11.09.2014, 14:37 Uhr

"Der Tod ist das Ende des Lebens aber nicht der Liebe" ein Erlebnisbericht aus dem WTK.

Jean Luc,
seines Zeichens ein EKH Kater wurde fast 20 Jahre alt.
Er war mir ein treuer Wegbegleiter, Gefährte und Freund.
Am Montag den 8.9.2014 musste ich ihn bei der Tierärztin erlösen lassen. Er wog nur mehr 2,85 Kilo und sein ehemals kräftiger und muskulöser Körper war dem knochigen und hageren Körper eines alten aber stolzen Mannes gewichen. Der Zeitpunkt war einfach gekommen und man soll loslassen, was man liebt, wenn man nicht mehr helfen kann. Wir konnten Jean Luc nicht mehr helfen, und wenn ich an die Oma meines Mannes denke, welche mit 104 Jahren im Altersheim sitzt und jeden Tag betet, dass der Herrgott sie endlich erlöse, war die Entscheidung ihn gehen zu lassen zwar schwer aber richtig.
Heutzutage sind Tiere mehr Familienmitglieder als Mitbewohner und dementsprechend lange muss man beim WTK (Wiener Tier Krematorium) auf einen Termin warten, wenn man sein Tier einäschern lassen möchte.
Der Preis sei jetzt einmal dahingestellt denn ich wollte eine Einzeleinäscherung mit der Option die Asche danach mitnehmen zu können. Und dass viele Menschen es unter Umständen abartig finden, wenn man sich eine Urne zu Hause hinstellt, lassen wir jetzt auch einmal beiseite. (Ich persönlich finde ausgestopfte Tiere an Wänden oder Felle als Bodenbelag schlimmer)
Jedenfalls kamen wir eine halbe Stunde vor unserem Termin beim WTK an. Das WTK wurde übrigens 1992 gegründet und 2011 umgebaut.
Aus Gründen, welche ich nicht weiß, muss man an der Tür läuten, um Einlass zu bekommen. Ein Mitarbeiter, mit Schutzkleidung kam zur Tür um diese zu öffnen, da es keinen elektronischen Türöffner gibt.
Uns wurde das Prozedere erklärt. Gleich beim Eingang ist eine Waage und Särge aus Papier in welches das Tier gelegt und abgewogen wird. Hier hatten wir noch etwas Zeit um Abschied zu nehmen. Der Herr in der Schutzkleidung ging, wie er sagte, einstweilen den Ofen aufdrehen. Wir konnten auch gleich das Formelle, sprich bezahlen, erledigen. Nach einigen Minuten kam der Herr um den kleinen Papiersarg in welchem Jean Luc lag zu holen "um alles vorzubereiten", er würde uns dann Bescheid geben. Es ging auch recht Flott und er kam, um uns in einen kleinen Raum zu führen. Hier wurde dann ein Sichtschutz beiseitegeschoben und wir sahen durch ein Glasfenster. Jean Luc lag in seinem kleinen Sarg auf einer Art Bahre und zwei moderne Verbrennungsöfen waren zu sehen. Alles glänzte und wirkte ungemein steril. Dann ging alles recht schnell. Der kleine Körper wurde in den Ofen geschoben und uns wurde gesagt, dass es ca. 1 1/4 Stunden dauern wird bis wir die Asche holen könnten.

Wie auch immer man die Zeit verbringt es zieht sich und wir waren etwas früher wieder dort. Wir haben wieder geläutet, der Herr kam wieder um uns zu öffnen und wir nahmen wieder Platz. Es waren noch andere Menschen dort und der Herr war ein wenig in Hektik. Die Dame, welche vorhin noch im Büro war, schien auf Mittag gewesen zu sein.

Irgendwie tat mir der Herr leid, denn Menschen in einer solchen Situation zu betreuen ist schon schwierig genug, gleichzeitig aber auch die Verantwortung für die Brennöfen zu haben und die Asche der Tiere in kleine schwarze Transportfolien zu verschweißen, ist für einen Mann allein, meines Erachtens nach zu viel.

Dem entsprechend ging dann alles sehr sehr geschwind. Der Herr verschwand kurz und kam mit einem kleinen weißen Sackerl zurück in dem die vorhin schon erwähnte schwarze Transportfolie mit der Asche meines Katers lag. Und ganz nebenbei wurde auch noch eine Werbebroschüre eingepackt. Im Vorbeigehen wurde mir das Sackerl überreicht und er war schon wieder weg.

Auf der HP des WTK steht etwas von "pietätvoller und moderner Atmosphäre", und "Wir beraten Sie über die verschiedenen Möglichkeiten, sich würdevoll von Ihrem Liebling zu verabschieden."

Nun ja, was soll ich noch schreiben???

Modern ist das Gebäude und die Öfen schon.
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Christine Neumeyer aus Donaustadt | 11.09.2014 | 16:01   Melden
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