt werden.

16.000 kabellose Sensoren wurden ausgelegt.
  • 16.000 kabellose Sensoren wurden ausgelegt.
  • Foto: Wien Energie/Christian Hofer
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Haushalte aus dem Untergrund versorgen

"Mit dem 3D-Modell haben wir jetzt ein detailliertes Bild vom Wiener Untergrund in der Hand und können uns an die Planung von konkreten Projekten machen. Bis 2030 wollen wir bereits bis zu 125.000 Haushalte mit Wärme aus der Tiefe versorgen können!“, ergänzt Strebl. Das Potentialgebiet streckt sich von der Donaustadt bis Simmering.

Auf Basis des 3D-Modells sieht Wien Energie die Chancen, die Heißwasservorkommen drei Kilometer unter der Erde für erneuerbare Fernwärme nutzen zu können. 120 Megawatt thermische Leistung werden hierbei geschätzt. Seit 2016 forscht das interdisziplinäre Team von GeoTief Wien. Für die genaue Abbildung des tiefen Wiener Untergrunds wurden Bestandsdaten der Kohlenwasserstoffindustrie analysiert und ausgewertet.

Das 3D-Modell zeigt die unterschiedlichen Gesteinsschichten unter der Stadt.
  • Das 3D-Modell zeigt die unterschiedlichen Gesteinsschichten unter der Stadt.
  • Foto: Wien Energie/APA-Auftragsgrafik
  • hochgeladen von Sophie Brandl

Danach kamen in Österreich zum ersten Mal innovative 3C Seismik Messungen zum Einsatz. Auf einem Gebiet von rund 175 Quadratkilometern wurden 16.000 kabellose Sensoren ausgelegt. Sie haben seismische Reflexionen aus dem Untergrund aufgezeichnet. In den Erdboden wurden dafür Schwingungen mit speziellen Fahrzeugen geschickt. Ähnlich wie bei einem Ultraschall. Analysiert hat man letztendlich 50 Terabyte Daten. 

Im Zuge dessen ist das Aderklaaer Konglomerat in den Fokus gerückt. Eine Gesteinsschicht, die im Wiener Becken vorkommt und deren Ablagerung vor rund 20 Millionen Jahren entstanden sind. Mit den Modellen konnten die Lage/Ausbreitung, Geometrie, Tiefenlage, Mächtigkeit und mögliche geologische Störungssysteme im Aderklaaer Konglomerat im Untersuchungsgebiet festgelegt werden.

Die Wassertemperatur im Aderklaaer Konglomerat soll bei einer Tiefe von rund 3.000 Metern bis zu 100 Grad Celsius betragen. Sie könnte sich damit für die Nutzung durch die Wiener Fernwärme eignen. Eine Erkundungsbohrung soll endgültige Gewissheit schaffen. "Wenn diese Ergebnisse vorliegen, haben wir alle Vorarbeiten geleistet, die zur geologischen Risikominimierung möglich sind“, erklärt Wien Energie-Geschäftsführer Karl Gruber.

Forschungstest in Essling

Das Forschungsprojekt GeoTief Wien ist mit einem praktischen Test in der Donaustadt, genauer gesagt in Essling, in seiner vorerst letzten Phase. Set Oktober werden am ehemaligen Erkundungsbohrplatz von Wien Energie Untersuchungen durchgeführt. Sie sollen weitere Informationen zu den Gesteinseigenschaften im Aderklaaer Konglomerat liefern. Die Durchlässigkeit des Gesteins und die chemische Zusammensetzung des Thermalwassers stehen im Fokus. 

Hinter GeoTief Wien steht neben Wien Energie auch AIT, Geologische Bundesanstalt, Geo5, Heinemann Oil (HOL), Montanuniversität Leoben OMV, RAG Austria AG, Universität Wien, Universität Salzburg und Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

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