Wildwuchs im Gemeindebau

Jakob Domini kann dem ungeliebter Nachbarn sogar übers Fenster die Hand schütteln. Freundschaftsbekundung ist das freilich keine.
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  • hochgeladen von Geraldine Smetazko

DONAUSTADT. Ungebetene (G-)Äste kommen in Breitenlee übers Fenster ins Haus. Zumindest ergeht es so dem Ehepaar Domini in ihrer Gemeindebauwohnung in der Ziegelhofstraße. Gleichzeitig mit der Errichtung der Bauten in den 70er-Jahren wurden auch die Freiräume besiedelt. Dass diese Bäume irgendwann einmal schlechte Nachbarschaft bedeuten würden, damit rechnete man in den Siebzigern wohl noch nicht.

Mittlerweile sind die Dominis hier fest verwurzelt – ebenso wie der Nadelbaum vor und in ihrem Wohnzimmer- und Küchenfenster. "Im Sommer gibt es bei einem Lüfterl bei uns in der Wohnung ein Lichtspiel wie in der Disco", so Jakob Domini.

Hilfe für Einbrecher

Doch nicht nur die wechselnden Lichtverhältniss aufgrund des Baumes trüben die Wohnqualität. "Die Äste scheren bei Wind am Fenster, das macht einen Wirbel und verschmiert das Glas", so das Pensionistenehepaar. Außerdem sei die Nähe der Äste zu den Fenstern Einbrechern bei ihren Taten behilflich. "Der Herr unter uns ist jetzt ausgezogen, weil die Einbrecher zweimal über den Baum in seine Wohnung geklettert sind", erzählen die Dominis. Selbst auf mehrmalige Meldungen und Beschwerden bei Wiener Wohnen sei noch nichts unternommen worden, so die Bewohner. "Es hat nur geheißen, dass der Baum gesund ist und weit genug weg von der Fassade wächst", so Jakob Domini.

Das ursächliche Problem liegt dabei allerdings im Wiener Baumschutzgesetz und nicht bei Wiener Wohnen. "Es ist strengstens untersagt, gesunde Bäume wegen Lichtmangel zu entfernen oder nach Belieben zurückzustutzen", erklärt Renate Billeth von Wiener Wohnen. "Wir haben hier nur einen sehr eingeschränkten Handlungsspielraum." Bei der letzten Kontrolle Ende des Vorjahres seien vom Sachverständigen keine Maßnahmen vorgeschrieben worden.

Anlässlich der Anfrage habe ein Werkmeister nochmals persönlich eine Begutachtung durchgeführt und die ungünstige Lage der jungen Triebe bestätigt. Nun werden die Fein- und Feinstäste von sechs Bäumen entlang der Hausmauer im Zuge eines Fassadenfreischnittes eingekürzt. Ein erster wichtiger Schritt für die Dominis. Fraglich bleibt jedoch, wie lange diese Maßnahmen wirksam sind, denn schon jetzt ist klar: Der Baum wird weiter wachsen und wieder austreiben.

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