"Eine Ausgrenzung der FPÖ gibt es nicht!"

Wie viele Stunden waren Sie im Wahlkampf pro Tag im Einsatz?
Also zeitlich ganz genau benennen kann ich es nicht. Wir waren sicher in allen Grätzeln in der Donaustadt einige Male, wobei Hausbesuche nur einen Teil davon ausgemacht haben. An stark frequentierten Stelle wie der U-Bahn erreicht man natürlich mehr Menschen, aber wir sind auch an Plätzen gestanden, wo pro Stunde fünf Leute vorbeigekommen sind. Fakt ist, dass ich jede Einladung, die ich erhalten habe, wahrgenommen habe, auch wenn ich manchmal nur kurz Zeit hatte, um mich blicken zu lassen. Insgesamt hatte ich aber sicher einen zwölf bis 15 Stunden Tag – manchmal auch am Wochenende.

Wie haben Sie die ersten Hochrechnungen/Ergebnisse am Wahltag erlebt?
Das Kopf an Kopf Rennen, das überall propagiert wurde, habe ich in den Gesprächen mit den Bürgern nicht gespürt, deshalb war ich gelinde gesagt sehr überrascht, als ich die erste Umfrage gehört habe, laut der die FPÖ mit ihrer Art der Politik wirklich in Richtung erster Platz kam. Bei den ersten Hochrechnungen war dann aber klar, dass wir es schaffen werden. Freude kam trotzdem keine auf, weil fünf Prozent der Wähler zu verlieren, ist kein Grund zur Freude.

Wie erreichen die Bürger Sie außerhalb des Wahlkampfs?
Ich bin ständig in der Donaustadt unterwegs, aber zudem habe ich jeden Dienstag von 14 bis 17 Uhr drei Stunden Sprechstunde in der Bezirksvorstehung. Da kann jeder kommen – einfach nur Termin vereinbaren! Einmal die Woche gibt es auch eine Sprechstunde in der SPÖ Zentrale. Als Bezirkspolitiker bin ich in erster Linie vom Bezirk für den Bezirk gewählt, bin aber auch von der Stadt abhängig. Mir wäre natürlich am liebsten, wenn alle Mittel aus der Stadt in die Donaustadt fließen würden.

Was beschäftigt die Menschen in der Donaustadt am meisten?
In erster Linie ist es der immense Bevölkerungszuwachs, der eine große Herausforderung aber auch eine große Chance für alle ist. Das "Problem" der Donaustadt ist ja, dass sie viel zu attraktiv und lebenswert ist und deshalb so viele Menschen und vor allem junge Familien zu uns kommen. Der öffentliche Verkehr wurde immer weiter ausgebaut, wir haben auch das längste Radwegenetz und zudem den Individualverkehr. Für Letzteres haben wir auch das Thema Stadtstraße, das mich seit meinem Amtsantritt verfolgt.

Apropos Staststraße: Denken Sie, dass dieses Thema Ihnen Wahlstimmen gebracht oder gekostet hat?
Stimmen hat es sicher nicht gekostet, weil sowohl die SPÖ als auch ÖVP oder FPÖ dafür gestimmt haben. Vor allem die FPÖ hat das Thema in Richtung Wahl immer mehr forciert. Dagegen haben die Grünen, die dagegen mobil gemacht haben, nur wenig dazugewonnen bzw. kommunal kein Feedback dazu erhalten. Meine Einschätzung ist also, dass die Leute erkennen, dass hier etwas passieren muss.

Gibt es einen Zeitplan für die Stadtstraße?
Die Stadttraße ist noch im Verfahren, was nichts daran ändert, dass sie kommen muss - das sieht auch Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou so. Da mache ich mir keine Sorgen. Was derzeit noch ein Problem ist, ist der Lobautunnel und die Nordostumfahrung, aber schlussendlich muss die Umfahrung der Donaustadt kommen und wird sie auch.

Wie deuten Sie das Ergebnis in der Seestadt?
Es ist für mich kein Sieg für Blau in der Seestadt. Wir haben drei willkürlich geordnete Sprengel in der Seestadt, darin hat ein Drittel die FPÖ gewählt, also zwei Drittel haben sie nicht gewählt – ein Abbild des Wahlverhaltens in ganz Wien. Dass die FPÖ auch dort Stimmen erhalten hat, wundert mich nicht, aber "Sieger in der roten Seestadt" ist sie sicher nicht.

Wie erklären Sie sich den Anstieg an FPÖ-Wählern in der Donaustadt?
Das Problem ist, dass wir seit Jahren in einer Wirtschafts- und Finanzkrise lebe. Und wenn man Sorgen und Zukunftsängste hat, neigt man dazu, auf einfache Argumente zu schwierigen Fragen zu hören, auch wenn das in Wirklichkeit gar keine echten Antworten sind. Das bedeutet nicht, dass wir sicher Probleme haben, denen wir uns widmen müssen – auch in der Donaustadt. Nur so einfache Antworten gibt es leider nicht.

Werner Hammer von der FPÖ wünscht sich ein Ende der Ausgrenzungspolitik von Ihrer Seite nach der letzten Wahl. Was sagen Sie dazu?
Von meiner Seite gab es nie eine Ausgrenzungspolitik gegenüber der FPÖ. Ganz im Gegenteil! Die Freiheitliche Partei war in dem einen Jahr, seitdem ich Bezirksvorsteher bin, noch nie in diesem Büro und es gab nie irgendwelche inhaltlichen Gespräche oder Vorschläge in meine Richtung. Ich hatte Gespräche mit der ÖVP und auch den Grünen - selbst wenn wir in vielen Punkten eine unterschiedliche Meinung haben - nur die FPÖ war noch nie bei mir. So gesehen kann ich nur betonen, dass meine Tür auch für die Freiheitlichen in kommunalen Fragen immer offen ist.

Ist die Donaustadt für den Zuwachs an Menschen gerüstet?
Wir brauchen keine Schlafstadt, wir brauchen eine Wohnstadt und wir bereiten uns laufend in Sachen Verkehr, Wohnen, Bildung, Betreuung usw. darauf vor. Die Frage ist nur, wie man es macht. Wir müssen dafür sorgen, dass wir dabei den Bedürfnissen der Menschen entsprechen – ob Autofahrer, Radfahrer oder Öffi-Nutzer. Also ja, wir sind dafür gerüstet bzw. arbeiten laufend daran, gerüstet zu sein.

Warum braucht die Donaustadt einen roten Bezirksvorsteher?
Die Donaustadt funktioniert sehr gut, wird sehr gut verwaltet und wird hoffentlich auch weiterhin so gut geführt, dass wir der lebenswerteste Bezirk in Wien bleiben. Das hat in den letzten Jahrzehnten die Sozialdemokratie geschafft, weshalb ich finde, dass die SPÖ auch in Zukunft in der Donaustadt regieren sollte.

Autor:

Conny Sellner aus Donaustadt

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